Wulff auf Kirchentag: Islam gehört zu Deutschland

Deutschland verträgt nach Worten des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff „eine ganze Menge“ unterschiedliche Religionen, sofern sich die Gläubigen an feste Regeln halten. Das sei allen voran das Grundgesetz, das die Scharia - das islamische Recht - ausschließe, sagte Wulff am Samstag beim Evangelischen Kirchentag in Dortmund. Die Säulen des Islams - etwa das Fasten im Ramadan oder das Beten fünfmal am Tag - vertrage sich „mit unserer Gesellschaft sehr gut“.

22.06.2019 / Lesedauer: 2 min
Wulff auf Kirchentag: Islam gehört zu Deutschland

Christian Wulff (CDU), ehemaliger Bundespräsident. Foto: Christophe Gateau/Archiv

Vor knapp neun Jahren hatte Wulff als Bundespräsident gesagt: „Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“. Diesen Satz sage er heute „noch vehementer“, betonte Wulff. Was ihm Sorge bereite: Damals hätten 60 Prozent der Bevölkerung dieser Aussage zugestimmt, heute seien es nur noch 40 Prozent.

Die Frage, wie viel Religion das Land vertrage, berge viel Konfliktpotenzial, sagte der Katholik. Das Grundgesetz gebe eine eindeutige Antwort: Niemand dürfe wegen seines Glaubens benachteiligt werden. Zugleich forderte Wulff mit Blick auf den umstrittenen türkisch-islamischen Dachverband Ditib, die Islamverbände müssten ihre Abhängigkeit von den Geldgebern im Ausland kappen. Dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan im Herbst 2018 in Köln die Ditib-Zentralmoschee eröffnet habe, sei ein großer Fehler und enttäuschend gewesen.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sagte, es sei eine Sisyphusarbeit, immer wieder um Vertrauen zu werben. Das „Gift“ von Rechtspopulisten und Rechtsradikalen wirke. Muslime sollten als selbstverständlicher, gleichberechtigter Teil der Gesellschaft auch mit allen dazugehörenden Pflichten gesehen werden. Die Ditib-Moschee-Einweihung sei ausschließlich auf die Türkei ausgerichtet gewesen und ein „Bärendienst für uns Muslime“ gewesen, kritisiert er. „Mein Bundespräsident heißt Frank-Walter Steinmeier, meine Bundeskanzlerin ist Angela Merkel.“

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