Wüste Schlägerei im Gerichtssaal: Zuschauer in Handschellen abgeführt

dzAmtsgericht Essen

Mit einer wüsten Schlägerei ist in Essen der Prozess um eine Racheaktion unter arabischen Großfamilien zu Ende gegangen. Auch der Prozess selbst drehte sich um einen wahren Gewalt-Exzess.

Essen

, 16.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kaum waren die Urteile gesprochen, brach der Tumult aus. Angeklagte schreien wüste Beleidigungen, Zuschauer gehen aufeinander los. Auf arabisch oder auf Deutsch: Alle schreien durcheinander. Die im Saal anwesenden Polizisten und Wachtmeister greifen sofort durch. Weitere kommen herein. Mehrere Männer werden zu Boden gebracht, einer wird in Handschellen abgeführt.

Auch auf der Anklagebank wollen sich zwei der gerade Verurteilten an die Wäsche. Auch sie müssen mit Gewalt getrennt und dann abgeführt werden.

Bis zu drei Jahre und drei Monate Jugendhaft

Bis zu drei Jahre und drei Monate Jugendhaft hatte das Essener Amtsgericht zuvor gegen die insgesamt acht Angeklagten verhängt. Sie hatten im Juni 2019 gemeinsam ein Mitglied einer offenbar verfeindeten arabischen Großfamilie brutal zusammengeschlagen. Acht gegen eins. Tatort war ein Essener Schulhof. Der mit damals 15 Jahren jüngste Angeklagte hatte die Gewaltszenen mit einem Handy gefilmt.

Das Video war später bei Youtube aufgetaucht. Zu sehen sind ganze Serien von brutalen Tritten und Faustschlägen – gegen Kopf und Körper des bereits am Boden liegenden Opfers. Dass der andere Mann nicht lebensgefährlich verletzt worden ist, grenzt an ein Wunder. Er hatte mehrfach versucht, sich unter ein Gebüsch zu retten, wurde jedoch immer wieder hervorgezogen. „Das hätte auch ganz anders ausgehen können“, hieß es im Urteil. Ein Rechtsmediziner hatte das genauso gesehen und von zumindest „abstrakter Lebensgefahr“ gesprochen

Hintergründe bleiben unklar

Das Opfer war von einem Mädchen zum Schulhof gelockt worden. Alles war abgesprochen. Die Angeklagten hatten sich bereits in der Nähe versammelt, waren dann gemeinsam losgerannt. „Alle wussten, dass er eine Abreibung bekommen sollte“, heißt es im Urteil. Einer der Angeklagten hatte im Prozess berichtet, dass es um ein Mädchen ging. Doch die Hintergründe sind unklar geblieben.

Für den Prozess am Essener Amtsgericht hatten von Anfang an erhöhte Sicherheitsmaßnahmen gegolten. Auch am Donnerstag hatten sich rund um das Gerichtgebäude Polizisten positioniert. Einer der Beamten hat die Prügelszenen im Gerichtssaal mit einer Kamera gefilmt. Der Jüngste der Angeklagten, der nur zu einem Dauerarrest und 80 Sozialstunden verurteilt worden ist, hatte sogar noch versucht, auf einen Kameramann des WDR loszugehen, der vor dem Gerichtssaal stand.

Neben dem heute 16-Jährigen hatten nur noch zwei andere Angeklagte Bewährungsstrafen erhalten. Alle anderen müssen ins Gefängnis. Rechtskräftig sind die Urteile wegen gefährlicher Körperverletzung noch nicht. Einige der Verteidiger haben bereits angekündigt, dass sie Berufung einlegen wollen.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Mordanklage
Grausamer Tod: Obdachloser soll 33-Jährigen in seiner Wohnung zu Tode gefoltert haben
Hellweger Anzeiger Arbeitsgericht Herne
Baumarkt Hornbach in Datteln: Wurde schwerbehinderter Mitarbeiter diskriminiert?