Wolfgang Kubicki sagt, was Sache ist

dzMendener Autorenfrühling startet

Mit einem absoluten Hochkaräter startete der Mendener Autorenfrühling in das Jahr 2020: Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki stellte sein Buch: „Sagen, was Sache ist“ vor.

von Peter Benedickt

Menden

, 12.01.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als der FDP-Politiker ganz unspektakulär gemeinsam mit Veranstalter Andreas Wallentin und Moderator Martin Korte die Bühne betrat, dachte so mancher der rund 300 Besucher, wo ist das, was den Mann aus dem Norden der Republik so besonders macht? Als dann der Gast erstmalig zum Mikrofon griff, wurde schnell klar: „Der hat es drauf, der Abend wird kurzweilig.“

„Wer das Buch liest, erlebt den privaten Wolfgang Kubicki“, übernahm der Mendener Buchhändler die Begrüßung. Wallentin zeigte die politische Karriere im positiven Licht. Martin Korte stellte sein Gegenüber als das humorvollste Mitglied des Bundestages vor: „Sie haben schon 100 Mal für Heiterkeit im Bundestag gesorgt.“

Kubicki kennt Menden im Dunkeln

„Meine Frau würde sagen, das ist schon fast zu viel des Lobes“, schmunzelte der Norddeutsche. „Aber sie hat Unrecht, man kann unglaublich viel Lob einheimsen, ohne das die Seele Schaden nimmt.“ Er freue sich, in Menden zu sein: „Ich kam im Dunkeln an, ich kann nur Gutes über den Ort sagen.“

Schon nach der Antwort auf die erste Frage wusste das Publikum, das es ein unterhaltsamer Abend wird: „Ralf Stegner zieht sich quasi wie ein roter Faden durch ihr Buch.“ „Roter Faden ist schon mal richtig“, bestätigte Kubicki. Warum dieser Mann immer so griesgrämig schaut? „Wenn sie ein Linker sind, können sie nicht fröhlich gucken.“ Aber jetzt hätte sich was getan: „Ralf Stegner ist in seiner Partei jetzt rein gendermäßig ausgeglichen von Frau Esken.“ Dass eine Illustrierte sich mal die Mühe machte, alle Schimpfworte gegen Kubicki aufzulisten, rang dem FDPler nur ein müdes Schulterzucken ab: „Alle, die mich beleidigt haben, sind weg. Ich bin noch da. Das spricht entweder für mich oder gegen die anderen.“

Dieser Politiker ist kein ängstlicher Mensch

Den Titel seines Buches „Sagen, was Sache ist“ nimmt er durchaus wörtlich: „Ich sage immer noch Negerkuss und meine damit Schaumgebäck.“ Er verstehe nicht, warum er nicht aussprechen dürfe, was richtig sei. Schreckhaft scheint er ebenfalls nicht zu sein: „Werde ich bedroht, antworte ich ‚Ich weiß, wo du wohnst‘.“

Mit Vorhersagen über die Zukunft hat er so seine Probleme: „1972 wurde auch ein angeblich fundierter Blick in kommende Zeiten geworfen. Nicht eine Prognose ist eingetroffen.“ Warum? „Weil der Mensch immer bei Problemen reagiert hat.“

Schlagfertig präsentierte sich Wolfgang Kubicki, spitzzüngig, hintergründig. Nicht nur immer bloß eine Antwort, nein, es kommt eine Meinung, eine fundierte Meinung, die der Politiker zudem in passenden Worte packte. „Sagen, was Sache ist“. Er lobte Merkel („ohne sie hätten wir die Finanzkrise niemals so bewältigt, wie sie bewältigt wurde“), er glaubt nicht an das Ende der GroKo („auf eine Veränderung müssen wir bis 2021 warten“), er hatte Tipps für die Zuhörer („Nicht über die Zustände meckern, sie können sie ändern, richtig wählen“).

Diese Generation hat noch keinen Krieg erlebt

Umweltsau? Das war keine Satire, das war eine Unverschämtheit. Friday for Future? Das sich die Jugend engagiert, wäre in Ordnung, aber: „Ich würde empfehlen, wieder die Schule zu besuchen, damit sie durch die gewonnene Bildung in der Lage sind, die kommenden Probleme zu bewältigen.“ Was ihm nicht gefällt, ist der Radikalismus: „Wenn ihr nicht so wollt wie wir, dann müsst ihr weg.“

Wie seine Gefühlslage wäre, wollte Moderator Martin Korte wissen. Die Antwort typisch Kubicki: „Ich bin glücklich, weil mir hier so viel ermöglicht wurde, weil meine Generation keinen Krieg erlebt hat. Deshalb werde ich dieses Land mit allem verteidigen, was ich habe.“