Wo ein Roboter Abfalleimer für halb Deutschland schweißt

dzMade in Schwerte

Hahne & Lückel, den Namen der Firma kennt selbst in Schwerte kaum jemand. Aber ihre Produkte prägen das Bild jeder dritten deutschen Stadt. Es handelt sich um besondere Möbel.

Geisecke

, 23.10.2018, 18:14 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auf dem Firmengelände sieht es ein wenig so aus, wie in vielen Innenstädten der Republik. Silberne Mülleimer, mit und ohne Hundekotbeutel-Fach, Bänke und Poller. Kein Wunder, die Produkte, die alle aus der Fertigung in Geisecke stammen, hat wohl jeder schon mal gesehen. „In jeder dritten Stadt der Republik gibt es Produkte von uns“, sagt Michael Voigt. Er ist Betriebsleiter bei Hahne & Lückel.

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Hahne & Lückel

So werden die Stadtmöbel hergestellt.
23.10.2018
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Schweißer bei der Arbeit bei Hahne & Lückel in Geisecke© Heiko Mühlbauer
Markus Kremser bedient den Schweißroboter bei Hahne & Lückel.© Heiko Mühlbauer
Mit diesem Gerät wird der Schweißroboter gesteuert.© Heiko Mühlbauer
Markus Kremser bedient den neuen Schweißroboter bei Hahne und Lückel.© Heiko Mühlbauer
In dieser Hülle steckt der Schweißroboter.© Heiko Mühlbauer
Betriebsleiter Michael Voigt mit einem Abfallbehälter mit dem malerischen Namen Paris. Im Hintergrund sieht man ein anderes Modell, das noch nicht beschichtet wurde.© Heiko Mühlbauer
Aus diesen Stahlbügeln werdeb mal Fahrradständer.© Heiko Mühlbauer
Auf dem Hof bei Hahne & Lückel werden die Abfallbehälter verladen. Zum Versandt oder für die Verzinkerei.
Ein Schweißroboter für Stahl bei der Arbeit.

Die kleine Firma im Gewerbegebiet in Geisecke ist einer der führenden Hersteller von sogenanntem Stadtmobiliar. Neben Bänken, Fahrradständern und Abfallbehältern oder Picknicktischen gehören dazu auch Absperrpoller. Ob am Checkpoint Charly in Berlin oder in der Dortmunder Innenstadt, die Pöller mit den Namen wie „Franken“ oder „Westfalen“ tauchen überall auf. Nicht alles, was die Firma herstellt, kommt quasi von der Stange. „Wir sind da nah am Kunden“, sagt Voigt. So wünschte sicht die Stadt Bielefeld Abfallbehälter für gebrauchte Spritzen, die man dort aufstellen wollte, wo sich Fixer treffen. Denn gebrauchte Spritzen stellen ein hohes Infektionsrisiko dar. Gemeinsam mit der Firma entwickelte man einen Abfalleimer mit kleinem Einwurf und einem innen eingesetzten Einwegbehälter, in dem die alten Spritzen direkt entsorgt werden können. Das eingelaserte Piktogramm zeigt eine Spritze, damit auch klar ist, wofür dieser Abfalleimer bestimmt ist.

Abfalleimer für den BVB

Und als Borussia Dortmund das Westfalenstadion mit Abfallbehältern ausstatten wollte, die auch einen Fanansturm überstehen, griff man auf ein Schwerter Produkt zurück. Schwarz beschichtet und nahezu unverwüstlich.

Größtes Problem ist Vandalismus

Denn Vandalismus ist der größte Feind des Stadtmobiliars. Ausgetauscht wird meist nur, was kaputt gegangen ist. „Ein Abfallbehälter im sozialen Brennpunkt muss manchmal schon nach einem Jahr ausgetauscht werden, dasselbe Modell im Schlosspark hält gut 15 Jahre“, erklärt Voigt.

Über 6800 Abfallbehälter verlassen pro Jahr die Werkshalle an der Silberkuhle. Hergestellt werden sie von 16 gewerblichen Mitarbeitern. Alles Fachkräfte aus der Metallbranche.

Unterstützt werden sie dabei von bislang noch zwei, künftig aber drei Robotern. Das neuste Exemplar wird gerade in der Werkshalle aufgebaut.

Abfallbehälter aus Aluminium

Ein großer roter Kasten schützt den Roboterarm, der selbstständig schweißen kann. Und zwar Aluminium, denn die Nachfrage nach Müllgefäßen aus diesem Material wird immer größer. „Mittlerweile sind 60 Prozent unserer Abfallbehälter aus Alu“, erklärt Betriebsleiter Voigt. Durch das leichtere Gewicht können die Behälter auch leichter gelehrt werden. Das macht vor allem in großen Innenstädten Sinn, wo mehrere Leerungen am Tag anliegen.

Hahne & Lückel ist derzeit der einzige Hersteller, der so etwas serienreif macht. Dafür wurde auch der neue Roboter angeschafft.

Der stammt von der österreichischen Firma IGM und ähnelt seinen Kollegen in der Automobilindustrie. Ein Roboterarm mit einer Stromquelle (so heißt das Schweißgerät im Fachjargon) nimmt sich die Teile aus einem Gestell, setzt sie zusammen und verschweißt das Ganze selbstständig.

Zusätzlicher Mitarbeiter für den Roboter eingestellt

Na ja, fast selbstständig. Denn für die Bedienung der Maschine ist ein Mensch, nämlich Markus Kremser, zuständig. Er wechselte direkt nach seiner schulischen Ausbildung zum Industriemechaniker zu Hahne & Lückel. Während die Robotertechnik anderswo Arbeitsplätze einspart, hat sie in Geisecke einen neuen Arbeitsplatz geschaffen. Der 22-Jährige aus Iserlohn bedient mit einem Gerät, das wie eine Mischung aus Tastatur und Tablet aussieht, den Maschinenarm. Bis zu 50 Alu-Abfalleimer kann man so täglich zusammenschweißen. „Per Hand könnte man da höchstens die Hälfte schaffen“, schätzt Voigt. Und dann auch nicht mit Schweißnähten dieser Qualität.

Zur Firmenhomepage

Rund 200.000 Euro hat die Schwerter Firma alleine in die neue Technik investiert. Hinzu kommen der neue Mitarbeiter und die Kosten für ein massives Fundament, auf dem der Roboter steht.

Spätestens am Montag soll der neue Roboter und mit ihm auch Markus Kremser an die Arbeit gehen. Bis dahin muss allerdings noch einiges feinabgestimmt werden. Zwei weitere Kollegen, die bereits im Betrieb sind, haben ebenfalls eine Schulung für das neue Gerät gemacht, damit man sich gegenseitig vertreten kann.

Wie ein Schweißroboter funktioniert, kann man nebenan sehen. Hier werden Fahrradständer aus Stahl gefertigt. Von zwei Seiten bestückt der Mitarbeiter die Maschine. Sobald die Klappe zu ist, macht sich der Roboter ans Werk.

Kleinteile werden von Hand geschweißt

Letztlich lassen sich aber nicht alle Teile von Robotern bauen. Vor allem bei Kleinteilen und kleinen Serien wird auch noch von Hand geschweißt.

Begonnen hatte alles übrigens 1963 in Hagen-Hohenlimburg als Werkzeugbaubetrieb. 1969 zog die Firma, die Beschlagteile für Palette und Ähnliches baute, nach Geisecke um. 1982 begann man mit dem Bau von Abfallbehältern und anderen Stadtmöbeln. Die Produkte schlugen deutschlandweit ein.

Und bereits 1986 schaffte sich das Schwerter Unternehmen den ersten Schweißroboter an, damals noch ein Novum für einen Mittelständler. Heute gehört der Werkskatalog der Schwerter Firma auf den Schreibtisch jedes Stadtplaners.

Das ist natürlich auch in Schwerte so. Wer aufmerksam durch die Stadt geht, findet so einige Produkte aus der Geisecker Fabrikation.

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