Wo die jüdische Gemeinde Schwerte ihre Schule hatte, wird heute Pizza serviert

dzSerie: Häuser erzählen

Manche Gebäude geben sofort ihre Geheimnisse preis. Andere bleiben rätselhaft. Wir spürten solchen Geschichten nach. Folge 5: Die jüdische Schule

Schwerte

, 28.12.2018, 12:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

„Für unsere Kinder“ steht in Stein gemeißelt über der Eingangstür der Pizzeria Europa. Wer würde sich auch nicht gerne vom Papa zu Spaghetti oder Pizza einladen lassen. Doch die Jahreszahl „1898“ macht stutzig. Denn vor über 100 Jahren kamen italienische Spezialitäten in der Ruhrstadt wohl kaum auf den Teller.

Jüdische Schule lag neben dem jüdischen Friedhof

Die Inschrift verweist darauf, dass das Gebäude am Nordwall 7 ursprünglich als jüdische Schule errichtet worden ist. Das Grundstück, das direkt an den jüdischen Friedhof grenzt, hatte eine Bertha Marx der Synagogengemeinde Schwerte-Westhofen 1896 geschenkt. Die war auf 165 Mitglieder angewachsen und wünschte sich ein eigenes Schulhaus. So recherchierte Lieselotte Hagenah für ihr Buch „Geschichte der Juden in Schwerte“, das der Heimatverein 1988 herausgab.

Eine Klasse und eine Wohnung für den Lehrer

Geplant wurde ein Gebäude mit einer Klasse sowie einer Lehrerwohnung und einem WC. Zur Finanzierung nahm die Gemeinde eine Hypothek von 9000 Euro auf ihre Synagoge auf. Die Stadt beteiligte sich mit einem Darlehen von 4000 Mark.

Die Schule, die am 17. Oktober 1898 fertiggestellt war, wurde bereits in den 20er-Jahren wieder geschlossen, weil es in der überalterten Gemeinde nicht mehr genug Kinder gab.

Später Hilfsschule, islamischer Betsaal, heute Pizzeria

Danach diente das Gebäudes noch einige Jahre als „Hilfsschule“ für schwach begabte Kinder, später als Wohnhaus und islamischer Betsaal, bevor es zur Pizzeria wurde.

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