Wieso Autohäuser immer mehr alte Diesel ins Ausland verkaufen

dzKunden sogar aus Israel

In Deutschland verkaufen sich Diesel-Autos schlecht. Die Autohäuser aber finden weiterhin Abnehmer - aus dem Ausland. Wer dafür kommt, den lässt das Autohaus dann sogar am Flughafen abholen.

Lünen

, 25.01.2019, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Drohende Fahrverbote, Diesel-Skandal - die Deutschen sind momentan eher zurückhaltend beim Kauf von Diesel-Autos. Das drückt die Preise und lockt die Käufer aus dem Ausland. Rund 7 bis 10 Prozent der Diesel-Autos, schätzt Jonas Vocks, Einkäufer bei BMW Schmidt in Lünen, verkaufe das Autohaus derzeit ins Ausland.

„Ins Ausland verkaufen wir vor allem Autos, die rund 4 oder 5 Jahre alt und über 100.000 Kilometer gelaufen sind.“ Die sind dann günstiger und für die Käufer lohnt sich noch die Überführung in ihr Heimatland - wo man Fahrverbote für Diesel nicht befürchten muss. Das gelte im übrigen nicht nur für BMWs, sondern auch für Audi- und VW-Modelle.

Entwicklung in ganz Deutschland

Kommen die Käufer mit dem Flugzeug, dann organisiert BMW Schmidt auch eine Abholung am Flughafen. „Zumindest aus Dortmund oder Münster, das machen wir schon“, sagt Vocks. Kürzlich habe BMW Schmidt sogar einen Wagen nach Israel verkauft. „Die werden von hier aus mit der Spedition abgeholt und dann mit der Fähre übers Mittelmeer gefahren“, sagt Vocks, „das lohnt sich für die offenbar immer noch, weil man die Autos dort teilweise gar nicht kaufen kann.“

Diese Entwicklung gebe es nicht nur in Lünen, sondern in ganz Deutschland, sagt Gottlieb Elsässer, Geschäftsführer bei BMW Schmidt. Die Diesel-Diskussionen, drohende Fahrverbote - das sei ein „typisch“ deutsches Phänomen und in keinem anderen Land vorstellbar. Auch er beobachtet verstärkte Nachfrage aus dem Ausland, das ganze laufe dann meist übers Internet.

Das beobachtet auch Marc Oßwald, Verkäufer bei BMW Schmidt in Werne. Der Käufer entscheidet sich für ein Fahrzeug und zahlt dieses, ohne es zuvor selbst gesehen zu haben.

Gegen den Trend

„Ich selber würde es mir glaube ich zweimal überlegen, ein Auto zum Beispiel in Frankreich zu kaufen, das ich noch nie selbst gesehen habe und bei einem Händler, von dem ich noch nie etwas gehört habe“, sagt Oßwald. Doch die Interessenten seien so mobil wie niemals zuvor.

Damit trotzt das Autohaus einem Trend: Denn viele Kunden in Deutschland sind auf der Suche nach EU-Re-Importen. Also Autos, die in Deutschland hergestellt wurden, in anderen EU-Ländern verkauft werden sollten, aber nun nach Deutschland re-importiert werden.

Dabei sparen Kunden bis zu 30 Prozent. Der Grund: „Die Hersteller gehen da nach der Kaufkraft der Bevölkerung“, sagt August Schürenstedt, Vorsitzender des Bundesverbandes freier Kfz-Importeure. Auch die unterschiedlichen Umsatzsteuersätze spielen eine Rolle.

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