Wie schmeckt das Mittelalter? Thementag auf Schloss Cappenberg soll das erfahrbar machen

Expedition Münsterland

Auf Schloss Cappenberg soll es 2019 einen Thementag geben - zur Ernährung im Mittelalter. Nicht nur Experten sind dabei. Die Veranstalter setzen auch auf bürgerschaftliches Engagement.

25.10.2018, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wie schmeckt das Mittelalter? Thementag auf Schloss Cappenberg soll das erfahrbar machen

Ernährung im Mittelalter: Wie sich dieses historische Thema bei einem Thementag auf dem Schloss Cappenberg aufarbeiten lässt, besprachen die verschiedenen Akteure am Dienstag bei einem Workshop. © Marie Rademacher

Es soll kein Mittaltermarkt werden, auf dem zwar vieles nach der lang vergangenen Epoche schmeckt und aussieht, auf dem für die Besucher aber häufig historische Hintergründe fehlen. Es soll aber eben auch keine rein wissenschaftliche Vortragsreihe werden über die Art, wie sich Menschen im Mittelalter ernährt haben - ohne dass es etwas zu schmecken, riechen und sehen gibt.

Bei dem geplanten Thementag zu Ernährung und Versorgung auf dem mittelalterlichen Schloss Cappenberg soll es gerade die Mischung aus beidem sein, die die Ernährungsgeschichte für ganz unterschiedliche Besuchergruppen erfahrbar macht. So zumindest ist das durchaus hoch gesteckte Ziel des Projekts Expedition Münsterland und der VHS Selm, den beiden Hauptorganisatoren des Thementages.

Warum die Wahl auf das Schloss Cappenberg fiel

Aber: Wieso überhaupt das Schloss Cappenberg? Warum das Mittelalter? Wieso Ernährung? Das hat Dr. Wilhelm Bauhus von der Uni Münster, der auch Leiter des Projekts Expedition Münsterland und der Arbeitsstelle Forschungstransfer (AFO) ist, am Dienstag bei einem Workshop im Gelben Saal des Schlosses erklärt. Erst einmal grundsätzlich: „Die Expedition Münsterland sucht Orte auf, die spannende historische Geschichten erzählen“, erklärte er.

Davon, dass das Schloss ein solcher Ort ist, musste er die Menschen, die sich für den Workshop um ihn herum am Tisch versammelt hatten, gar nicht erst groß überzeugen. Davon, dass der Aspekt der mittelalterlichen Ernährung sich hier gut aufarbeiten lässt, auch nicht. Die Jagd, der Wein, das Bierbrauen, der Fischfang, Bienenstöcke, alte Obst- und Getreidesorten – der Versorgungsalltag der Menschen, die im Mittelalter im Kloster auf Cappenberg und auf den Bauernhöfen drumherum gelebt haben, ließe sich auch noch heute anschaulich vor Ort darstellen – nachvollziehbar machen.

Und das nicht einfach als Ausstellung mit Schautafeln und ganz vielen Infos. Sondern: „Es deutet vieles darauf hin, dass wir diesen Thementag in Form einer Wanderung gestalten“, sagte Wilhelm Bauhus. Helfen könnte dabei eine Storymap - also eine digitale Landkarte Cappenbergs, auf der einzelne Stationen verzeichnet sind, an denen bestimmte Aspekte näher beleuchtet werden. An der alten Brauerei könnte man so beispielsweise etwas zum Thema der Braukunst des Mittelalters erfahren, vielleicht sogar eine Biermischung verkosten, die in den längst vergangenen Zeiten zum Alltag gehörte. Gleiches wäre zum Thema Wild und Wein möglich, wie Sebastian Graf von Kanitz betonte.

Wichtig: Bürgerschaftliches Engagement

Er saß - genau wie andere lokale Interessierte - mit am Besprechungstisch. Bei der Expedition Münsterland geht es, auch das betonte Wilhelm Bauhus, nämlich explizit auch darum, bürgerschaftliches Engagement und Wissen mit dem akademischen Expertentum zusammenzubringen, voneinander zu profitieren. Wilhelm Bauhus und sein Team machten sich entsprechend eifrig Notizen, wenn Heino Janssen für den Heimatverein oder Franz-Peter Kreutzkamp als Experte für die Geschichte des Selmer Ortsteils Vorschläge machten. Auch Hanneliese Palm vom Selmer Rotary Club Kaiser Barbarossa hatte viele Ideen, bei denen die Experten ihre Stifte zückten.

Nebeneffekt des Thementages, der für den 12. Oktober 2019 angesetzt ist, soll nämlich auch sein, auf die vielfältigen Veranstaltungen hinzuweisen, die für das Jubiläumsjahr 2022 in Cappenberg geplant sind.

Organisationstreffen im Januar

Viele Ideen und Anstöße, viel zu tun für alle am Tisch: Mit diesem Ergebnis endete der Workshop am Dienstag erst mal. Im Januar soll es dann ein Organisationstreffen geben, bei dem die Pläne dann schon etwas konkreter sein sollen. „Da können wir sehen, ob wir das bis Oktober alles stemmen können“, so Michael Reckers von der Selmer VHS. Dem zuversichtlichen Nicken, das nach diesen Worten durch die Runde ging, ließ sich aber durchaus entnehmen, dass die Zeichen gut stehen, dass es am 12. Oktober 2019 rund ums Cappenberger Schloss allerhand über die Ernährung des Mittelalters zu erfahren, zu sehen, riechen und zu schmecken geben wird.

Das ist das Projekt Expedition Münsterland
  • Expedition Münsterland ist ein Projekt der Uni Münster, das 2010 ins Leben gerufen wurde.
  • Ziel des Projektes ist es, „einzigartige Wissenschafts-Schauplätze im Münsterland erlebbar“ zu machen, wie es auf der Homepage heißt. Und weiter: „Das Projekt versteht sich als Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.“
  • Wichtig dabei: bürgerschaftliches Engagement. Und das auf vielen Ebenen. Ob bei Organisation oder wissenschaftlicher Arbeit nehmen „Bürgerwissenschaftler“, wie die Expedition Münsterland sie nennt, eine große Rolle ein.
  • Die Expedition Münsterland versucht, die einzelnen Projekte nach innovativen Konzepten umzusetzen - statt herkömmlichen Ausstellungen also eher auf Wanderungen, Bustouren oder Workshops zu setzen. So sollen möglichst viele Interessierte - und nicht nur eine bestimmte Zielgruppen - an Wissenschaftsorte im Münsterland. „In ungezwungener Atmosphäre tauschen sich hier die Beteiligten aus und bauen dabei Barrieren ab.“
  • Weitere Infos zum Projekt Expedition Münsterland gibt es hier.
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