Wie kann das Dazugehören zu einer Gesellschaft gelingen?

dzMeinung am Mittwoch

In „Meinung am Mittwoch“ haben Gastautoren das Wort. Sie schreiben über Themen, die ihnen wichtig sind. Heute befasst sich Kenan Küçük mit dem Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gesellschaft.

von Kenan Küçük

Lünen

, 09.01.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zum Jahresende besuchte ich anlässlich einer Spendenübergabe die Übernachtungsstelle für Wohnungslose in Lünen-Süd. Dort traf ich auf einige Besucher, die bereits eine Stunde vor offiziellem Einlass vor der Tür warteten. Auffällig war für mich das vergleichsweise junge Alter dieser Männer.

Zunehmend junge Menschen sind von Obdachlosigkeit betroffen

Obdachlos, das sind doch eher ältere Menschen, die nach langjähriger Arbeitslosigkeit, Krankheit, Sucht oder durch den Verlust familiärer Bindungen in die Obdachlosigkeit geraten, so dachte ich bis dato. Vor Ort bestätigte man mir, dass zunehmend junge Menschen betroffen sind. Offenbar findet man sich heute schneller am gesellschaftlichen Rand wieder als früher und entwickelt schon früh ein Gefühl des Nichtdazugehörens.

Warum verlieren Menschen den Anschluss?

Wie passt das zusammen mit den positiven wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre, sinkenden Arbeitslosenzahlen und stetig steigenden Sozial- und Bildungsausgaben in unserem Land?

„Wir sollten als Wohlstandsgesellschaft alles dafür tun, dass Schulen, Kitas und Co. allen Kindern die größtmögliche Aufmerksamkeit und Förderung zukommen lassen können, damit niemand zurückbleibt.“
Kenan Küçük

Wie kann es sein, dass in einer Gesellschaft, die immer mehr Reichtum anhäuft und händeringend nach Arbeitskräften sucht, Menschen zunehmend den Anschluss verlieren? Einfache Antworten darauf gibt es sicher nicht, aber mit einem „ist halt so“ ist es eben auch nicht getan.

Soziale Stellung misst sich maßgeblich an Arbeit

Nach wie vor befinden wir uns in einer Arbeitsgesellschaft, in der sich Sinnstiftung, Identifikation und soziale Stellung maßgeblich daran misst, inwieweit man Arbeit hat oder nicht. Mir ist durchaus bewusst, dass Fachkräftemangel und fehlende Beschäftigungsperspektiven kein Widerspruch ist. Ich weiß, wie schwierig es im Vergleich zu früher ist, den Anforderungen eines hoch technisierten Arbeitsmarktes gerecht zu werden. Arbeit für Alle wird es auch zukünftig nicht geben.

Beschäftigungsmöglichkeiten jenseits von Erwerbsarbeit

Dennoch sollten wir als Wohlstandsgesellschaft alles dafür tun, dass Schulen, Kitas und Co. allen Kindern die größtmögliche Aufmerksamkeit und Förderung zukommen lassen können, damit niemand zurückbleibt.

Bleibt die Frage, wie wir mit jenen Menschen umgehen, die aus verschiedenen Gründen dennoch keine reguläre Erwerbsarbeit aufnehmen können. Bleibt ihnen dann ein Leben lang nur der Platz in einer Fürsorgeeinrichtung? Oder sollten wir nicht lieber zusehen, wie wir mehr Beschäftigungsmöglichkeiten jenseits von Erwerbsarbeit schaffen, die ihnen Motivation, soziale Anbindung und die Gewissheit geben, etwas Sinnvolles zu tun? Und gleichzeitig den Wert des Menschen nicht ausschließlich in marktfähiger Arbeitsleistung bemessen?

Zugehörigkeitsgefühl wichtig für den Zusammenhalt

Leisten können wir uns das allemal, und das sollte es uns wert sein, denn mit dem Zugehörigkeitsgefühl steht und fällt der gesellschaftliche Zusammenhalt.

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