Wie es um ein Dieselfahrverbot für die B236 in Schwerte steht

dzLuftqualität

Als die Deutsche Umwelthilfe 2017 erstmals Dieselfahrverbote forderte, stand Schwerte mit auf der Liste der Städte, die beklagt werden sollten. Was sagt die Umwelthilfe heute zu dem Thema?

Schwerte

, 23.11.2018, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Jahr 2017 hatte die Deutsche Umwelthilfe eine ganze Reihe von Städten benannt, in denen sie auf ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge klagen wollte, darunter auch Schwerte. Hier waren die hohen Stickoxidwerte auf der Hörder Straße im Bereich der Bahnbrücken der Grund. Bei Stadt und Bezirksregierung, die im Verbund für die Luftqualität in der Stadt zuständig sind, herrschte damals noch die Hoffnung, der 2014 beschlossene Luftreinhalteplan werde es richten.

In dem waren eine ganze Reihe von Maßnahmen festgelegt, um die Stickoxid-Belastung vor allem an der Hörder Straße zu senken. Die reichten von besseren Dieselloks über umweltfreundlichere Busse bis zu einem Durchfahrverbot für Lkw, die nicht im sogenannten Ziel und Quellverkehr unterwegs sind.

Luftreinhaltungsplan fast abgearbeitet

Ein Großteil der damals verabschiedeten Punkte ist längst abgearbeitet, allerdings ohne Erfolg. Auch im Jahr 2018 wird der Durchschnittswert für Stickoxide wohl bei 46 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegen und damit 15 Prozent über dem von der EU erlaubten Grenzwert. Dies sind zwar bislang noch inoffizielle Werte. Erst am Jahresende werden sie vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) zusammengerechnet und bestätigt. Aber der Trend ist ablesbar.

Auf der aktuellen Liste der Städte gegen die die Deutsche Umwelthilfe klagt, ist Schwerte anders als Hagen und Dortmund noch nicht aufgeführt. Doch die Drohung des Vereins steht weiter im Raum. Bislang habe man aus Kapazitätsgründen noch keine Klage in Sachen Hörder Straße erhoben, erklärte Dorothee Saar, Abteilungsleiterin Luftreinhaltung bei der Deutschen Umwelthilfe in Berlin. Und der Wert sei in Schwerte ja sogar gestiegen. Die Vermutung, dass die Umwelthilfe nur gegen größere Städte klage wegen der größeren Außenwirkung, weist sie zurück. „Wir haben auch kleinere Städte auf der Liste“, so Saar.

Bezirksregierung: Das Thema drängt

Bei der Bezirksregierung in Arnsberg geht man davon aus, dass man zumindest noch bis zum Jahresende, wenn die offizielle Auswertung der Immissionsdaten kommt, Zeit hat. „Wir stehen im Austausch mit der Stadt über Einzelprojekte“, erklärt der Pressesprecher der Bezirksregierung, Christoph Söbbeler.

Die reichen von einer Verbesserung des Angebots an Ladesäulen für E-Autos bis zu attraktiveren Angeboten im Öffentlichen Nahverkehr. Aber das Thema dränge. Denn die Gerichte hätten sich in den bisher verhandelten Fällen recht deutlich positioniert.

Schlechte Luft in Schwerte ist nicht hausgemacht

Stadtplaner Adrian Mork, der auch für den Umweltschutz zuständig ist, ärgert sich darüber, dass die schlechten Luftwerte von Faktoren beeinflusst sind, auf die man keinen Einfluss habe. Das fange bei den Dieselloks der Deutschen Bahn, die die Straße überqueren, an und endet bei der Tatsache, dass es zwar das LKW-Fahrverbot gibt, das aber auch nach Auskunft der Polizei gar nicht kontrolliert wird.

Messungen seit 2011 an der Hörder Straße

Im Januar 2011 stellte das Landesamt für Umweltschutz zum ersten Mal einen Messcontainer an der Hörder Straße auf. Grüne und SPD hatten das gefordert. Zuvor hatte man die Luftverunreinigung innerhalb Schwertes nur an der Konrad-Zuse-Straße, also im Hinterland der Schützenstraße, gemessen. Die Messanlage dort zeigte keine nennenswerte Luftbelastung.

Messanlage aufgestellt wegen Feinstaubproblematik

Doch damals was das Thema Feinstaub in aller Munde, und an der Hörder Straße am Übergang zur Bethuné Straße vermutete man hohe Feinstaubwerte. Zurecht, wie sich nach dem ersten Messjahr herausstellte. Doch das Problem Feinstaub bekam man in den Griff.

Welche der ergriffenen Maßnahmen es letztendlich war, ist im Nachhinein schwer zu ermitteln, vermutlich reichte aber der Filterwechsel bei der Gießerei Hundhausen aus. Was blieb, waren hohe Stickoxid-Werte, die zumindest nach Auffassung der Umwelthilfe ausschließlich auf den Gebrauch von Dieselfahrzeugen zurückzuführen sind. Das Landesamt tauschte die aufwendige Messstation gegen kleine Passivsammler aus. Doch die Werte blieben konstant hoch.

Wie es um ein Dieselfahrverbot für die B236 in Schwerte steht

So sehen die Passivsammler zur Messung von Stickoxiden an der Hörder Straße aus. © Foto: Manuela Schwerte

EU sieht keine Messung direkt an Kreuzungen vor

Mittlerweile werden sowohl die Grenzwerte, als auch die Standorte der Deutschen Messeinrichtungen kritisch diskutiert. Sie ständen zu nah an Kreuzungen. In der EU-Richtlinie zu dem Thema steht: „Bei allen Schadstoffen dürfen verkehrsbezogene Probenahmestellen höchstens zehn Meter vom Fahrbahnrand entfernt sein - vom Fahrbahnrand verkehrsreicher Kreuzungen müssen sie mindestens 25 Meter entfernt sein. Als verkehrsreiche Kreuzung gilt eine Kreuzung, die den Verkehrsstrom unterbricht und gegenüber den restlichen Straßenabschnitten Emissionsschwankungen durch Stop-and-go-Verkehr verursacht.

Nun ist die Messstation zwar nicht direkt an der Kreuzung, aber durchaus im Bereich der Ampelanlage. Zudem sorgt die Tallage zwischen den beiden Brücken für weniger Luftzirkulation als beim Rest der Straße. Doch die einmal ermittelten Messergebnisse lassen sich schlecht wegdiskutieren.

Auffahrt Lichtendorf würde helfen

Stadtplaner Mork verweist vor allem aber darauf, dass man mit der Einrichtung einer Autobahnzufahrt an der Raststätte in Lichtendorf und der Weiterführung der Kreisstraße ja durchaus eine Möglichkeit hätte, den Verkehr und damit die Stickoxide aus Schwerte herauszuhalten. Zumindest, wenn die Dieselfahrzeuge tatsächlich der größte Verursacher sind.

In Hamburg hatte man auf den für Diesel gesperrten Straßenabschnitten im Oktober mehr Belastung gemessen als im Vorjahresmonat. Solche Vergleiche hinken allerdings, weil sich Wetter und übrige Verursacher von Stickoxiden auch auf die Messwerte auswirken, sodass man laut Umweltbehörden seriös nur lange Zeiträume vergleichen könne.

Thema Luftqualität

Grenzwerte sind umstritten

Die Grenzwerte der EU für Luftschadstoffe sind keine ausreichende wissenschaftliche Basis, kritisiert der Verband pneumologischer Kliniken in einer Pressemitteilung. Hier geht es zur Seite der Lungenärzte „Wenn das Einatmen von Stickstoffdioxid (NO²) in einer Dosis von mehr als 40 Mikrogramm pro Kubikmeter tatsächlich gesundheitsschädlich wäre - wie es der EU-Grenzwert impliziert -, dann müssten ja alle Raucher nach wenigen Monaten tot umfallen! Das ist aber nicht der Fall, obwohl Tabakrauch der weitaus schlimmste Feinstaub ist“, gibt Prof. Dieter Köhler zu bedenken, ehem. Vorstandsmitglied des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK), ehem. Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und langjähriger Ärztlicher Direktor einer Fachklinik für Lungenerkrankungen. „Es geht nicht darum, Luftschadstoffe zu verharmlosen, sondern darum, korrekt und evidenzbasiert festzulegen, ab welcher Menge sie tatsächlich gesundheitsgefährdend sind. Die in den Medien veröffentlichte Anzahl vorzeitiger Todesfälle, die angeblich durch erhöhte Stickstoffdioxidbelastungen verursacht wurden, beruhen auf Hochrechnungen in epidemiologischen Studien, in denen Korrelationen unzulässigerweise zu Kausalitäten umgedeutet wurden, ohne mögliche weitere Einflüsse (so genannte confounder wie z.B. Rauchen, Passivrauchen, Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, Ernährungsweise etc.) adäquat zu berücksichtigen“, kritisiert Prof. Köhler, der sich auch über das Thema Deposition und Elimination von Aerosolen (Stäube und Tröpfchen) in der Lunge habilitiert hat. Zigarettenrauch sei da erheblich gefährlicher. Wer ein Jahr lang 24 Stunden täglich im Freien an einer viel befahrenen Straße verbringe, atme etwa genau so viel Stickoxid ein, wie ein Raucher (eine Schachtel täglich) in acht Tagen. Wenn Stickoxid so tödlich wäre, wie in den Studien dargestellt, müssten Raucher eine Lebenserwartung von wenigen Monaten haben, wird Professor Martens, Vorstandsmitglied des Verbands zitiert.
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