Wie die erste Fahrradstraße der Stadt das Borker Zentrum attraktiver machen soll

dzVerkehrsberuhigung

Jede Minute fahren fast zwei Autos durch Bork: 2527 Fahrzeuge pro Tag. Diesen Durchgangsverkehr haben Bürger und Verwaltung schon lange als Problem ausgemacht. Jetzt gibt es Lösungsideen.

Bork

, 14.11.2018, 05:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diesen Satz hören alle gerne, egal, ob Bürger, die eine schnelle Lösung herbei sehnen oder Politiker, die sie bezahlen müssen: „Hier kann mit wenig Aufwand viel erreicht werden.“ Julia Schmidt (26) ist es, die ihn sagt, als von der hohen Verkehrsbelastung im Borker Zentrum die Rede ist.

Die junge Raumplanerin und Mobilitätsmanagerin, die seit Juli für die Stadt Selm arbeitet, zeigt im Stadtplanungsausschuss, wie sich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen lassen. Die Liste ist lang: Stärkung der Umgehungsstraße durchs Gewerbegebiet, Sicherheit für Schulen, Kindergarten und Seniorenwohnungen an der Waltroper Straße, weniger Lärm, mehr Aufenthaltsqualität und Gesundheit und unterm Strich eine Vorreiterrolle für die Stadt. Die eierlegende Wollmilchsau, die all das vermag, hat einen Namen: Fahrradstraße.

Rund 500 Meter für die Fahrradstraße

Knapp 500 Meter von Norden nach Süden mitten durch den Ortskern reicht die geplante Entlastung: eine Umgestaltung der Waltroper Straße, die im Norden kurz hinter der Einmündung Hauptstraße beginnen und im Süden am Abzweig Rauher Busch enden soll. Die gesamte Fahrbahn dort würde zum Radweg werden, so Schmidt. Der Gehweg bliebe für Fußgänger. Und die Autos? „Die sind auf einer Fahrradstraße grundsätzlich nur zulässig, wenn dort Zusatzschilder stehen.“ Die hat sie aber von vorneherein eingeplant. Motorisierte Verkehrsteilnehmer, ausdrücklich auch Linienbusse, sollen weiter auf der Waltroper Straße fahren dürfen, „der Radverkehr hat aber Vorrang“. Das bedeutet: „Radfahrer dürfen nebeneinander fahren. „Die Vorfahrtsregeln bleiben erhalten.“

Was nötig ist, um die Ideen umzusetzen

Um die erste Selmer Fahrradstraße einzurichten, seien jeweils zehn Schilder „Beginn der Fahrradstraße“ und zehn „Ende der Fahrradstraße“ mit Zusatzschildern für den Motorverkehr nötig, dazu noch zehn Pictogramme auf der Fahrbahn, „mehr nicht“.

Wie die erste Fahrradstraße der Stadt das Borker Zentrum attraktiver machen soll

Dieses Schild in Karlsruhe zeigt: Hier dürfen eigentlich nur Fahrradfahrer unterwegs sein. In Bork ist es aber geplant, die Straße auch für Autofahrer und Busse freizugeben. © picture alliance/dpa

Noch kostengünstiger ist Julia Schmidts zweite Idee: die Einrichtung eines verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs auf der Hauptstraße zwischen der Kurve (Abzweig Waltroper Straße) im Osten und dem Bereich Zum Nierfeld im Westen: rund 200 Meter, auf denen künftig die Höchstgeschwindigkeit 20 Stundenkilometer betragen würde. Die Vorfahrtsregeln blieben bestehen. Lediglich vier Schilder seien aufzustellen.

Zentrum für den Durchgangsverkehr unattraktiv machen

Beide Maßnahmen, so Schmidt, würden das Zentrum für den Durchgangsverkehr unattraktiv machen. Pendler werden stattdessen, so die Hoffnung, auf die Umgehung Gutenbergstraße umsteigen. Voraussetzung dafür: eine neue Ampel an der Einmündung auf die B 236. Sobald die installiert sei, würden Wegweiser den überörtlichen Verkehr etwa nach Vinnum oder Waltrop gleich ums Zentrum herum lenken. Julia Schmidt stellt sich das als Verkehrsversuch vor: „Auf ein Jahr begrenzt, dann sehen wir weiter.“

Ein Jahr zur Probe

Warum nicht Schrittgeschwindigkeit?

Nicht nur bei der Interessengemeinschaft Borker Bürger (IGBB), die sich schon länger eine Fahrradstraße wünscht, rennt die Mobilitätsmanagerin offene Türen ein mit ihren Vorschlägen. Auch im Ausschuss finden ihre Ideen ein positives Echo. „Schön wäre es aber, wenn die Tempo-20-Zone bis zum Kreisel Bahnhofstraße reichen könnte“ – also knapp 600 Meter weiter -, meint Udo Risse vom Wirtschats- und Kulturförderverein Selm. Michael Merten (CDU) bringt eine Verkehrsberuhigung auf Schrittgeschwindigkeit ins Gespräch. Das, so Bürgermeister Löhr, würde Fußgängern aber „falsche Sicherheit geben“. Julia Schmidt will die Pläne noch einmal überarbeiten.

Das sagt die Verkehrswacht

Mathias Schiffmann von der Verkehrswacht NRW sieht einen „großen Kommunikationsbedarf“, wenn Städte und Gemeinden wie zurzeit überall zu beobachten, neue Angebote schafften wie die Radfahrstraßen. Leider wüssten viele Verkehrsteilnehmer schon jetzt nicht Bescheid, wenn es um „ganz einfache Radwegebeschilderung“ gehe. Die Unterscheidung zwischen benutzungspflichtigen Radwegen (das Schild zeigt ein weißes Fahrrad auf blauem Grund) und Radwegen ohne diese Benutzungspflicht (oft rot gepflastert), sei oft unklar. „Da müssen wir deutlich mehr Aufklärung leisten“ so Schiffmann.

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