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Wie die Wälder in Cappenberg und Selm unter Hitze und Trockenheit leiden

Trockene Wälder

Die Birken sind kahl, die Pappeln werfen die Blätter ab, Buchen lassen ihre Früchte fallen – der trockene Sommer macht den Wäldern Stress. Förster und Feuerwehr warnen zudem vor Brandgefahr.

Cappenberg, Bork

, 09.08.2018
Wie die Wälder in Cappenberg und Selm unter Hitze und Trockenheit leiden

Die Folgen von extremer Hitze und Trockenheit im Sommer 2018 sind im Kohuesholz deutlich zu sehen. © Günther Goldstein

So ein Sommer, das sagt der Selmer Förster Marco Adamek, sei einfach nicht normal. „Das ist gerade eine ganz außergewöhnliche Trockenperiode, wir waren wirklich Monate ohne Regen“, sagt er. Nicht nur Menschen, vor allem auch die Natur leidet darunter. Das zeigt sich gerade ziemlich deutlich etwa im Kohuesholz, wie Elmar Berks von der Forstverwaltung des Grafen von Kanitz, zuständig für die Cappenberger Wälder, auf Anfrage bestätigt. Wie sehr die Wälder in der Stadt Selm unter der extremen Hitze der vergangenen Wochen gelitten haben, klären wir mit den wichtigsten Fragen.


Zunächst einmal ganz grundsätzlich: Wie geht es den Bäumen in den Selmer Wäldern aktuell?

Die Bäume sind durch das Wetter gestresst, erklärten sowohl Marco Adamek als auch Elmar Berks. „Man könnte meinen, es wäre schon Herbst“, sagt der Cappenberger Förster Berks. „In einigen Bereichen verfärben sich die Blätter oder werden abgeworfen auch die frisch gebildeten Früchte der Eichen und Buchen werden schon abgeworfen“, beschreibt er die Situation in seinem Revier. Eine Erklärung dafür hat er auch: „Das ist eine Art Anpassungsreaktion der Bäume, um den Wasserverlust zu begrenzen.“ Eine Rolle spiele dabei auch der Sturm Friederike, der im Januar 2018 durchs Land fegte. „Der hat erheblichen Schaden angerichtet. Auch an den noch stehenden Bäumen, was erst mal nicht zu erkennen ist. Aber teilweise wurden hier Feinwurzeln abgerissen, was die Stressreaktion bei dieser Trockenheit noch mal verstärkt“, so Elmar Berks.

Gibt es Bäume, die besonders betroffen sind?

Ja. Fichte, Buche und Birke leiden sehr. Aber auch das Alter der Pflanzen spielt eine Rolle. „Besonders leiden die jungen Bäume“, so Marco Adamek. So seinen die Anpflanzungen in den Selmer Wäldern vom letzten Winter und vom Frühjahr eigentlich relativ gut angewachsen – durch die Hitze jetzt gibt es aber dort erhebliche Probleme.

Das sieht in den Cappenberger Wäldern nicht anders aus. „Wir haben im Frühjahr circa 2000 Eichen gepflanzt, aber auch die gepflanzten Bäume der letzten zwei bis drei Jahre und die sich natürlich verjüngenden Pflanzen haben unter der Trockenheit zu leiden, da ihre Wurzeln noch nicht so stark ausgeprägt sind, um an die tieferliegenden feuchten Bereiche zu gelangen. Wir müssen abwarten, wie hoch die Sterberate ist, um gegebenenfalls nachzupflanzen“, erklärt der Cappenberger Förster auf Anfrage dieser Zeitung..


Aktuell ist es nicht mehr so heiß wie in den vergangenen Wochen, es regnet auch wieder. Hilft das?

Jein. Der Regen von Mittwoch sei so zum Beispiel „viel, viel zu wenig“ für die Pflanzen, so Marco Adamek. „Das merkt man noch gar nicht, für den Boden war das viel zu wenig. Da muss jetzt noch deutlich mehr kommen“, sagt er.

Hat der trockene Sommer 2018 gravierende Folgeschäden für die Bäume?

Das, so erklärte es Marco Adamek, ist gerade noch nicht genau zu sagen. Es müsste erst genau analysiert werden. Im schlimmsten Fall könnte es passieren, dass einzelne Bäume oder Kronenteile absterben. Das sei jedoch der Extremfall, sagt er. Durch den Trockenstress, so erklärt Elmar Berks außerdem noch, verringert sich auch die Vitalität der Bäume. „Das ruft dann automatisch die Sekundärschädlinge wie verschiedene Käfer- und Insektenarten auf den Plan. Die Schädlinge haben es jetzt einfacher, den Baum zu schädigen, da dieser keine gesunde Abwehrreaktion mehr besitzt.“


Leiden auch die Klein- und Wildtiere unter der Dürre?

Ja – gerade auch in den Cappenberger Wäldern, wo viele Bäche und Tümpel ausgetrocknet sind. „Viel Auswahl haben Vögel und Insekten da leider nicht mehr“, so Elmar Berks. „Andere Tiere, wie Rehe oder Wildschweine ziehen sich in den Wald zurück, da hier die Luftfeuchtigkeit höher ist als außerhalb. Die Wildtiere versuchen, über den Morgentau oder noch vorhandene frische Triebe und Kräuter den Wasserbedarf zu decken. Bei der Hitze können noch leichter Krankheiten übertragen werden. Für die Waldbesucher ist es jetzt noch wichtiger, auf den Wegen zu bleiben und Wasserstellen im Wald zu meiden, um den Tieren nicht noch mehr Stress zu machen.“


Besteht auch in den Selmer Wäldern erhöhte Brandgefahr?

„Die Waldbrandgefahr ist nicht zu unterschätzen“, betont der Selmer Förster Marco Adamek. Auch sein Cappenberger Kollege schätzte das so ein: „Doch leider halten sich immer noch nicht alle an das absolute Rauchverbot im Wald. Ich habe letzte Woche rein zufällig eine glühende Zigarettenkippe vom Waldweg entfernt. Absolut unverantwortlich so ein Verhalten“, so Berks.


Was sollten Menschen beachten, die etwa im Wald spazieren gehen oder joggen?

Natürlich sollten sie zunächst mal nicht solche glühenden Zigaretten auf Waldwegen zurücklassen – das sagt auch Thomas Isermann von der Selmer Feuerwehr. Ein kleiner Funkenflug könne aktuell gefährlich werden und einen Brand auslösen. Grillen in Waldnähe sei aktuell keine gute Idee. „Man sollte auch kein Glas und keine PET-Falschen im Wald zurücklassen“, sagt der Chef der Freiwilligen Feuerwehr. Durch Lichtbrechung sei es nämlich möglich, dass so ein Feuer entsteht. Außerdem wichtig: „Man sollte Fahrzeuge nicht auf abgeernteten Feldern oder Wiesen parken“, sagt er. Das aufgeheizte Auto könne auf dem trockenen Boden auch schnell einen Brand auslösen, erklärt Isermann.

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