Worauf man in diesem Jahr bei der Silvesterknallerei achten sollte

dzVerbrauchertipp

Alle Jahre wieder gibt es Meldungen über schwere Unfälle rund um Silvester. Weil Böller gezündet werden, die nicht zugelassen sind oder weil man versucht, Blindgänger in Gang zu brennen.

Lünen

, 27.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Feuerwerkskörper üben offenbar gerade auf Jugendliche einen großen Reiz aus. Aber dabei gibt es leider immer wieder schwere Unfälle mit ebenso schwerwiegenden Folgen. Was man bedenken sollte, erläutert Pia Blödow von der Lüner Verbraucherberatung in Fragen und Antworten.

? Wann darf in diesem Jahr Feuerwerk verkauft werden?

Der offizielle Verkauf von Feuerwerkskörpern ist 2018 vom 28. bis 31. Dezember erlaubt. An diese Fristen sollte man sich auch halten. Pia Blödow: „Wer sich fahrlässig verhält oder gegen bestehende Gesetze und Verordnungen verstößt, muss in der Regel für die Schäden haften.“

? Welche Regeln gelten für das Abbrennen von Feuerwerkskörpern?

Feuerwerk, also pyrotechnische Gegenstände, dürfen nicht in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern sowie Kinder- und Altenheimen abgebrannt werden. Das gilt auch für Fachwerkhäuser. Sogenannte F1-Feuerwerkskörper (Kleinstfeuerwerk) dürfen bereits an Kinder ab zwölf Jahren verkauft werden und das sogar das ganze Jahr über. Sie dürfen auch das ganze Jahr über gezündet werden. Anders sieht es bei den F2-Feuerwerkskörpern aus, die erst an Käufer ab 18 Jahren verkauft und nur Silvester, also in der Nacht zu Neujahr, im Freien abgebrannt werden dürfen.

? Welche Feuerwerkskörper sollte man kaufen?

Man sollte nur solche Feuerwerkskörper kaufen, die von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) oder einer vergleichbaren europäischen Behörde zugelassen wurden. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Feuerwerkskörper ungefährlich sind, sondern dass mit den Böllern und Raketen bei sachgerechter Verwendung sicher hantiert werden kann.

? Wie erkennt man solche geprüften Böller?

Geprüftes Feuerwerk ist zu erkennen an der Registriernummer, dem CE-Zeichen und an der Kennnummer der Stelle, die beim jeweiligen Hersteller über die Qualitätssicherung wacht. Die ersten vier Ziffern der Kennzeichnung geben die Stelle an, die geprüft hat. 0589 steht für die BAM. Die spanische Prüfstelle LOM hat die Nummer 0163, Die Registriernummer „0589-F2-1234“ bedeutet beispielsweise, dass die BAM geprüft hat, das Feuerwerk für Personen ab 18 Jahren erlaubt ist und die fortlaufende Nummer 1234 trägt.

? Was sollte man tun, wenn man Feuerwerkskörper ohne Prüfnummer findet?

Solche Böller werden häufig auf Trödelmärkten oder im Internet angeboten. Pia Blödow: „Sie stammen meist aus Osteuropa, inzwischen aber auch aus Dänemark oder den Niederlanden. Einfuhr und Verkauf sind nach dem Sprengstoffgesetz illegal. Wer sie dennoch zündet, macht sich strafbar.“ Diese Feuerwerkskörper entsprechen meist nicht dem Sicherheitsstandard. Bei diesen Produkten fehlen sowohl die Zulassungsnummer als auch Verwendungshinweise auf Deutsch. Fehlzündungen sind möglich oder sie explodieren wegen ihrer oft erheblich höheren Sprengkraft heftiger als erwartet. Wer solche Böller zündet, kann für mögliche Personen- oder Sachschäden haftbar gemacht werden.

? Wie sollte man sich beim Abbrennen verhalten?

Weil bei Schäden auch derjenige haftet, der zugelassene Böller zündet, sollte man unbedingt die Bedienungsanleitung lesen. Zur Sicherheit sollte man immer einen Eimer Wasser oder einen Feuerlöscher bereit halten. Auf keinen Fall sollte man vor dem Abbrennen an den Böllern oder Raketen herumbasteln. Und auch bei Blindgängern ist höchste Vorsicht geboten. Oft gehen Jugendliche am Neujahrstag auf die Suche nach solchen Blindgängern, um sie noch mal anzuzünden. Sie dürfen aber nicht noch mal angezündet werden, weil das zu gefährlich ist. Deshalb sollten Blindgänger in der Neujahrsnacht mit Wasser übergossen und anschließend in der grauen Restmülltonne entsorgt werden. Raketen sollte man beim Zünden nie in der Hand halten. Stattdessen sollte man sie in leeren, standfesten Flaschen abbrennen. Pia Blödow: „Kinder sollte man von den Feuerwerkskörpern fernhalten.“

? Wer zahlt, wenn es doch einen Unfall oder andere Schäden durchs Feuerwerk gegeben hat?

Bei eigenen dauerhaften gesundheitlichen Schäden durch Feuerwerk zahlt die private Unfallversicherung. Werden andere Personen verletzt, kommt die Privathaftpflichtversicherung desjenigen auf, der das Feuerwerk gezündet hat. Fängt das eigene Haus Feuer, zahlt in der Regel die Wohngebäudeversicherung. Brandschäden an der Inneneinrichtung zahlt die Hausratversicherung. Wird ein Auto durch Brand oder Explosion einer Rakete beschädigt, zahlt die Teilkaskoversicherung des Halters den Schaden. Allerdings nicht, wenn glimmende Böller „nur“ Seng- und Schmorschäden verursachen. Wird ein Auto mutwillig ramponiert - weil Kracher auf dem Dach gezündet werden - kommt nur eine Vollkaskoversicherung für die Schäden auf. Allerdings abzüglich der Selbstbeteiligung.

? Und wenn Kinder Schäden verursachen?

Kinder unter sieben Jahren haften nicht für Schäden, die sie angerichtet haben. Nur wenn die Eltern beim Zündeln und Hantieren der Kinder mit Feuerwerkskörpern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben, gleicht die (Familien-)Haftpflichtversicherung etwaige Schäden anderer Personen aus.

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