Wie aus der Bauerschaft Langern fast eine Bergbaustadt geworden wäre

dzBergbau in Langern

Zweimal war es fast spruchreif, doch zweimal scheiterten die Pläne für Bergbau in Langern. Sie hätten aus der Bauerschaft eine Bergbaustadt mit eigenem Hafen und zwei Bahnstationen gemacht.

Werne

, 27.11.2018, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Bauerschaft Langern liegt behütet im Süden der Lippe. 500 Einwohner leben hier und genießen die Bauerschaft so, wie sie ist. Doch beinahe wäre es ganz anders gekommen - und Langern wäre durch den Bergbau nicht mehr wiederzuerkennen gewesen.

„Die Pläne waren sehr konkret“, sagt der ehemalige Werner Bürgermeister Wilhelm Lülf und leitende Mitarbeiter der früheren Zeche Werne. Dicht gedrängt wäre es wohl in der Bauerschaft geworden, wäre auch nur einer der zahlreichen Anläufe, aus Langern eine Bergbaustadt zu machen, erfolgreich gewesen. „Im Vergleich zu Frankfurt oder Manhattan wäre es noch schön gewesen, aber es wäre richtig voll geworden“, so Lülf.

Erste Pläne für zwei Schachtanlagen 1907

Erste Pläne für Langern hatte die Bergwerksgesellschaft Dahlbusch Gelsenkirchen schon 1907. Zwei große Schachtanlagen für 3500 Bergleute sollten in Werne entstehen: eine in Lenklar und eine weitere in Langern. Die Grundlagen dafür waren gelegt, gleich fünf Bauernhöfe und zehn Wohnhäuser kaufte die Bergwerksgesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts in Werne auf.

Wie aus der Bauerschaft Langern fast eine Bergbaustadt geworden wäre

Die Pläne für Langern als Bergbaustadt waren weit. Auf diesem Plan sind zwei Bahnstationen und ein Hafen eingetragen. © Mario Bartlewski

Alles war angerichtet - doch mehr als ein paar Probebohrungen am späteren Parkplatz von Schacht IV kamen bei den Plänen nicht herum. 700 Meter tief hätte man durch Stein hindurch bohren müssen, um an die Kohle zu kommen.

„Da hatte man Respekt vor. Das war denen zu tief“, sagt Lülf. Schließlich wusste man auch nicht, welche Wassermassen einen dort unten erwarteten. Doch durch die Probebohrungen habe man sich das Recht am Bergbau in diesem Gebiet gesichert.

Lange warten musste man in Langern auf den nächsten Anlauf für den Bergbau aber nicht. Schon in den 30er-Jahren wollte der Essener Bergwerksverein König Wilhelm aus Langern eine Bergbaustadt machen.

Langern wäre vergleichbar mit Siedlung Viktoria in Lünen gewesen

„Hätte das geklappt, wäre aus Langern wohl eine Zechensiedlung geworden, die mit der Lüner Siedlung Victoria vergleichbar gewesen wäre“, sagt Lülf. Und lange Zeit sah es auch danach aus, als ob die Umsetzung mit zwei Schachtanlagen nur noch Formsache sei.

Zwei Bahnhöfe sollten dafür sorgen, dass die Kohle weggebracht werden kann und ein Hafen am Datteln-Hamm-Kanal sollte weitere Möglichkeiten bieten. Das zeigt ein Plan aus dem Jahr 1935. Fünfmal so groß wie die damalige Werner Kernstadt sollte die neue Bergbaustadt zwischen Wilhelm Katharina und König Wilhelm werden.

Ehemaliger Bürgermeister Lülf: „Zum Glück ist uns das erspart geblieben“

„Das ist uns zum Glück erspart geblieben. Langern wäre total zersiedelt worden“, sagt Lülf. Doch wie kam es dazu, obwohl doch schon zum zweiten Mal alles sicher schien? Die Pläne scheiterten am Geld, sodass sich der Bergbauverein für eine Schachtanlage in Bergkamen entschied. „Das sorgte dafür, dass Langern, aber auch Werne, so bleiben konnten, wie sie jetzt sind“, sagt Langern-Experte Helmuth Holz.

Wie aus der Bauerschaft Langern fast eine Bergbaustadt geworden wäre

Die Bergwerkgesellschaft teilte das Gebiet nach den Probebohrungen auf diesem Plan in unterschiedliche Stücke ein. © Mario Bartlewski

Im dritten Anlauf sollte der Bergbau letztlich doch in Langern ankommen. 1981 wurde in den Schächten VI (Langern) und VII (Romberg) erstmals abgeteuft. 17 Jahre lang holten die Kumpel dort Kohle aus den Schächten, dann war wieder Schluss. Übrig geblieben ist von den zur damaligen Zeit tiefsten Schächten des Ruhrgebiets nichts mehr.

Es gibt noch Überbleibsel vom Bergbau in Langern

Sind in Langern also alle Spuren des Bergbaus verschwunden? „Nein“, sagen sowohl Lülf als auch Holz. Verkehrswege, Abwasserentsorgung und Frischwasserversorgung kamen mit den Bergbauplänen in den 70er-Jahren.

Schaut man genau hin, erkennt man in Langern auch weitere Dinge, die es wohl nur durch den Bergbau gibt. So zum Beispiel die Straße am Sunderbach. „Früher war sie mehr oder weniger nur ein Ascheweg“, erinnert sich Holz. Erst durch den Bergbau wurde sie asphaltiert und erhielt eine Leitplanke.

Waldstück sollte Blick auf den Schacht verdecken

Auch wenn man aus Langern herausfährt, in Richtung Varnhöveler Straße, hat der Bergbau seine Spuren hinterlassen. Ein kleines Waldstück haben die Verantwortlichen damals dort angepflanzt, „um den Bewohnern den Blick auf Schacht Romberg zu ersparen“, sagt Holz. Und auch das Hinweisschild an Holtmanns Mühle hätte es ohne den Bergbau nicht gegeben.

„So, wie es sich entwickelt hat, hat Langern sein Gesicht behalten und eine gute Infrastruktur erhalten“, sagt Lülf. Es hätte also schlimmer kommen können.

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