Wie Senkungen und Schimmel der Borker Kirche zusetzten und was Bauarbeiter dagegen machen

dzBorker Kirche

Die Gerüste sind zwar abgebaut. Die Handwerker sind aber noch nicht fertig mit der Kirche St. Stephanus. 300 Jahre nach der Grundsteinlegung bekommen Besucher einen besonderen Service.

Bork

, 15.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Claus Themann steht vorne im Chorraum der 1718 errichteten Barockkirche und zeigt in die Höhe. „Da oben“, sagt er, „da waren die Risse“. Der Blick, der seinem ausgestreckten Arm folgt, wandert die Säulen in den Seitenschiffen hinauf, klettert über die Kapitelle, die Säulen-Abschlüsse, und von dort bis zu den Fenstern - vergebens. Themann nickt zufrieden. Die Risse sind verschwunden. Die großen Sorgen, die sie ihm und der Gemeinde bereitet haben, ebenfalls. Dennoch bleibt noch etwas zu tun für die Handwerker.

Die Risse hatten sich vor mehr als eineinhalb Jahren gezeigt: erst zaghaft, dann immer tiefer. „Auch von außen waren sie zu sehen“, so Themann. Sowohl an der Nordseite zur Hauptstraße als auch an der Südseite zur Weiherstraße und damit auch zum Parkplatz. „Da war es allerdings noch etwas schlimmer“ so der Pfarrer.

Wie der Schimmel in die Wand kam

Denn auf der Wetterseite war es nicht bei den Rissen geblieben. Dort setzte auch Schimmel dem Gebäude zu. Regen war in die Öffnungen gedrungen, die Feuchtigkeit hatte sich ausgebreitet, und die hell verputzten Bruchsteinwände waren vom Schimmel dunkel verfärbt. Im Bereich der Sakristei war der Putz aufgeplatzt und abgefallen: mehr als nur ein Schönheitsfehler. Risse können Indikatoren sein, dass etwas mit der Standfestigkeit eines Gebäudes im Argen ist. In Südkirchen ist der alte Teil der dortigen Pfarrkirche zurzeit aufgrund von Rissen gesperrt. So weit ist es in Bork aber nicht gekommen. Denn die Ursache liegt nicht unten im Fundament, sondern oben unterm Dach.

Das Dachgestühl, so Themann, sei teilweise locker gewesen. Das Dach habe sich unterschiedlich stark abgesetzt: ein Prozess, der wohl schon vor Jahren begonnen hatte. Der sogenannte Sommerfrost in diesem Jahr hatte es noch schlimmer gemacht. So nennen Techniker das Phänomen, dass Boden durch die extreme Dürre knochenhart wird und kleinste Erschütterungen, die sonst ein weicher Untergrund auffangen würde, die Wände reißen lassen.

Hilfe für Menschen mit Rollatoren und Kinderwagen

Nach den Sommerferien hatten Bauarbeiter angefangen, die Schäden zu beseitigen. Sie klopften ab, verfüllten, verputzten und erneuerten die Dacheindeckung des Seitenschiffs zum Kirchplatz. Auch einige Bodenplatten mussten sie austauschen. Die Bauarbeiten in den beiden Seitenengängen dauern noch an: keine Reaktion auf die Witterung, sondern auf veränderte Bedürfnisse der Gottesdienstbesucher.

Die Gemeinde will den Zugang zur Kirche erleichtern - insbesondere für Eltern mit Kinderwagen und für ältere Menschen mit Rollator. Die Tür auf der Südseite zum Parkplatz Weiherstraße werde einen elektrischen Öffner bekommen. Dann wird ein Druck auf den Knopf genügen, damit sich die Tür öffnet. „Um das umzusetzen, mussten wir aber den alten hölzernen Windfang ausbauen“, so Themann. Damit kalter Wind künftig nicht ungebremst ins Gotteshaus wehen kann, sobald sich die Tür öffnet, werde eine Glaswand eingezogen - nicht nur im Bereich des südlichen, sondern auch am nördlichen Eingang. „Da haben wir aber aus Kostengründen auf eine Automatiktür verzichtet“, so Themann. Glaswände und Automatiktür sollen voraussichtlich „noch bis Ende dieses Jahres“ eingebaut sein.

150.000 Euro wird die Gesamtmaßnahme kosten. 40.000 Euro davon dienen den veränderten Zugängen.

DieKirchengeschichte im Zeitraffer

  • Zwischen 1022 und 1032 wird die Pfarrei Bork gegründet. Ihr Patron ist der Heilige Stephanus. Zuvor gehörten Christen aus Bork zur Urpfarrei in Werne.
  • - Im Jahr 1175 überträgt Bischof Hermann von Münster dem Stift Cappenberg die Kirche zu Bork. Kirche und Pfarrei werden damit dem Stift angegliedert und bleiben dabei bis zur Säkularisierung 1803.
  • Im Jahr 1209 finden eine Kirche und ein Pfarrers zu Bork erstmals Erwähnung, wie der Heimatverein mitteilt.
  • Am 11. Januar 1558 weht ein Orkan die Spitze des Turms der St.-Stephanus-Kirche in Bork herab. 30 Jahre später wird der Turm komplett zerstört und durch einen Holzturm ersetzt.
  • Während des 30-jährigen Kriegs 1618-1648 wird die Kirche zu Bork zweimal durch schwedische und hessische Soldaten niedergebrannt. Nach der Zerstörung der Kirche durch lüneburgische Soldaten wird die Kirche 1937 wiederaufgebaut.
  • 1699/1700 wird die Kirche St. Stephanus zu Bork durch einen Brand völlig zerstört.
  • 1716 stürzt der Turm der Kirche St. Stephanus in Bork ein. Das Gebäude ist dadurch derart beschädigt, dass kein Gottesdienst mehr darin gehalten werden kann.
  • Am 19. April 1718 April erfolgt die Grundsteinlegung für die neue St.-Stephanus-Kirche. Aus Geldmangel werden die Bauarbeiten aber vorübergehend eingestellt. Am 12. September 1724 September 1erfolgt die Einweihung.
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