Auf dem Grundstück von Susanne und Andreas Syska haben sich Hornissen ein Nest gebaut. Das Zusammenleben klappt gut. Auch, weil die Syskas sich an Regeln im Umgang mit Hornissen halten.

Selm

, 27.08.2018, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wespen sind allgemein nicht besonders beliebt. Sie interessieren sich für den gedeckten Tisch und sind mitunter aggressiv. „Bei uns gibt es keine Wespen“, sagen Susanne und Andreas Syska. Bei ihnen schwirren besonders viele Hornissen herum, die natürlichen Feinde der Wespen. Begeistert sind sie davon nicht, haben sich aber mit dem Hornissen-Volk, das sich in einem Schacht an der Hauswand eingerichtet hat, arrangiert.

Wie Familie Syska aus Selm friedlich mit hunderten Hornissen zusammenlebt

Susanne und Andreas Syska haben sich mit den Hornissen arrangiert. Allerdings sind sie auch froh, wenn der Spuk ein Ende hat. © Beate Dorn

Susanne Syska beschreibt, wie es dazu kam:

„Irgendwann im Frühjahr fing es an. Immer wieder flogen Hornissen zu dem Schacht. Wir hörten das Brummen. Anfangs dachten wir uns nichts dabei. Als es aber immer mehr wurden, die Isolierung nach außen weg war und das Nest aus dem Schacht herausragte, wollten wir es loswerden. Wir überlegten kurz, die Hornissen selbst zu bekämpfen. Was tun? Insektenvernichtungsmittel rein, mit der Schaufel abschlagen oder mit einem Bunsenbrenner abfackeln. Alles viel zu gefährlich. Davon abgesehen, dass uns so ein Verhalten gegenüber Tieren nicht liegt, wussten wir auch, dass Hornissen unter Naturschutz stehen und die Nester von Fachleuten begutachtet werden sollten.“

Zuerst habe sie bei der Feuerwehr angerufen. Die sagten, für Hornissen seien sie nicht zuständig und verwiesen Sysks an die Nabu-Ortsgruppe. „Auch an einen Imker habe ich mich gewandt. Wir vereinbarten einen Termin mit den Experten. Die kamen vorbei, begutachteten das Nest und waren begeistert“, erinnert sich Syska. „Herzlichen Glückwunsch, sie haben ein besonders schönes Exemplar“, sagten sie. Die Freude darüber hielt sich bei den beiden Selmern allerdings in Grenzen. „Wir bekamen viele Tipps von den Fachleuten, recherchierten im Internet, dann stand fest: Das Nest bleibt“.

Noch wurde niemand gestochen

„Wir haben uns an die Hornissen gewöhnt“, sagt Syska. Gestochen wurde niemand im Laufe des Sommers. Ohne Angst aber mit Respekt begegnen sie den Tieren. Allerdings ist sie auch froh, wenn der Spuk im Herbst naturgemäß vorbei ist. „Es wird ja nicht mehr lange dauern, bis sie sterben.“ Und ein weiteres Jahr, auch dies hat sie gelernt, werden die Tiere „ihr“ Nest nicht nutzen.

Wie Familie Syska aus Selm friedlich mit hunderten Hornissen zusammenlebt

Das Hornissennest ist unten offen, sodass der Kot herausfällt. © Beate Dorn

Wir müssen uns sehr einschränken und viel Rücksicht nehmen. Wenn meine Tochter mit dem Enkelkind zu Besuch kommt, darf der Kinderwagen nicht ohne Schutznetz draußen stehen. Unseren Hund können wir nicht frei im Garten laufen lassen. Er findet den Kot unter dem Nest interessant. Wenn er daran riecht, könnten die Hornissen sich bedroht fühlen und ihn angreifen. Die Hornissen folgen bei Dunkelheit dem Licht. Wird eine Tür geöffnet, ohne vorher das Licht auszuschalten, sind die Hornissen in der Wohnung. „Dann müssen wir das Licht ausschalten und warten, bis die Hornissen wieder draußen sind. Vor den Fenstern sind Fliegengitter, schalten wir erst das Licht an, bevor wir die Rollläden herunterlassen, sammeln sich vor dem Fliegengitter so viele Tiere, dass wir die Rollläden nicht schließen können“, sagt Susanne Syska.

Dann heiße es auch Licht aus und warten. Abends bei Kerzenschein auf der Terrasse sitzen geht nicht. Die Hausseite, an der sich das Hornissennest befindet, ist für die Familie weitestgehend tabu. Besucher, insbesondere Kinder müssen sie immer wieder darauf hinweisen. Wird der Mindestabstand von fünf Metern nicht eingehalten, könnte es gefährlich werden.

Schädlingsbekämpfer räumt mit einem Mythos auf

Das bestätigt auch Patrick Sonnenburg aus Südkirchen. Er ist Schädlingsbekämpfer und bietet professionelle Hilfe bei Konflikten zwischen Mensch und Tier. Probleme mit Hornissen seien eher selten. Damit könne man durchaus leben, sagt Sonnenburg. Dass Hornissenstiche tödlich sind, sei ein Mythos. Nur wer allergisch auf Stiche reagiert habe ein echtes Problem. Zurzeit hat Sonnenburg besonders viel zu tun. Die Wespen haben gerade Hochkonjunktur. Was viele nicht wissen: Von den vielen Wespenarten bereiten nur zwei immer wieder Probleme – die deutsche und die gemeine Wespe.

Wie Familie Syska aus Selm friedlich mit hunderten Hornissen zusammenlebt

So nah wagen sich Susanne und Andreas Syska nur selten an das Hornissennest. © Beate Dorn

Für das Entfernen eines Hornissennestes ist die Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde nötig. Peter Driesch ist Leiter dieser Behörde beim Kreis Unna. Er rät: Grundsätzlich sollte überlegt werden, ob eine Entfernung überhaupt nötig ist. Oft genügt es auch schon, sich so zu verhalten, dass die Tiere sich nicht gestört fühlen. Stellt ein Nest allerdings eine Gefahr dar, sei die Entfernung bei der deutschen und gemeinen Wespe kein Problem. Bei Hornissen sieht das anders aus. Die Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) zählt das Insekt zu den besonders geschützten Arten. Da die Hornisse selten geworden ist, droht demjenigen ein Bußgeld, der sie in ihrer Lebensweise beeinträchtigt oder tötet.

In Ausnahmefällen kann eine Entfernung der Tiere erlaubt werden, die aber nur von einem ausgewiesenen Experten durchgeführt werden darf. Dafür sollte die Situation der Behörde geschildert werden (per E-Mail). Die Bearbeitung wird kurzfristig erfolgen, da eventuell schnell gehandelt werden muss.

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