Ein Fachwerkhaus an der Reichshofstraße in Westhofen soll im Januar erneut versteigert werden. Mittlerweile liegt der Wert nur noch bei einem Euro. Doch dafür wird es wohl niemand bekommen.

Westhofen

, 25.10.2018, 17:37 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Wertgutachten ist vernichtend: Das Objekt ist komplett sanierungsbedürftig und prinzipiell abrissreif. Das Problem: Das Objekt steht unter Denkmalschutz und darf nicht abgerissen werden.

Das Haus an der Reichshofstraße 95 in Westhofen ist bereits seit Jahren für viele Nachbarn ein Ärgernis. Im Januar soll es zwangsversteigert werden, mal wieder. Denn das Fachwerkhaus aus dem Jahr 1827 hatte in der jüngeren Vergangenheit einige Besitzer. Doch renoviert hat keiner von denen. Den Wert der Immobilie setzt der Gutachter mittlerweile mit einem Euro an. Doch dafür wird das Fachwerkhaus trotz des bemitleidenswerten Zustandes wohl nicht verkauft werden.

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„Das Mindestgebot muss nicht nur den Wert des Hauses, sondern auch die Verfahrenskosten berücksichtigen“, erklärt Christina Dörnbrack, beim Schwerter Amtsgericht für Versteigerungen zuständig. Das Mindestgebot wird aber erst kurz vor dem Versteigerungstermin am 28. Januar bekannt gegeben. Bei der letzten Versteigerung im Jahr 2015 gab es bei 1000 Euro den Zuschlag. 2014 hatte ein Bieter noch 10500 Euro geboten, allerdings nie bezahlt.

Denkmalschutz seit 1992

Seit 1992 steht das Bürgerhaus, das im Jahr 1827 errichtet wurde, unter Denkmalschutz. Als es 1997 einen neuen Besitzer erhielt, begann der Abstieg. 2003 ordnete das Amtsgericht erstmals eine Zwangsversteigerung an, weil Schulden aufgelaufen waren. Doch sowohl bei diesem wie auch bei vielen weiteren Versuchen fand sich kein Käufer, der tatsächlich etwas am Zustand der Immobilie änderte. Das Haus verfiel immer mehr. Als im Herbst 2010 die letzte Mieterin auszog, verfiel das Haus vollends.

Warum kann ein Haus, das kaum noch zu retten ist, nicht abgerissen werden?

Theoretisch kann Denkmalschutz aufgehoben werden

Theoretisch kann der Denkmalschutz aufgehoben werden, erklärt der städtische Rechtsrat Carsten Morgenthal. Allerdings sei das eine sehr aufwendige Angelegenheit und könne nur in Einverständnis mit dem westfälischen Amt für Denkmalpflege geschehen. Aus gutem Grund: Denn sonst würden sicherlich einige Besitzer von Denkmälern ihr Haus einfach verfallen lassen, um es abreißen zu können. Schwerte gilt als Stadt mit verhältnismäßig vielen Baudenkmälern. Allein an der Reichshofstraße gibt es elf Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen.

Das Haus an der Reichshofstraße gehört derzeit Erhard B. Der 77 Jahre alte Unternehmer kaufte es von seiner jungen Ehefrau, von der er sich mittlerweile getrennt hat, zurück. Für sie, so sagte er im Frühjahr im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten, habe er es gekauft.

Anklage vor Gericht gegen Besitzer

Ob er damals vor drei Jahren ausreichend Geld für eine Renovierung hatte, darf bezweifelt werden. Denn B. hat zahlreiche Gläubiger, und auch die Staatsanwaltschaft Dortmund hat ihn im Visier. Sie erhob nach umfangreichen Ermittlungen Anklage wegen unerlaubter Bankgeschäfte in 22 Fällen. B. soll wie eine Bank Geldanlagen mit festen Zinsen angeboten haben. „Das Landgericht prüft derzeit die Anklage, ein Termin für eine Hauptverhandlung ist noch nicht angesetzt“, erklärte ein Sprecher des Landgerichts, Dr. Thomas Jungkamp, am Donnerstag auf Anfrage.

Die Zwangsversteigerung des Hauses in Westhofen hat Peter Jürgens beantragt. Er ist einer der zahlreichen Gläubiger des Eigentümers. Mit 49.999 Euro steht er im Grundschuldbrief des Hauses. Das hat aber eher rechtlich-formale Gründe, denn die Schulden, die B. bei ihm habe, seien erheblich höher, betont er. Vor ihm steht allerdings noch ein weiterer Gläubiger im Grundschuldbrief, der im Zweifelsfall als Erster Geld bekommen würde.

Vermutlich bleibt kein Geld für Gläubiger übrig

Da zudem das Gericht einen vorrangigen Anspruch auf die Begleichung seiner Kosten für das Zwangsversteigerungsverfahren hat und die Stadt die Schulden aus den Grundbesitzabgaben bekommen will, bleibt vermutlich nichts für die Gläubiger übrig.

Ob es tatsächlich jemanden gibt, der das Gebäude am Westhofener Marktplatz am Ende saniert, ist fraglich. Denn die Kosten dafür sind immens. Und die Behörden könnten von einem solventen Käufer die Sanierung verlangen. Das hatten sie bei B. auch verlangt. Der hatte zwar ein Gutachten beigebracht, was alles repariert und saniert werden muss. Doch von der langen Liste der darin genannten Aufgaben wurde wohl nichts abgearbeitet.

Die Zwangsversteigerung findet übrigens am 28. Januar um 10 Uhr im Schwerter Amtsgericht statt.

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