Landeskirche stellt Homosexuelle vor Traualtar gleich

Kirche soll ihre eigenen Regeln stets an der Realität messen und wenn nötig anpassen. Das findet Annette Kurschus, frisch wiedergewählte Theologin an der Spitze der evangelischen Landeskirche. Die Synode ist diesem Appell mit einigen Entscheidungen gefolgt.

20.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit Beschlüssen zur Trauung von Homosexuellen, zum Abendmahl für Kinder und einem Appell für einen respektvollen Kommunalwahlkampf ist in Bielefeld die Synode der westfälischen Landeskirche zu Ende gegangen. Mit großer Mehrheit war zuvor Präses Annette Kurschus für eine zweite Amtszeit wiedergewählt worden. Seit Sonntag haben in Bielefeld die rund 200 Vertreter des Landessynode genannten Kirchenparlamentes über wichtige Themen in den westfälischen Gemeinden beraten. Mit einer Mehrheit von 146 der 160 Stimmen war Kurschus am Mittwoch im Amt bestätigt worden.

Sie wolle klare geistlich-theologische Akzente setzen und sich auch in gesellschaftlichen Debatten zu Wort melden, hieß es in einer Mitteilung. Bislang hat sich Kurschus etwa entschieden für eine menschenfreundliche Migrationspolitik, etwa für Seenotrettung und vielfältige Gemeinden eingesetzt.

In ihrem Bericht zu Beginn des jährlichen Treffens hatte sie ihre Kirche angesichts rückläufiger Mitgliederzahlen ermuntert, Strukturen der Realität anzupassen und Formate und Gesetze kritisch zu überprüfen. Was das heißen kann, zeigte die Synode beispielsweise mit ihrem Beschluss, Homosexuelle bei der kirchlichen Hochzeit gleichzustellen. Bislang waren gleichgeschlechtliche Partner in den Gemeinden nur vom Pfarrer gesegnet worden. Nach dem Beschluss der Landessynode von Mittwoch sollen sie in Zukunft in einem Gottesdienst auch offiziell kirchlich getraut werden können. Gleiches soll laut Mitteilung für Paare gelten, bei denen ein Partner nicht getauft oder aus der Kirche ausgetreten ist.

Mit dem Beschluss schließt sich die evangelische Kirche in Westfalen zahlreichen anderen Landeskirchen an, die die Regeln alle selbst ausgestalten können. Auch in der lippischen Landeskirche und der evangelischen Kirche im Rheinland werden homosexuelle Paare bereits getraut.

Indem sie getaufte Kinder zum Abendmahl nun auch offiziell zulässt, passt sich die Landeskirche in einem weiteren Bereich der gelebten Realität in den Gemeinden an. Der Kelch enthält in diesen Fällen Traubensaft statt Wein. Auch beim Thema Klimaschutz will die Kirche ihren Beitrag leisten und bis 2040 klimaneutral werden. Außerdem rief die Synode die Gemeinden auf, sich im Kommunalwahlkampf 2020 vor Ort für fairen und respektvollen Umgang miteinander einzusetzen. Politiker und Parteien sollen dazu gebracht werden, sich angesichts einer Polarisierung der Gesellschaft und zunehmend roher Umgangsformen zu verpflichten, auf ausgrenzende Sprache und Symbolik zu verzichten.

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