Werbung mit Sophia Thomalla: Lünerin wehrt sich gegen „sexistisches“ Plakat

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Die Botschaft kam an - aber bei Heike Bagusch nicht gut: Als die Lünerin die Werbung an der Moltkestraße sieht, findet sie dafür nur dieses eine Wort: „sexistisch“ - und lässt Taten folgen.

Lünen

, 07.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Heike Bagusch war mit ihrem Mann auf dem Weg ins Kino, den Udo Lindenberg-Film gucken, freut sich auf die Bilder. Auf der Moltkestraße sieht sie dann ein ganz anderes Bild: Eine Frau, Sophia Thomalla, die sich - knapp bekleidet - auf dem Boden räkelt. Dazu der Spruch: „Echte Kerle baggern. Und schaufeln. Und kippen“. Heike Bagusch erinnert sich an diesen Tag Ende Januar: „Dieses Werbeplakat hat mir echt die Stimmung verhagelt. Ich habe gedacht, das geht ja gar nicht. Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der Frauen nur Deko sind. “

Werbung mit Sophia Thomalla: Lünerin wehrt sich gegen „sexistisches“ Plakat

Eines der Werbebanner, um das es geht: Inzwischen ist es von der Moltkestraße verschwunden. © Bagusch

Heike Bagusch ist keine, die darauf wartet, dass andere etwas tun

Andere hätten es dabei belassen, und sich nur geärgert, Heike Bagusch nicht. Mit dieser Werbebotschaft sind sie bei der 58-Jährigen an die Richtige gekommen, oder genau genommen, an die Falsche. Heike Bagusch ist keine, die darauf wartet, dass andere etwas ändern: „Ich wohne hier, wenn ich sowas sehe, kann ich mich nicht einfach nicht kümmern.“ Außerdem arbeitet Bagusch in einer Frauenberatungsstelle. Das sensibilisiert. Aber das sei sie auch schon vor diesem Job bei diesem Thema so gewesen, sagt sie.

Also legt sie los, schreibt an die Firma Schüttflix, die das Werbebanner an den Zaun des früheren Steag-Geländes an der Moltkestraße gehangen hat:

„Ich möchte Ihnen mitteilen, dass ich Ihre Werbung nicht nur sexistisch, sondern auch geschmacklos finde. Vorgeschlagen habe ich Ihre Werbung für den ,Zornigen Kaktus‘ (ein Negativ-Preis, der bereits vier Mal von Terre des femmes an Unternehmen mit besonders frauenfeindlicher Werbung verliehen wurde), und ich nehme an, dass Ihr Unternehmen gute Chancen hat, den ersten Platz zu machen. In Ihrer Werbung diskriminieren Sie Frauen.“

Die Antwort kommt nach einer knappen Stunde

Die Antwort aus Gütersloh kommt noch am selben Tag, rund eine Stunde später - von einer Frau. Darin heißt es unter anderem: „Aus meiner Sicht sind sowohl die Banner als auch der Kalender (von Schüttflix ebenfalls mit Sophia Thomalla produziert (Anm. der Red). einfach großartig geworden“. Es seien „ästhetisch schöne Bilder“. Wenn man mit dieser Werbung Frauen diskriminiere, dann „müsste ja jede Werbung, in der eine Frau ein tolles Outfit trägt, eine Diskriminierung sein“. Aber man bedanke sich ausdrücklich für die Rückmeldung. Unterzeichnet hat Dagmar Großenbach, Prokuristin bei Schüttflix. Sophia Thomalla, mit der die Bilder gemacht wurden, ist Schauspielerin und Moderatorin und - Gesellschafterin bei Schüttflix.

Das stillgelegte Steag-Kohlekraftwerk an der Moltkestraße, wo die Werbeplakate hängen, ist verkauft an die die Hagedorn-Gruppe. Schüttflix ist ein Startup von Hagedorn. Nach Unternehmensangaben war Schüttflix - 2018 in Gütersloh gegründet - nach nur sieben Monaten Entwicklungszeit am Markt: eine Logistikdrehscheibe, die Erzeuger, Anbieter, Lieferanten und Abnehmer vernetzt.

Heike Bagusch motiviert diese Antwort aus Gütersloh zu mehr: Sie schreibt nicht nur an „Terres des femmes“, einen gemeinnützigen Verein, der sich für die Rechte von Frauen einsetzt, sondern auch an den Werberat, an die Grünen in Lünen, an die SPD und an Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns.

Besonders gefreut hat sich Heike Bagusch über die Reaktion von Norbert Janßen, Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Lünen: „Der hat sich sofort bei mir gemeldet, und mir geschrieben“, erzählt sie. Auch er habe die „Werbung“ als „sexistisch“ bezeichnet. Und noch mehr: Janßen verspricht, Kontakt mit der Firma Schüttflix aufzunehmen, und er habe diese gebeten, die Werbung zu beseitigen. Und Janßen habe auch geschrieben, dass, sollte das so nicht funktionieren, man entscheiden werde „welcher weitere Weg Sinn macht“.

Ein Schritt, der offenbar nicht nötig wird - denn: Seit Freitag (7.2.) sind die beiden Plakate weg. Heike Bagusch jedenfalls ist glücklich: Besser hätte sie nicht ins Wochenende starten können. Vielleicht mit einem Kinobesuch.

Heike Bagusch hat sich auch an den Deutschen Werberat gewandt. Ein Selbstkontrollorgan der Werbewirtschaft. Im vergangenen Jahr hatte sich der Verband unter anderem mit der umstrittenen Werbung einer Düsseldorfer Brauere beschätigen müssen.
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