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Neue Regeln für Pauschalreisen gelten ab 1. Juli. Was Reisende tun können, wenn aus dem geplanten Traumurlaub eine Albtraum-Reise wird, erklärt Jutta Gülzow von der Verbraucherzentrale.

Lünen, Selm

, 19.07.2018 / Lesedauer: 3 min

Was tun, wenn der Traumurlaub zur Alptraum-Reise wird? Die neuen Regeln sollen für mehr Klarheit und Verbraucherschutz sorgen. Aber nicht alle Regelungen sind auch Verbesserungen aus Verbrauchersicht, wie Jutta Gülzow, Leiterin der Lüner Verbraucherberatung, erläutert.

Wie lange hat man Zeit, um Mängel nach dem Urlaub beim Veranstalter zu reklamieren? Bislang war es nur maximal ein Monat nach der Rückkehr – das gilt auch noch für Urlaube, die vor dem 1. Juli gebucht wurden. Das neue Recht verlängert diese Frist für Buchungen ab dem 1. Juli auf zwei Jahre. Jutta Gülzow rät allerdings: „Mängel vor Ort muss man schon beim Reiseleiter reklamieren und ihm die Möglichkeit der Nachbesserung geben.“

Welche Preiserhöhung vor Reiseantritt muss man als Urlauber hinnehmen? Da gibt es eine Verschlechterung für den Verbraucher. Bislang durften sich gebuchte Reisen im Nachhinein verteuern, wenn zwischen Buchung und Reiseantritt nicht mehr als vier Monate liegen. Nach neuem Recht darf der Veranstalter die Reisen aufgrund beispielsweise von Flughafensteuern oder Kerosinzuschlag auch verteuern, wenn dies bis zum 20. Tag vor Reiseantritt mitgeteilt wird. Bisher musste man bis zu fünf Prozent Preiserhöhung akzeptieren, jetzt sind es bis zu acht Prozent Erhöhung.

Wie sollte man sich verhalten, wenn man kurz vor dem Urlaub erfährt, dass das gebuchte Hotel gegen ein anderes getauscht werden soll? Da räumt der Gesetzgeber den Veranstaltern auch mehr Rechte als bisher ein. Wird das bereits gebuchte Hotel getauscht und stattdessen vom Veranstalter ein anderes Urlaubsdomizil gewählt, gilt diese Änderung vom Kunden als akzeptiert, wenn der Reisende nicht aktiv und ausdrücklich widerspricht.

Wer ist Ansprechpartner bei Mängeln, wenn man Transport und Unterkunft einzeln, aber beim selben Reisebüro oder Online-Portal gebucht hat? Unternehmer, die mit Reisenden online einen Vertrag über eine einzelne Reiseleistung, etwa einen Flug, geschlossen haben, gelten seit 1. Juli auch als Veranstalter einer Pauschalreise, wenn sie Kunden für dieselbe Reise einen Vertrag über eine weitere Reiseleistung wie Hotelaufenthalt, mit einem anderen Anbieter vermitteln. Dazu müssen sie Reisenden den Zugriff auf das Online-Buchungsverfahren des anderen Unternehmers ermöglichen sowie Namen, Zahlungsdaten und E-Mail-Adresse ihrer Kunden weiterleiten. Außerdem muss der weitere Vertrag spätestens 24 Stunden nach der Buchungsbestätigung für die erste Reiseleistung zustande kommen.

Leider erleben manche Urlauber einen Albtraum, wenn der Veranstalter pleite ist. Gibt es in Sachen Insolvenz-Absicherung auch neue Regelungen? Die Insolvenz-Absicherung wurde ausgedehnt. Reisebüros oder Online-Reiseportale, die Kunden im Rahmen eines einzigen Kontakts mindestens zwei verschiedene Leistungen für eine Reise vermitteln und Zahlungen für diese Reiseleistungen entgegennehmen, müssen ab sofort als Vermittler dieser Leistungen eine eigene Insolvenz-Absicherung vorlegen.

Gilt eine Preisminderung bei Mängeln auch weiter bei Ferienwohnungen oder Tagesreisen? Nein – auch hier gibt es eher eine Verschlechterung für die Verbraucher. Die neuen Regelungen, die Mängel betreffen, gelten nicht mehr für Ferienwohnungen und -häuser, die Urlauber über einen Reiseveranstalter gebucht haben. Auch Tagesreisen für bis zu 500 Euro sind ausgenommen. Das bedeutet, so die Verbraucherberatung, dass Reisende im Fall von Mängeln oder Insolvenz des Veranstalters nicht mehr auf Preisminderung nach dem deutschen Pauschalreiserecht oder Rückzahlung von Anzahlungen bei diesen Angeboten pochen kann.

Was kann ein Verbraucher tun, der Probleme rund ums Reisen hat? Bei rechtlichen Problemen rund ums Reisen, wegen einer Pauschalreise oder einem einzeln gebuchten Flug oder Hotel, aber auch Ärger mit Reisebüro oder Online-Buchungsportal kann man sich an die Rechtsberatung der Verbraucherzentrale in Lünen wenden. „Die Rechtsberatung kostet neun Euro Gebühr“, so Jutta Gülzow. Eine vorherige Terminabsprache ist allerdings unbedingt erforderlich – per Telefon, Tel. (02306) 30 138 01, oder per Mail: luenen-termin@verbraucherzentrale.nrw

Öffnungszeiten der Verbraucherberatung, Kirchstraße 12: Montag 9.30 bis 12.30 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Dienstag: 9.30 bis 12.30 Uhr und 14 bis 18 Uhr, Mittwoch: 9.30 bis 12.30 Uhr, Donnerstag: 9.30 bis 12.30 Uhr und 14 bis 18 Uhr, Freitag: 9 bis 13 Uhr.