Wellbrocks Gold als Schwimmer-Schub? „Volle Kraft voraus“

Florian Wellbrock beweist beim ersten deutschen WM-Gold seit vier Jahren, dass er mit hohen Erwartungen bei seiner Titelkampf-Trilogie umgehen kann. Der Rekordweltmeister des Freiwasserschwimmens traut ihm den Olympiasieg zu.

16.07.2019, 06:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Sekt vom Hoteldirektor nahm WM-Champion Florian Wellbrock an, doch trinken wollte der deutsche Schwimm-Shootingstar den edlen Tropfen nicht.

„Kein Alkohol“ - lautete die Devise, nachdem sich Wellbrock in einem packenden Rennen zum ersten deutschen Weltmeister über zehn Kilometer seit dem Sieg von Thomas Lurz 2009 gekrönt hatte. Das Freiwasser-Idol schickte Glückwünsche aus der Heimat, Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen würdigte den Triumph als „fantastische Leistung“ und hofft auf ein „Weiter so!“.

Auf der schwimmenden Startbrücke in Yeosu feierte Wellbrock seinen ersten großen Titel auf der Weltbühne mit hochgereckten Armen, fiel Freund, Team-Kollege und Bronze-Gewinner Rob Muffels herzlich um den Hals und lauschte bei der Siegerehrung andächtig der Nationalhymne. Nach dem furiosen Auftakt heißt es nun: Akku aufladen für Teil zwei und drei seiner WM-Trilogie. Wellbrocks Erfolg soll den deutschen Schwimmern nach zuletzt zwei Medaillen-Nullnummern bei Olympia im Becken und nur einmal Edelmetall bei der WM vor zwei Jahren Schwung geben.

„Jetzt erstmal kopftechnisch einen Tag abschalten, resetten und dann volle Kraft voraus fürs Beckenschwimmen“, umriss Wellbrock seinen Plan für die kommenden Tage. Seine Mission als größter Hoffnungsträger der deutschen Schwimmer ist noch lange nicht vorbei. Kommende Woche zählt der Magdeburger Freistil-Ästhet auch im Pool in Gwangju über 1500 und 800 Meter zu den Favoriten. Nächstes Jahr will er seinen Namen in der Olympia-Historie verewigen. Das Olympia-Ticket buchte er wie Muffels im Hafen vor dem Weltausstellungsgelände von 2012 souverän.

„Wir haben die Liste gesehen und gesagt: „Verdammt, das ist ganz schön krass“, Erster und Dritter“, beschrieb der 24 Jahre alte Muffels den Jubel und die Umarmung mit Wellbrock. Bevor Wellbrock nach 1:47:55,9 Stunden im Ziel war, hatte er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Silbermedaillengewinner Marc-Antoine Olivier geliefert. Zum Finale eines packenden Schlussspurts schlug er gerade einmal 0,2 Sekunden vor dem Franzosen an.

Wellbrock und Muffels hatten sich in den Tagen vor Gold und Bronze - den ersten beiden Medaillen für den Deutschen Schwimm-Verband am fünften WM-Tag - gegenseitig gepusht und sich immer wieder Sprüche gedrückt. „Das triezt einen ein bisschen - natürlich im positiven Sinne“, sagte Wellbrock lächelnd. Im gemeinsamen Zimmer mit Kumpel Muffels habe eine Tokio-Flagge mit den olympischen Ringen für zusätzliche Motivation gesorgt.

Im Freiwasser hatte Wellbrock in dieser Saison serienweise gewonnen, war Top-Favorit. Zu viel Druck bedeutete das scheinbar nicht. „Ich frag mich selber, wie lange das noch gut geht“, sagte er. „Irgendwann muss diese Glückssträhne auch mal vorbei sein.“ Wenn das Ausnahmetalent so weitermacht, kann er eine Ära prägen.

„Es ist für den Verband sehr wichtig, so einen super Schwimmer zu haben“, sagte der nicht mehr aktive Rekordweltmeister Thomas Lurz. Wellbrock habe „alle Möglichkeiten, in Tokio Gold zu gewinnen“. Der Top-Sportler selbst dachte ebenfalls schon an das Spektakel im Zeichen der fünf Ringe. „Ich glaube es ist ein großer Schritt, in Tokio auf dem Podium zu sein“, sagte er. Mit harter Arbeit sei es aber möglich.

Weil auch Finnia Wunram und Leonie Beck zwei Tage zuvor die Qualifikation geschafft hatten, dürfen sich erstmals vier deutsche Freiwasserschwimmer auf die Sommerspiele freuen. „Das ist wirklich ein historischer Tag für uns alle“, sagte Stefan Lurz, Bundestrainer und Bruder des zwölfmaligen Weltmeister Thomas. Nach der enttäuschenden WM in Ungarn vor zwei Jahren, als die deutschen Freiwasser-Asse erstmals seit 1994, als nur über 25 Kilometer im Freiwasser geschwommen wurde, ohne WM-Medaille nach Hause gefahren waren, ist der Erfolg besonders wichtig.

Während die Freiwasserschwimmer vier von vier möglichen Olympia-Tickets gelöst haben, verpassten die Wasserspringerinnen Maria Kurjo und Christina Wassen durch ihr Halbfinal-Aus am Dienstag vom Turm den möglichen Quotenplatz. Sie setzen ihre Hoffnungen nun auf den Weltcup im kommenden Jahr. Und Wellbrock? Der wollte den Sekt im Teamhotel mit Muffels als zusätzliche Dusche einsetzen.

Weitere Meldungen