Die Ökobilanz der gängigen Nordmanntanne spricht in Zeiten von "Fridays for future" nicht unbedingt für sie. Aber welche Alternativen zum klassischen Weihnachtsbaum gibt es?

von Lena Zschirpe

Selm, Olfen

, 07.12.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Laut der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald stehen jährlich 23 bis 25 Millionen Weihnachtsbäume in deutschen Haushalten. Das Saatgut der beliebtesten Sorte, der Nordmanntanne, wird vor allem aus Georgien importiert und dort in bis zu 60 Metern Höhe per Hand geerntet. Nach acht bis zwölf Jahren sind die Tannen groß genug für die Ernte und ihren kommerziellen Zweck.

Zwar binden die Nordmanntannen bis dahin etwa 145 Tonnen Kohlendioxid (Co²), durch Transport- und Entsorgungswege und chemische Pflanzenschutzmittel fällt ihre Ökobilanz trotzdem nicht durchgehend erfreulich aus. „Transport, Verpackung, weiterer Transport - der massive, logistische Aufwand ist nicht nachhaltig. Hinzu kommt, dass man ja nicht den ersten Weihnachtsbaum kauft, sondern vielleicht mehrere Betriebe abklappert, bis man einen mitnimmt", sagt Michael Schomberg von der gleichnamigen Baumschule in Olfen.

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Problematisch ist auch der Eingriff in die heimischen Wälder, denn die Nordmanntannen bleiben Exoten, wie Dr. Götz Heinrich Loos vom Naturschutzbund Unna erklärt. „Nadelbäume sind in NRW nur an wenigen Stellen heimisch und Naturschützern daher ohnehin ein Dorn im Auge." Ist ein klassischer Weihnachtsbaum dann überhaupt noch zeitgemäß?

Umweltfreundlicher Weihnachtsbaum ist ein Trugschluss

Mit dem stärkeren Bewusstsein zur Nachhaltigkeit, wachsen schließlich auch Überlegungen zu Alternativen zum klassischen Weihnachtsbaum: „Die Nachfrage nach künstlichen Bäumen steigt", so Loos. „Denn die halten im besten Fall Jahrzehnte. Auch wenn Plastik nicht das umweltfreundlichste Material ist, sagen sich viele, dass dies besser sei."

In diesem Jahr liegen auch Weihnachtsbäume im Pflanzkübel im Trend. Die Tannen werden entweder geliehen und anschließend wieder abgegeben oder können im eigenen Garten eingepflanzt werden. „Das hat allerdings den Nachteil, dass die Wurzeln dabei gekappt und die Gefäße oft zu eng sind", so Loos. „Hier ist der Nachhaltigkeitsgedanke also eher ein Trugschluss, das hängt aber auch von der Baumart ab." Auch Schomberg bestätigt: „Pflanzen in ihrem Wachstum zu stören ist extrem schädlich."

„Die Chance, dass die Bäume wieder angehen ist 50 zu 50", sagte Raphael Merten von der Baumschule Merten. „Und dann auch nur, wenn die Nordmanntanne verschult ist, also schon in Kübeln gezüchtet und immer wieder umgetopft wurde, oder es ganz junge Bäume sind."

Nachfrage nach "perfekten" Weihnachtsbäumen gestiegen

Trotz der heißen Sommermonate, ist eine Knappheit oder ein Preisanstieg bei gängigen Weihnachtsbäumen übrigens nicht zu erwarten. Die Baum-Plantagen werden meist ausreichend mit Wasser versorgt, eher Jungpflanzen leiden unter der Hitze. „Die Bäume werden in diesem Geschäft zu schnell hochgezüchtet, deswegen haben wir uns auch daraus zurückgezogen", so Schomberg.

Die Baumschule Merten verkauft noch Tannenbäume zur Weihnachtszeit und bezieht diese aus einem kleinen Betrieb in Dänemark. Der Markt sei komplizierter geworden, das liegt vor allem an den erhöhten Ansprüchen an einen Weihnachtsbaum. „Die Wohnungen sind kleiner geworden, also müssen die Bäume kleiner werden und trotzdem gut aussehen", erklärt Merten. „Man muss einen Baum wirklich hegen und pflegen. Es ist nicht mehr so einfach wie früher, dass man in den Wald geht und sich einfach einen Baum aussucht und fertig."

Diese nachhaltigen Alternativen zum Weihnachtsbaum gibt es

Eine ungewöhnliche, aber umwelt- und naturfreundliche Alternative seien dagegen einheimische Baumsorten im Kübel, die ohnehin später im eigenen Garten anwachsen sollen. „Das können Eichen oder Obstbäume sein", so Loos. Der Nabu macht außerdem auf weitere Möglichkeiten aufmerksam, das Wohnzimmer zur Weihnachtszeit ökologisch zu dekorieren.

Auch Öko-Weihnachtsbäume sind eine Alternative. Ohne Pestizide können nützliche Insekten überleben, die einem Schädlingsbefall entgegen wirken können. Schafe halten die Gräser zwischen den Tannen kurz und sorgen für zusätzlichen Dünger.

Sogar Weihnachtsbaumschmuck geht nachhaltig und natürlich: Dekorationen gibt es auch aus Holz, Stoffbändern, Papier und Stroh oder lassen sich aus Salzteig und essbaren Plätzchen selber herstellen. Von Schnee- und Glitzersprays rät der Nabu ab, da beides häufig aus Mikroplastik besteht.

Weihnachtsbaum: Naturschutz ist Kirche trotz Tradition wichtig

Bereits im Mittelalter war es üblich, Bäume festlich zu schmücken. Die Tanne und ihre anhaltende grüne Farbe symbolisierten das ewige Leben und Hoffnung. "

„Heute hat der Christbaum etwas mit Häuslichkeit und Gemütlichkeit zu tun", so Andreas Bader, Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde in Selm.

„Das Thema Naturschutz ist auch in der Kirche wichtig, aber ich kenne niemanden, der sich auf die Fahne geschrieben hätte, dass weniger Weihnachtsbäume aufgestellt werden müssen." Bader selbst stellt zuhause keinen Weihnachtsbaum auf. „Das hat aber eher praktische Gründe, denn ich arbeite an Weihnachten."

In der Kirche steht an Heiligabend auch ein geschmückter Tannenbaum, Empfehlungen zu klimafreundlichen Weihnachtsbäumen oder gar dem Verzicht darauf Zuhause spricht die Kirche aber nicht aus. Daran würde sich vermutlich sowieso kaum jemand halten, meint Bader. „Ich glaube, man kriegt eher noch die Autos von der Straße, als die Christbäume aus dem Wohnzimmer."

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