Sebastian Pähler: Das verpählern wir!

Freier Mitarbeiter im Porträt

Redakteure, die sie geringschätzig behandeln, müssen noch viel lernen: Ohne die „Freien“ funktioniert ein Zeitungsverlag nicht, das gilt auch für Rubens. Honorarkräfte machen Fotos, besuchen Termine, Feste und kümmern sich um alle möglichen Themen. Einer davon: Sebastian Pähler.

Unna

, 14.02.2020, 11:08 Uhr / Lesedauer: 4 min
Sebastian Pähler: Das verpählern wir!

Er besetzt Termine zuverlässig und begegnet den Menschen freundlich: So schätzen wir Sebastian Pähler. Hier interviewt er gerade Melanie Talotti im Circus Travados. Sebastian Pähler ist einer von vielen freien Mitarbeitern, ohne die wir nicht arbeiten könnten. © Udo Hennes

Wenn die Mitarbeiter die Säulen sind, die einen Zeitungsverlag tragen, dann ist dieser Pfeiler vielleicht körperlich nicht der größte. Aber er ist unheimlich wichtig. Tatsächlich gibt es zahlreiche Tage, an denen nur dank seines Einsatzes hier nichts zusammenstürzt. Er heißt Pähler.

Auf Honorarbasis

Sebastian Pähler arbeitet für den Zeitungsverlag Rubens als freier Mitarbeiter. „Frei“ bedeutet nichts anderes als dies: Neben anderen Tätigkeiten arbeitet er auf Honorarbasis zu flexiblen Einsatzzeiten unter anderem für unseren Verlag.

Kultur, Sport und mehr

Ohne unsere „Freien“ wäre die Produktion der Zeitung und des Webportals schwierig. Nein, eigentlich wäre sie nicht möglich. Die freien Mitarbeiter besuchen viele der unzähligen Termine, vor allem an Wochenenden. Sie machen viele Fotos, wenn sich die Termine ballen und unsere Fotografen dringend Unterstützung benötigen. Sie sind dabei, wenn in der Handballhalle die entscheidenden Tore fallen, der Vorhang der Theaterbühne oder der Vogel auf dem Schützenplatz. Und wenn die Menschen diese Reporter sehen, dann sagen nicht wenige: „Ah, der Hellweger kommt.“

Seit Jahren „im Dienst“

Das gilt auch für Sebastian Pähler, den wir hier gern einmal beispielhaft vorstellen wollen. Auf die Frage, seit wann er für uns unterwegs ist, antwortete er mit einem klaren „Äh, ich glaube so 2010?“. Stimmt. Nach einem Praktikum übernahm Sebastian Pähler im November 2010 den ersten Auftrag für die Lokalredaktion Unna. Diese hatte ihre Büros damals noch am Ostring 17a. Dort ist heute „Antenne Unna“. Und bevor es den Praktikanten Sebastian gegeben hat, gab es ihn erst einmal als Studenten: Mit Germanistik, Sozialwissenschaft und Sozialpsychologie beschäftigte sich der Unnaer an der Uni Bochum. Dann kam der Journalismus.

Autor schon zur Schulzeit

Das heißt, eigentlich war schon der Schüler Sebastian auch Journalist. Sebastian Pähler ist in Unna geboren und aufgewachsen, und er ging zunächst zur Osterfeldschule, dann zur Peter-Weiss-Gesamtschule (PWG). „Geschrieben habe ich eigentlich schon immer“, erinnert er sich. Als Kind schrieb er bereits Geschichten. In der Redaktion der PWG-Schülerzeitung schrieb er schon über das Schulgeschehen, aber er verantwortete auch eine Kurzgeschichten-Reihe. Kreative und nicht nur journalistische Texte liebt der Autor auch heute noch. Dazu später mehr.

Es gibt ihn auch als Verb

Aus ersten Terminen, um die sich der neue Reporter zuverlässig kümmerte, wurde die regelmäßige Gepflogenheit, Sebastian Pähler anzurufen, wenn Termine aller Art anstehen. Vielleicht schafft es der Gute deswegen ja sogar einmal in den Duden. Wer bei der Suchmaschine „Google“ etwas sucht, der googelt. Das hat sich irgendwann eingedeutscht. Und wurde auch für diesen freien Mitarbeiter innerhalb der Redaktion schon ein neues Wort geprägt: „Verpählern“ ist viel kürzer als „Sebastian-den-Termin-anbieten“, und es ist inzwischen für jedermann verständlich.

Überall einsetzbar

Wir verpählern Konzerte, sei es mit Cello oder E-Gitarre, Theateraufführungen, Aktionen in Schulen und Kindergärten, Vereinsversammlungen und längst auch unzählige Fototermine von der Konfirmation bis zum Kabarett.

Wir bieten unseren Freien allerlei Termine an – meist mit einem gewissen Vorlauf. Sie sehen einen Pool an Terminen, was sie jeweils leisten und dafür an Honorar erhalten sollen, können sich dann darauf bewerben und erhalten von uns die Zu- oder Absage. Manchmal kommt auch sehr kurzfristig etwas rein – in der Regel ist aber selbst dann auf Sebastian Pähler Verlass, der es in der Regal immer irgendwie einräumen kann. Auch, wenn er dafür andere Termine verschieben muss – es gibt im Leben ja nicht nur den Hellweger; wobei er für diesen brennt, ohne Frage.

Zuverlässiger Kümmerer

Sebastian ist zuverlässig und kümmert sich drum. „Immer wieder gern“ ist so ein Satz, den wir oft von ihm hören.

Selten wiederum hören wir seine Warnung, dass er sich ein Wochenende freinehmen wolle. An diesen paar Tagen im Jahr kann er dann tatsächlich gar nicht. Netterweise kommt diese Warnung immer mit einigen Tagen Vorlauf. Glücklicherweise können wir uns auf viele weitere freie Mitarbeiter verlassen, die gerne Termine für die Redaktion wahrnehmen.

Ein Kulturfreund

Wie jeder Journalist hat auch Sebastian Pähler Themen, die ihm besonders liegen, die er sehr gern bearbeitet. Kultur ist so ein Thema. Wer Sebastian Pähler zu einer Theateraufführung schickt, hat diesen Termin auf jeden Fall gut besetzt. Das kann auch daran liegen, dass Sebastian selbst schon öfter auf der Bühne gestanden hat. In Dortmund zum Beispiel kennt man ihn beim Improtheater „Ruhrgebieter“. Er hat auch schon kreativ Texte geschrieben. „Und die lasse ich gelegentlich auch wen hören“, sagt Pähler. Bei den „4writers“ an der Jugendkunstschule hat er mitgewirkt, und hin und wieder findet man den 39-Jährigen auf diversen Lesebühnen, wo er seine Geschichten und vertexteten Ideen dann vor Publikum vorträgt.

Die kleinen Geschichten

„Ich mag aber auch einfach die kleinen Geschichten über alles, was so in Unna passiert“, sagt der Reporter. Tief beeindruckt hätten ihn zum Beispiel Begegnungen mit Flüchtlingen, die im Raum Unna angekommen waren. „Da bekommt man Schicksale mit und denkt: Vielleicht haben wir es hier doch ganz gut.“

Wie vielfältig das lokale Geschehen sein kann, macht Sebastian an einer Anekdote fest, die ihn immer wieder schmunzeln lässt. Einer seiner ersten Termine führte ihn zu einem Schützenfest. Sein Ansprechpartner war nicht mehr sehr nüchtern, die Begegnung wurde unangenehm. „Typisch“, mag der Reporter da gedacht haben. Bei einem seiner nächsten Termine hingegen erlebte er einen Schützenverein, der gerade seine frisch gebackene Königin – und deren Königin – feierte. „Es hat nicht alles mit Klischees zu tun“, sagte Sebastian Pähler.

Seine Stadt neu entdeckt

Und wie Sebastian uns nun verriet, hat ihm die Arbeit für die Zeitung in vielen Belangen ein Stück weit die Augen geöffnet. Wer im Auftrag der Redaktion unterwegs ist, der erlebt eben Musikveranstaltungen, Straßentheater, Naturschutzaktionen, Vereinsinitiativen und Stadtteilprojekte. „Ich habe in den Jahren viel Neues entdeckt“, sagt der Reporter. „Vorher habe ich meine Stadt gar nicht gekannt.“

Ein Buch, das wäre mal was

Einen publizistischen Traum hat Sebastian Pähler auch. Er würde gerne mal eine Auswahl seiner Texte als Buch veröffentlichen. „Meinen Namen auf einem Buchrücken, ja, das würde ich gerne sehen“, verriet er. Wir drücken die Daumen. Was Sebastian bisher für uns geschrieben hat, würde schon diverse Regalmeter füllen. Möge es noch manche Zeile sein. Wir in der Redaktion meinen jedenfalls voller Überzeugung: Immer wieder gern.

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