Tipps der Verbraucherzentrale: Was sich bei Arbeit, Ausbildung und Steuern 2020 ändert

dzVerbraucher-Serie

Zum 1. Januar ändert sich einiges auch in den Bereichen Arbeit, Ausbildung und Steuern. Das Team der Verbraucherberatung informiert, worauf man achten sollte.

Lünen

, 07.01.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Pünktlich zum Jahreswechsel ändert sich einiges in Sachen Steuern, Arbeit und Ausbildung. Darauf macht das Team der Lüner Verbraucherberatung aufmerksam. Auf was man achten sollte, erklären Leiterin Jutta Gülzow und ihre Mitarbeiterinnen.

? Was ändert sich bei den Steuern? 2020 steigen die Einkommensgrenzen für alle Steuersätze um 1,95 Prozent. So gleicht man die Inflationsrate von 2019 in den Steuertarifen aus. Außerdem steigt der Grundfreibetrag für Ledige auf 9408 Euro - das ist ein Plus von 240 Euro. Verheirateten stehen 18.816 Euro als Grundfreibetrag zu, also 480 Euro mehr. Der Grundfreibetrag ist der Betrag, bis zu dem das Einkommen steuerfrei bleibt. Im selben Umfang erhöhen sich die Beiträge, bis zu denen Steuerzahler Unterhalt für nahe Angehörige als außergewöhnliche Belastungen absetzen können. Auch angehoben wird der steuerliche Kinderfreibetrag, der das Existenzminimum des Kindes sichert. Der Kinderfreibetrag wurde um 192 Euro auf 5172 Euro erhöht. Für Eltern bleibt dieser Betrag ihres Einkommens pro Kind und Jahr steuerfrei.

? Was ist mit der sogenannten Reichensteuer? Seit 2007 gibt es diesen Steuerzuschlag um 3 Prozentpunkte für Bestverdiener. Ab 2020 beginnt der Spitzensteuersatz ab einem zu versteuernden Einkommen von 270.501 Euro jährlich bei Leidigen bzw. 541.001 Euro bei Verheirateten.

? Bei der Bahn wird die Mehrwertsteuer für Fernreisen gesenkt, gilt das auch für andere Bereiche? Allerdings. Ab 1. Januar gilt auch für E-Books, Zeitungen und Zeitschriften in elektronischer Form der Mehrwertsteuersatz von sieben statt bislang 19 Prozent. Und auch Hygieneprodukte wie Tampons und Binden werden günstiger, weil sie nur noch mit sieben Prozent besteuert werden. Ob der Handel den Preisvorteil an die Verbraucherinnen weitergibt, ist allerdings seine Sache.

? Was ändert sich beim Bafög? Der Förderhöchstsatz steigt zum Wintersemester 2020/2021 auf 861 Euro. Mit der Anhebung der Pauschale für den Grundbedarf (für Studierende auf 427 Euro, für Schüler nach Schulform gestaffelt) steigen die individuellen Förderungsbeiträge. Außerdem werden die Einkommensfreibeträge angehoben, die Eltern, Ehegatten sowie Studierende/Schüler mit ihrem eigenen Verdienst beim Nettoeinkommen nicht übersteigen dürfen. Wer als Bafög-Empfänger eigenes Vermögen hat, kann nun 8200 Euro auf der hohen Kante haben. Dieser Freibetrag gilt ab dem Wintersemester 2020/21.

? Profitieren auch Auszubildende von gesetzlichen Neuerungen? Ja. Wenn die Ausbildungsvergütung nicht fürs Wohnen, Essen und Fahrtkosten reicht, kann man bei der Agentur für Arbeit Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragen. Auch hier steigen ab 1. August die Förderhöchstsätze beim Grundbedarf auf 398 Euro monatlich. Weil die Sätze für die Unterkunft jedoch gleich bleiben, ergibt sich dann ein Förderhöchstsatz von 723 Euro ab 1. August. Wie viel BAB man bekommt, hängt vom eigenen Einkommen, dem Einkommen der Eltern und auch auch des Partners ab, wenn der Azubi verheiratet ist. Zudem gibt es ab 2020 auch einen Mindestlohn für Auszubildende. Im ersten Ausbildungsjahr sind es mindestens 515 Euro monatlich, im zweiten Lehrjahr 615 Euro und im dritten Ausbildungsjahr 715 Euro. Bei tarifgebundenen Arbeitgebern gilt der im Tarifvertrag vereinbarte Lohn. Etwa elf Prozent der Ausbildungsbetriebe müssen ihren Azubis mehr zahlen als bisher.

? Gibt es steuerliche Änderungen bei Spesen und geldwerten Vorteilen? Berufstätige, die mehr als acht Stunden beruflich auswärts tätig sind, können ab 1. Januar 2020 mit einer auf 14 Euro erhöhten Verpflegungspauschale rechnen. Bei 24-stündiger Abwesenheit beträgt die Pauschale 28 Euro. Für An- und Abreisetag bei mehrtägigen Reisen werden 14 Euro angesetzt. LKW-Fahrer bekommen höhere Spesen bei Übernachtung in ihrem Fahrzeug - pauschal acht Euro pro Tag. Mieter einer günstigen Werkswohnung werden künftig vom Fiskus weitestgehend verschont. Ab 1. Januar 2020 wird ein Bewertungsabschlag von einem Drittel eingeführt. Beträgt die verbilligte Miete also mindestens zwei Drittel der ortsüblichen Vergleichsmiete, muss dieser Vorteil nicht mehr versteuert werden. Und es gibt eine gute Nachricht für Berufspendler: Das Jobticket kann jetzt pauschal mit 25 Prozent durch den Arbeitgeber besteuert werden und wird nicht mehr auf die 30-Cent-Entfernungspauschale des Beschäftigten angerechnet.

? Was hat es mit der Meisterpflicht in Handwerksberufen auf sich? Die Bundesregierung hat für zwölf bislang zulassungsfreie Handwerksberufe ab 2020 wieder die Meisterpflicht eingeführt. Wer sich in folgenden Berufen selbstständig machen will, muss eine Meisterprüfung abgeschlossen haben: Fliesenleger, Estrichleger, Behälter- und Apparatebauer, Parkettleger, Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Drechsler und Holzspielzeugmacher, Böttcher, Glasveredler, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Raumstatter und Orgel- und Harmoniumbauer. Die Meisterpflicht gilt nur für neu gegründete Betriebe. Bereits bestehende Betriebe dürfen auch ohne Meistertitel ihr Handwerk ausüben, denn sie haben Bestandsschutz.

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