Es kommt nicht so häufig vor, dass Bork Schauplatz einer internationalen Fachtagung ist. Umso erstaunlicher, dass am Tag der Entsorgungslogistik die fehlten, die man hätte erwarten können.

Bork, Selm

, 02.10.2019, 04:09 Uhr / Lesedauer: 3 min

Rund 260 Vertreter der Entsorgungsbranche beziehungsweise aus Unternehmen und Einrichtungen, die mit der Entsorgungslogistik zu tun haben, haben sich am Freitag, 27. September, auf dem Gelände des Forschungs- und Technologiezentrums Ladungssicherung Selm (LaSiSe) gGmbH eingefunden.

Was internationale Vertreter der Entsorgungsbranche in Bork gemacht haben

LKW reihte sich an LKW. Die Großen der Branche waren vertreten. © Arndt Brede

Es waren Fachbesucher aus der ganzen Bundesrepublik und dem benachbarten Ausland. Auf Einladung des Wirtschaftsförderungszentrums Ruhr für Entsorgungs- u. Verwertungstechnik (WFZ Ruhr) widmeten sie sich Themen wie alternativen Antriebstechnologien für Nutzfahrzeuge, emissionsarme Mobilität und Assistenzsysteme. In Theorie durch Vorträge, aber auch in der Praxis.

Mit potenziellen Kunden im Gespräch

Mitten drin, einer der wenigen Lokalmatadoren: Heinrich Wüllhorst, Chef des Selmer Fahrzeugbauunternehmens Wüllhorst GmbH & Co. KG. Hatte er bereits die Flotte der Stadtwerke Selm mit Abbiegeassistenten ausgestattet, nutzte er die Gelegenheit, mit potenziellen Kunden ins Gespräch zu kommen. Wüllhorst erwies sich als Mann der Praxis. Sein System, mit dem LKW-Fahrer Radfahrer im sogenannten toten Winkel besser erkennen können, führte er selber vor: auf einem Fahrrad sitzend.

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Was internationale Vertreter der Entsorgungsbranche in Bork gemacht haben

Heinrich Wüllhorst stellte den Fachbesuchern - hier eine IVECO-Delegation - das in seiner Firma weiterentwickelte Abbiegeassistenzsystem vor. © Arndt Brede

Rund 5000 Fahrzeuge mit Abbiegeassistenzsystemen Marke Wüllhorst fahren nach Auskunft des Unternehmenschefs mittlerweile auf europäischen Straßen. Wie wichtig das ist, erklärte er an einem Beispiel. Nämlich aus eigener Erfahrung: „Ich habe selbst einen LKW Führerschein und bin froh, dass ich jetzt weiß, wie groß der tote Winkel wirklich ist. Das ist allen anderen Verkehrsteilnehmern leider oft nicht bewusst.“

Was internationale Vertreter der Entsorgungsbranche in Bork gemacht haben

Ein Mann im toten Winkel. Auf dem Fahrrad demonstrierte Heinrich Wüllhorst, wie groß der Bereich wirklich ist, der per Spiegel im LKW nicht mehr einsehbar ist. © Arndt Brede

Das Wüllhorst-System ermöglicht durch Sensoren und eine Kamera an verschiedenen Punkten an der LKW-Seite, dass der Fahrer auf einem Monitor erkennt, ob sich jemand in dem Bereich neben dem LKW aufhält, den er per Außenspiegel so nicht überblicken könnte. Optische und akustische Warnsignale ergänzen das System in zwei Stufen.

Selm als Vorbild für andere Städte

Den Tag der Entsorgungslogistik auf dem LaSiSe-Gelände hat Heinrich Wüllhorst für viele Gespräche genutzt. Dem Beispiel der Stadtwerke Selm werden laut Wüllhorst viele Städte in der Bundesrepublik folgen. „Wir haben hier viele Kontakte geknüpft.“ Schade sei, dass viele Städte erst auf finanzielle Förderung warten, ehe sie sich daran begeben, in diese Systeme zu investieren. Seine Erfahrung mit seinen Kunden sei: „99 Prozent meiner Kunden fahren nicht mehr ohne Rechtsabbiegeassistenten vom Hof.“

Was internationale Vertreter der Entsorgungsbranche in Bork gemacht haben

LKW-Vorführungen gehörten zum Tag der Entsorgungslogistik dazu. © Arndt Brede

Der Erfahrungsaustausch zwischen Heinrich Wüllhorst und den Fachbesuchern während des Tages der Entsorgungslogistik sind quasi Blaupausen für das, was die Organisatoren des Tages sich erhoffen. „Wir begrüßen hier Vertreter kommunaler, aber auch privater Entsorger“, berichtet Hildebrand von Hundt, Geschäftsführer des WFZ Ruhr. „Und zwar Fuhrpark- und Einkaufsleiter, die sich einfach darüber informieren, was man tun muss, um den Fuhrpark zu modernisieren und das Thema Klimaschutz anzugehen.“

Klimaschutz und Sicherheit: Gebote der Stunde

Das Thema Klimaschutz anzupacken sei ebenso ein Gebot der Stunde, wie, sich mit dem Thema Abbiegeassistenten zu beschäftigen. Insofern biete der Tag der Entsorgungslogistik eine breite Palette an Wissen, aber auch an Fahrzeugen, die bereits modernen Ansprüchen genügen.

Was internationale Vertreter der Entsorgungsbranche in Bork gemacht haben

Die Fachbesucher hatten viele Möglichkeiten, sich zu informieren. © Arndt Brede

Tummelten sich viele Fachleute auf dem LaSiSe-Gelände, fehlten am Freitag Vertreter der Stadtspitze und der Stadtwerke. Woran mag es gelegen haben? Die entsprechende Frage beantwortete Selms Stadtsprecher Malte Woesmann so: „Es hat leider niemand Zeit gehabt.“ Was sagt Hildebrand von Hundt dazu? „Wir hatten es lange genug bekannt gegeben und auch frühzeitig eingeladen. Das ist dann letztendlich eine kommunale Entscheidung“, erklärte der WFZRuhr-Geschäftsführer. Er verwies aber darauf, dass Selm schon einen großen Schritt in Sachen Abbiegeassistenten gemacht habe. „Das ist toll.“ Dennoch müsse noch mehr passieren.

Was auch die heimischen Vertreter hätten erleben können, schildert von Hundt unter anderem so: „Wir haben hier erstmals zwei Müllfahrzeuge vorgestellt, die rein auf Strom fahren.“ Dabei handele es sich nicht um komplette Neubauten. Bestehende LKW-Chassis seien umgebaut und mit entsprechender Technik ausgestattet worden.

„Das ist ein tolles Gelände“

Was internationale Vertreter der Entsorgungsbranche in Bork gemacht haben

Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, den LaSiSe-Sicherheitsparcours zu testen. © Arndt Brede



Übrigens: Der fünfte bundesweite Tag der Entsorgungslogistik war der erste auf dem LaSiSe-Gelände. 2020, so kündigt es Hildebrand von Hundt an, wird es wieder einen Entsorgungslogistik-Tag beim LaSiSe geben. Und zwar am 2. Oktober 2020. Laut Heinrich Wüllhorst ist das eine gute Entscheidung: „Das ist ein tolles Gelände. Es geht nicht besser. Man hat alle Möglichkeiten. Man hat Platz. Man kann Vorführungen machen.“

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