Warum es wichtig ist, EC- und Kreditkarten sofort zu sperren

dzDiebstahl

Wenn die EC-Karte weg ist, muss man schnell sein. Nur so kann man sein Konto schützen. Ansonsten wird es für Banken und Sparkassen zur Einzelfall-Entscheidung. Und die kann ärgerlich enden.

Schwerte

, 12.12.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Diebe waren schnell. Um 13.45 Uhr bemerkte eine 63-Jährige im Aldi am Bahnhof: Das Portemonnaie ist weg. 25 Minuten später hatte eine Unbekannte 1500 Euro vom Konto abgehoben – offenbar in mehreren Vorgängen.

Zwischen 7 und 18 solcher Fälle kommen allein in Schwerte pro Jahr vor. Im Kreis Unna sind es 30 bis 60, deutschlandweit ist die Zahl fünfstellig. Und doch lässt sich an diesem Fall vom 5. Oktober, dem Freitag nach dem Tag der Deutschen Einheit, sehen, wo häufig die Probleme liegen.

Da ist zum einen die Geschwindigkeit. Die Täter stehlen, bedienen sich, sind weg – oft schneller, als es Polizei oder Opfer verhindern können. Ist die EC- oder Kreditkarte gestohlen, muss man sofort die 116116 wählen, den deutschlandweiten Sperrnotruf, der auch für die meisten Schwerter Banken gilt.

Nur: „Viele schauen in solchen Fällen erst einmal zuhause nach, ob die Karte nicht doch dort liegt“, weiß Thomas Röwekamp, Sprecher der Polizei im Kreis Unna. Und das Nachgucken koste wertvolle Zeit.

Ist das Geld weg? Oder ersetzt die Bank den Schaden?

Das bestätigt Stefan Knoche, der Pressesprecher der Schwerter Sparkasse: „Man muss unverzüglich sperren.“ Nur in diesem Fall hätten die Täter keine Chance mehr und das Geld bleibe auf dem Konto.

Ist es abgehoben, handele es sich immer um eine Einzelfall-Entscheidung, so Knoche: Woher hatten die Täter wohl die PIN, um Geld abheben zu können? Stand die mit im Portemonnaie oder wurde das Opfer bei der Eingabe ausgespäht? Wie schnell wurde Anzeige erstattet? Haben Kriminelle womöglich sogar eine Ersatzkarte hergestellt, von der das Opfer nichts wusste? All das spiele eine Rolle, unterstreicht Knoche.

Der schlimmste Fall für den Kunden: Das Geld bleibt weg, weil der Kunde fahrlässig gehandelt hat. Der beste Fall: Das Ganze wird zum Versicherungsfall –und die Sparkasse füllt das Konto wieder.

Darum veröffentlicht die Polizei Fotos erst so spät

Warum sind die Ermittler nun so langsam? Die Bilder der Überwachungskameras zeigten doch sofort, wie die Frau aussah, die der 63-Jährigen das Konto plünderte – mutmaßlich in krimineller Absicht.

Die Entscheidung, ob ein Foto veröffentlicht werden darf, liegt nicht bei der Polizei, sondern bei Gericht. In diesem Fall dauerte es bis jetzt, bis das Amtsgericht Hagen die Genehmigung dazu erteilte.

Das Gericht muss bei jedem Fall neu abbwägen: Ist das ein so wichtiges Beweismittel, dass die Veröffentlichung notwendig ist? Immerhin werden Persönlichkeitsrechte verletzt. Die eines mutmaßlichen Täters, aber eben die eines Menschen, der bisher nur als verdächtig gilt und nicht als ermittelt gilt oder gar als verurteilt.

Deshalb ist für die Polizei die Öffentlichkeitsfahndung mit Bild erst die letzte Maßnahme, wenn alle anderen Ermittlungsmöglichkeiten erfolglos ausgeschöpft worden seien.

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