Warum es in der Schwerter Innenstadt keine einheitlichen Öffnungszeiten gibt

dzEinkaufen

Ladenöffnungszeiten sind in Schwerte ein Problem: Mittagspause, uneinheitlicher Ladenschluss oder tageweise geschlossen. . Doch die Werbegemeinschaft ist mit den Zeiten ganz zufrieden.

Schwerte

, 07.01.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

An einem Mittwoch Anfang Januar in der Fußgängerzone. Ab mittags wird es leerer. Kein Wunder, die großen Ketten und einige der inhabergeführten Geschäfte haben zwar noch geöffnet, aber längst nicht alle. Apotheken haben ohnehin mittwochs nachmittags zu. Die beiden Fleischer, ein Juwelier und ein Geschenkeladen auch. Es gibt kleinere Läden, die bis 14.30 Uhr Mittagspause machen, andere schließen bis 15 Uhr. Ein Feinkostgeschäft hat gar nicht auf.

Und auch, wer in Schwerte auf den letzten Drücker schnell noch etwas besorgen möchte, steht am Abend oftmals vor verschlossenen Geschäftstüren. 18 Uhr, 18.30 Uhr oder 19 Uhr, die Öffnungszeiten sind nicht einheitlich. Aber auch morgens kann es passieren, dass man bis zur Ladenöffnung noch etwas warten muss.

Manche machen Mittagspause manche nicht

So öffnet zum Beispiel Feinkost Rutenhofer in der Mährstraße seine Türen nur an drei Tagen. „An den anderen Tagen läuft es nicht“, berichtet der Inhaber. Die Metzgereien Lewe und Wilkes haben mittwochs ab 13 Uhr geschlossen, legen auch regelmäßig eine Mittagspause ein.

Peter Rienhöfer von der Werbegemeinschaft Schwerte wirbt für Verständnis. Man habe in den vergangenen Jahren versucht, die Öffnungszeiten anzugleichen, dies sei aber nur zum Teil gelungen. Gründe nennt er viele. Im Uhren- und Schmuckgewerbe müssten zum Beispiel aus versicherungstechnischen Gründen immer zwei Personen anwesend sein. Da sei es teuer, immer über Mittag zu öffnen.

„Händler kennen die Stoßzeiten“

Andere Händler würden die Stoßzeiten gut kennen und deshalb zu Zeiten schließen, an denen kaum ein Kunde kommt. Auch hier könnten Personalkosten gespart und die freien Zeiten für Einkauf und Buchhaltung genutzt werden. Selbst in In-Vierteln in Köln habe er erlebt, dass Geschäfte montags ganztägig geschlossen hätten. Auch in Dortmund sei die abendliche Ladenschließung nicht einheitlich. Dort würden die Geschäfte auch zwischen 18 und 21 Uhr schließen.

Insofern sei er zufrieden, so Rienhöfer, und betont, dass man den Händlern schließlich nicht vorschreiben könne, wann sie zu öffnen haben. Und normalerweise wüssten die Gewerbetreibenden ganz gut, wann ihre Kunden vor der Türe stehen.

Erst 1996 Änderung des Ladenschlussgesetzes

Bis 1996 waren die Ladenöffnungszeiten in Deutschland streng reglementiert. Um 18.30 Uhr waren alle Geschäfte geschlossen. Bäcker durften sonntags keine Brötchen verkaufen. Da im Einzelhandel damals zudem in vielen Bereichen die Mittagspause gesetzt war, war die Innenstadt auch um diese Zeit fast ausgestorben. Dann wurden die Regeln Schritt für Schritt verändert. Als 2003 samstags die Geschäfte erstmals bis 20 Uhr öffnen durften, machten in Schwerte gerade Mal vier Läden mit. Lidl, das Gartencenter Augsburg und das Schuhhaus Hitzegrad wagten, ihre Geschäfte bis 18 Uhr zu öffnen, Penny sogar bis 20 Uhr.

2004 startete die Werbegemeinschaft ihre Aktion „Schwerte mittags geöffnet“. Mit Erfolg bereits im ersten Jahr hielten 77 der Händler aus dem Bereich der Innenstadt ihre Geschäfte während der ehemaligen Mittagspause geöffnet. Doch es blieb ein Rest Kaufleute, die man nicht überzeugen konnte.

Thema ist Grundvoraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg

Das Institut für Handelsforschung aus Köln hat im Auftrag des Wirtschaftsministeriums Workshops zum Thema Perspektiven für den Einzelhandel angeboten und sieht dabei die Öffnungszeiten als Grundvoraussetzung. Im Abschlusspapier heißt es: „Einheitliche Ladenöffnungszeiten in der Innenstadt sind unbedingt notwendig. Dies setzt ein hohes Maß an Selbstorganisation und Beteiligung des lokalen Handels voraus.“

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