Warum es in der Region nur Sparkasse und Volksbank gibt, Kunden aber Alternativen haben

dzBanken in Selm

In der Umgebung haben sich lediglich Sparkasse und Volksbank niedergelassen. Wir haben geklärt, warum das so ist, und wie auch Kunden anderer Bankinstitute kostenlos an Bargeld kommen.

Selm

, 26.10.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

Haben Sie schon einmal versucht, beim Bäcker mit Karte zu bezahlen? Bei den wenigsten wird es möglich sein, die 30 Cent für ein Brötchen per Überweisung zu begleichen. Obwohl heute schon vieles digital funktioniert - ganz ohne Bargeld kommt niemand aus. Doch der Gang an den Geldautomaten kann für so manchen Bankkunden in Selm, Olfen und Nordkirchen teuer werden.

Denn in allen drei Orten sind lediglich die Sparkasse und die Volksbank ansässig, zum Teil gleich mit mehreren Filialen oder Automatenstandorten. Andere Bankinstitute sind hier nicht zu finden. Und für viele Kunden anderer Banken kostet das Geldabheben bei der Sparkasse oder der Volksbank Gebühren.

Gebühren von bis zu 4,95 Euro werden fällig

„Kunden anderer Banken zahlen ein Entgelt, das jeweils an unseren Geldautomaten ausgewiesen wird“, erklärt Barbara Thöne, die Abteilungsleiterin Vorstandssekretariat/Personal der Sparkasse an der Lippe, zu der Selm gehört. Dieses Entgelt, das Kunden von Fremdbanken zahlen müssen, sei eine Art Bearbeitungsgebühr, wie Martin Potschadel aus dem Vorstand der Volksbank Selm-Bork eG erklärt.

Und die fällt unterschiedlich hoch aus. „Für Kunden anderer Anbieter kostet eine Bargeldabhebung 4,50 Euro“, sagt Kerstin Marpert aus dem Bereich Kommunikation und Medien bei der Sparkasse Westmünsterland, zu der Olfen und Nordkirchen gehören. Bei der Volksbank Selm-Bork eG liegt die Gebühr bei 3,80 Euro. Am höchsten ist die Gebühr mit 4,95 Euro pro Geldabhebung bei der Sparkasse an der Lippe.

Gebührenfrei Geld abheben an der Supermarktkasse

Drei Bankinstitute, die zwar in umliegenden Städten wie Lünen, Werne und Datteln, jedoch nicht in Selm, Olfen oder Nordkirchen ansässig sind, sind die Deutsche Bank, die Targobank und die Commerzbank. An den Automaten der Volksbank oder Sparkasse müssten die Kunden dieser Banken Gebühren zahlen. Es gibt jedoch auch Alternativen.

„Für die kostenlose Bargeldversorgung stehen, neben den Geldautomaten der Deutschen Bank, zusätzlich alle Geldautomaten der Cash Group zur Verfügung“, erklärt Klaus Winker, Pressesprecher der Deutschen Bank. Dazu gehören unter anderem die Commerzbank, die Hypovereinsbank und die Postbank. Die nächsten Automaten der Cash Group befinden sich jedoch in Lünen oder Werne. Doch die Deutsche Bank bietet eine weitere Lösung an: „Außerdem bieten viele Shell-Tankstellen und Supermarktkassen einen kostenlosen Bargeld-Service.“

Die Commerzbank, die ebenfalls zur Cash Group gehört, bietet denselben Service wie die Deutsche Bank.

Geld abheben, egal bei welcher Bank

Die Targobank bietet ihren Kunden drei Möglichkeiten, um kostenlos an Bargeld zu kommen: „Mit der Girocard können Kunden der Targobank auch die Geldautomaten der Cashpool-Gruppe kostenlos nutzen“, sagt Targobank-Pressesprecherin Sonja Glock. Zur Cashpool-Gruppe gehören unter anderem Santander und die BB-Bank. Zudem seien mit einer Targobank Visa Gold- oder Premium-Karte die ersten vier Abhebungen im Monat in Deutschland kostenlos – egal bei welcher Bank.

Zusätzlich bietet auch die Targobank ihren Kunden die Möglichkeit, ab einer Einkaufssumme von 10 bis 20 Euro an der Supermarktkasse Geld abzuheben. „Das ist beispielsweise bei Rewe, Netto, Penny oder Aldi Süd möglich“, sagt Sonja Glock.

Einzugsgebiete sind abgedeckt

Warum weder die Targobank, noch die Deutsche Bank oder die Commerzbank in Selm, Olfen oder Nordkirchen ansässig sind, erklären die Pressesprecher der drei Banken ähnlich: Der Bedarf sei gedeckt. „In der Umgebung von Selm, Olfen und Nordkirchen sind wir unter anderem mit Filialen in Lünen, Datteln und Werne präsent“, sagt Klaus Winker von der Deutschen Bank. „Mit unseren Filialen in Lünen und Datteln ist das Einzugsgebiet um Selm, Olfen und Nordkirchen gut abgedeckt“, erklärt auch Sonja Glock von der Targobank. Zudem sei die Targobank mit circa 350 Filialen deutschlandweit ein kleineres Bankinstitut als die Sparkasse oder die Volksbank.

Die Commerzbank analysiere ihr Filialnetz nach unterschiedlichen Kriterien, so die regionale Pressesprecherin Birgit Müller. Es gehe um Fragen wie beispielsweise: Wohnen oder arbeiten viele Bestandskunden in der Umgebung? Dann könne sich die Commerzbank vorstellen, dort neue Filialen zu eröffnen. Aber: „Aktuell gibt es für die Orte Selm, Olfen und Nordkirchen noch keine Pläne diesbezüglich.“

Genaue Zahlen, wie viele Kunden sie in den drei Orten haben, konnten die Deutsche Bank und die Commerzbank nicht nennen. Die Targobank hingegen hat einen genauen Überblick: „Selm wird durch die Filiale Lünen betreut und umfasst rund 1.200 Kunden. Nordkirchen wird ebenfalls durch die Filiale Lünen betreut und umfasst rund 350 Kunden. Olfen wird durch die Filiale Datteln betreut und umfasst rund 700 Kunden“, sagt Sonja Glock.

Die meisten Kunden leben in Selm

Zahlen, die die Sparkasse an der Lippe und die Volksbank Selm-Bork eG mühelos übertreffen können. In Selm gibt es rund 10.500 Sparkassen-Kunden und 11.220 Volksbank-Kunden. „Und in Bork haben wir 3.432 Kunden“, sagt Martin Potschadel von der Volksbank Selm-Bork eG. Deshalb gebe es auch den Neubau einer Filiale in Bork.

Derzeit hat die Sparkasse drei Standorte in Selm und Bork sowie je einen Standort in Nordkirchen, Südkirchen und Capelle. Zudem ist die Sparkasse mit je einer Filiale in Olfen und Vinnum vertreten. Die Volksbank hat drei Standorte in Selm und Bork, je einen in Nordkirchen, Südkirchen und Capelle sowie je einen in Olfen und Vinnum. Die Anzahl der Filialen ist somit derzeit ausgeglichen.

Sparkasse und Volksbank häufig im ländlichen Raum

Aber wie kommt es überhaupt, dass in der Umgebung lediglich die Sparkasse und die Volksbank vertreten sind? Sowohl die Volksbank als auch die Sparkasse sind hier seit mehr als 100 Jahren ansässig. „Die Volksbanken und Raiffeisenbanken sind für ländlichere Gebiete da“, erklärt Martin Potschadel von der Volksbank Selm-Bork eG.

Das bestätigt auch Dr. Annabel Oelmann aus dem Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen. „In vielen Orten im ländlichen Bereich findet man nur Sparkassen und Volksbanken“, sagt sie. „Beide sind klassische Filialbanken, die sich flächendeckend ausbreiten.“ Für andere Bankinstitute lohne es sich oft nicht, in Orten auf dem Land eine Filiale zu eröffnen oder einen Bankautomaten aufzustellen. „Wobei man sagen muss, dass auch die Sparkasse und die Volksbank sich langsam zurückziehen“, sagt Dr. Annabel Oelmann.

Das trifft jedoch nicht auf Selm, Olfen oder Nordkirchen zu, wie beispielsweise der Volksbank-Neubau in Bork beweist. „Wir planen keine Filialschließung“, betont Martin Potschadel.

Bei der Sparkasse stehen Veränderungen an

Und auch bei der Sparkasse stehen Veränderungen an. Die Sparkasse in Selm, bislang mit zwei Geschäftsstellen vertreten, wird sich künftig neu aufstellen. Die Geschäftsstellen im Dorf an der Straße Brink und im Zentrum an der Kreisstraße werden zum 15. Oktober zusammengelegt. Die Serviceleistung für den Kunden soll sich dadurch jedoch nicht verschlechtern. „Der Kunde findet seinen Berater künftig an der Kreisstraße, alle Leistungen, die er bisher eigenständig gemacht hat, werden dort auch möglich sein“, erklärt Barbara Thöne von der Sparkasse an der Lippe. Im Dorf werde den Kunden ein Selbstbedienungs-Center zur Verfügung stehen.

Einen Rückzug soll die Zusammenlegung der Geschäftsstellen nicht bedeuten. Stattdessen plant die Sparkasse an der Lippe bis 2020 ein großes Beratungscenter auf dem Campus Süd. Dort werden dann alle Serviceleistungen der Sparkasse wie Immobiliengeschäft, Versicherungen oder Bausparen angeboten. Im Zuge dessen wird auch die Geschäftsstelle an der Kreisstraße zu einem Selbstbedienungs-Center.

Kunden verändern ihr Banking-Verhalten

Sowohl die Sparkasse als auch die Volksbank sowie die hier nicht ansässigen Banken haben festgestellt, dass immer weniger Kunden Serviceleistungen vor Ort in Anspruch nehmen. „Unsere Kunden nutzen die digitalen Angebote für alltägliche Geldgeschäfte immer mehr“, sagt Kerstin Marpert von der Sparkasse Westmünsterland. Dazu gehöre unter anderem die Sparkassen-App. Die Deutsche Bank bietet ihren Kunden eine Telefon- und Videoberatung. „Das wird von den Kunden gut angenommen“, sagt Klaus Winker von der Deutschen Bank.

Dass Kunden heute immer häufiger vor der Frage stehen, ob sie eine Filial- oder eine Online-Bank wählen, weiß auch Dr. Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale in Bremen. „Der Kunde muss einfach schauen, welches Girokonto-Modell er braucht“, sagt sie. „Manche möchten eine ‚all inclusive‘ Filialbank, andere bevorzugen die günstigere Online-Bank.“

Kunden sind bequem

Manche wählen auch eine Bank in der Nähe des Arbeitsplatzes oder haben verschiedene Bankinstitute für verschiedene Zwecke, so Dr. Annabel Oelmann. „Da gibt es ganz unterschiedliche Bedürfnisse.“ Die Filialen der Banken bieten dementsprechend andere Services als noch vor zehn Jahren an, auch online oder telefonisch.

Laut Dr. Annabel Oelmann ist es deshalb nicht zwingend nötig, Sparkassen- oder Volksbank-Kunde zu werden, nur weil keine andere Filiale in der Nähe ist. „Es sei denn, die Filialbank in der Nähe ist für den Kunden wichtig“, sagt sie. Wichtig sei jedoch vor allem eines: „Kunden müssen schauen, was sie von einer Bank erwarten und dann auch eine dementsprechende Bank wählen. Die meisten sind da zu bequem und bleiben für immer bei einer Bank, anstatt zu wechseln.“

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