Warum ein steinernes Pferd seit Jahrzehnten auf die Bahnhofstraße blickt

dzSerie: Häuser erzählen

Manche Gebäude geben sofort Geheimnisse preis, die sich hinter ihren Mauern verbergen. Andere bleiben rätselhaft. Wir spüren den Geschichten nach. Heute der Pferdekopf an der Bahnhofstraße.

Schwerte

, 25.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Wir laden Sie ein zu einer Spurensuche nach Originalen und Persönlichkeiten der Stadt, längst verschwundenen Betrieben und allerlei Merkwürdigkeiten.

Die Augenlider fallen nie zu. Seit mehr als 100 Jahren späht der Pferdekopf vom Haus Nr. 23 auf das Treiben auf der oberen Bahnhofstraße herunter. Als hätte es seinen Hals durch die kunstvolle Stuck-Fassade gestreckt, erlebte das braune Reittier die letzte Fahrt der Straßenbahn genauso wie in jüngster Zeit so manches bunte Fest an verkaufsoffenen Sonntagen.

Kein Pferdemetzger hatte hier sein Geschäft

Wegen der räumlichen Nähe zur benachbarten Metzgerei Wilkes glauben viele irrtümlich, dass unter dem Pferdekopf einst ein Ross-Schlächter seinen Sauerbraten oder Pferdefleischwurst verkauft haben könnte. Doch diese Vermutung führt in die Irre. Denn das Symbol gehört zu einer früheren Hufschmiede, die sich im Hinterhof des Gebäudes befand. Das beweist ein Eintrag im ältesten Schwerter Adressbuch von 1913, das im Ruhrtalmuseum gehütet wird.

Schmiede befand sich im Hinterhof

Wenn die mächtige Tür den Blick in den Innenhof freigeben würde, wäre dort sogar noch das ehemalige Schmiedegebäude zu entdecken – mit dem originalen Amboss und etlichen Hufeisen. Ringe an der Wand dienten früher dazu, die „geparkten“ Rösser anzubinden.

Pferdekopf überstand den Krieg

Wann das letzte von ihnen in der Bahnhofstraße beschlagen wurde, ist leider nicht bekannt. Das Schmiedefeuer erlosch, der Pferdekopf blieb. Dickköpfig behauptete er seinen Platz. Selbst als im Zweiten Weltkrieg schwere Bomben auf den Bahnhof fielen, die viele andere schöne Stuck-Ornamente an der Hausfassade zerstörten.

Schaurige Erlebnisse in der Kindheit

Schaurige Erlebnisse verbinden die Schwerterin Ulrike Berkenhoff mit dem steinernen Pferdekopf an der Einfahrt zur früheren Hufschmiede in der Bahnhofstraße. „O du Fallada, da du hangest“, fuhr ihr stets ein Spruch aus dem Grimmschen Märchen „Die Gänsemagd“ durch den Kopf, wenn sie auf dem Weg zur alten Eintrachtschule vorbeikam. In dem Märchen zwingt die böse Magd eine Königstochter zum Rollentausch und lässt ihrem Pferd Fallada den Kopf abhacken und die Wand nageln: „Ich fand das total grausam

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger 4. Sommerkonzert

„Naschuwa“ überzeugte beim Sommerkonzert mit Klezmer, Swing und orientalischer Musik

Hellweger Anzeiger Schützenverein Schwerte-Ost

Viele Fotos: So war der Königsball des Schützenvereins Schwerte-Ost

Meistgelesen