Warum die Sternstunde in der Rohrmeisterei zu Tränen rührte

Konzerte in Schwerte

„Sternstunden am Bösendorfer“ ist eine Kooperation von Konzertgesellschaft und Rohrmeisterei. Am Sonntag war Pianist Thomas Duis zu Gast in Schwerte und begeisterte das Publikum.

Schwerte

, 09.09.2019, 12:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Warum die Sternstunde in der Rohrmeisterei zu Tränen rührte

Thomas Duis spielte am Sonntag in der Rohrmeisterei. © Foto: Manuela Schwerte

Er interpretierte nicht, machte sich vielmehr die Musik zu eigen, jede Note verinnerlicht. Thomas Duis, nicht einfach Ersatz für einen ausgefallenen Kollegen, lieferte eine musikalische Offenbarung.

Das gut besuchte Sternstunden-Konzert in der Rohrmeisterei eröffnete er mit einem fast kindgemäßen Allegro Haydns. Aus effektvollen Einzeltönen entwickelten sich kleine Motive, jeder Ton wohl gesetzt. War der variantenreiche Kopfsatz der C-Dur-Sonate bereits ein Genuss, so kostete Duis nach eröffnendem Arpeggio die Weichheit des Adagios mit lustvoller Langsamkeit aus. Allert und sprunghaft schloss sich nahtlos das Finale an,

Beethoven! Nicht gleich die Appassionata vom Programmzettel - so viel Zeit muss sein. Duis führte für die Nähe beider Komponisten als Beispiel ein Allegretto, Frühwerk des Haydn-Schülers, an, zeigte Entsprechungen auf. Doch dann warf er das Publikum mit dem Meisterwerk des Bonners in emotionale Wechselbäder.

Hände des Solisten fegten über die Breite der Tastatur

Wucht und Inbrunst der Gestaltung des Musikprofessors aus Saarbrücken brauchten den Vergleich mit der Interpretation der Sonate vom Mai 2019 an gleichem Ort nicht zu scheuen. Blühendes Eingangsthema, Schicksalsschläge, Grollen, Insistieren – die Hände des Solisten fegten über die Breite der Tastatur.

Mancher war zu Tränen gerührt vom Andante, jener sanglichen Hymne, die Duis Note für Note auskostete. Der rasante Schlusssatz, repetierend hingeworfen, mal kraftvoll, mal zärtlich, im Stakkato schließlich, begeisterte das Publikum vollends.

Russisch wurde es mit den musikalischen Beschreibungen Mussorgskys. Duis ließ die Zuhörer den „Bil-dern einer Ausstellung“ zueilen, wo sie unvermittelt vom „Gnomus“ überfallen wurden, sich im Ebenmaß wie ungelenker Hast bewegend. Mit weichem Pinselstrich zeichnet er „Das alte Schloss“ nach, entführte in manches weitere Bild wie jene des ächzenden Ochsenkarrens, der quirligen „Küchlein in ihren Eierschalen“. Erschreckend erschien das Haus auf Hühnerfüßen der Baba-Jaga, wirbelte herum, trieb die Betrachter durch schaurigen Hexenwald bis vor „Das große Tor von Kiew“.

Glockengeläut und Gebet, die majestätische Erscheinung gewährten Sicherheit. Intensiv berührt ließen sich die Menschen zu Bravo-Rufen hinreißen. Ein Prélude Rachmaninows als Zugabe zitierte mehrfach Mussorgskys „Gnomus“, klang geheimnisvoll aus.

Kammermusik mit dem Dortmunder Streichsextett gibt es am 10. Oktober um 19.30 Uhr in der Rohrmeisterei. Neben Musik von Brahms und weiteren klassischen Werken gelangen „Pieces for Peace“ des Cellisten Hauke Hack zur Aufführung, mahnende und aufrüttelnde zeitgenössische Musik. Karten im Vorver-kauf 17 € auf kgs-schwerte.de, an der Tageskasse 20 €.
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