Warum die Parksituation an der Schulstraße eine Besondere ist

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Anwohner der Schulstraße in Selm beklagen sich über parkende Autos in ihrer engen Straße. Sie wundern sich vor allem über ein bestimmtes Unternehmen.

Selm

, 07.11.2018, 05:35 Uhr / Lesedauer: 4 min

Marko Guenster und Jutta Schikorski leben seit 16 beziehungsweise 18 Jahren an der Schulstraße. Dass die Straße eng ist, damit haben sie sich abgefunden. Dass die Straße aber noch enger wird, wenn montags bis freitags in der Regel zwischen 7 und 17 Uhr noch mehr parkende Autos als sonst am Straßenrand stehen, das wollen sie nicht mehr hinnehmen. „Die parken hier in unserer Straße und man kommt teilweise nicht mehr aus der Garage raus“, sagt der 46-Jährige. „Die“, das seien Mitarbeiter der Volksbank-Hauptstelle an der Kreisstraße. Woher weiß er, dass es sich um Volksbank-Mitarbeiter handelt, die in der Schulstraße parken? „Man kennt die seit Jahren und weiß, welche Autos sie fahren.“

Kein Bürgersteig vorhanden

Warum die Parksituation an der Schulstraße eine Besondere ist

Es wird eng, vor allem vor der Einmündung zur Botzlarstraße. © Arndt Brede

Dass Anwohner das eine oder andere Mal nicht von ihrem Grundstück auf die Straße fahren können, weil parkende Autos das Unterfangen blockieren, sei das eine Ärgernis. Das andere Ärgernis ist eher eine große Sorge: „Wenn hier alles zugeparkt ist und die Kinder aus dem Kindergarten kommen, um zum Spielplatz zu gehen, wird es gefährlich.“ Warum? Die Situation, wenn es viele parkende Autos gebe, sehe so aus: „Zum Teil gibt es hier keinen Bürgersteig, das heißt, dass die Autos direkt an der Hauswand parken. Also müssen Fußgänger mit oder ohne Rollator oder Kinderwagen und Rollstuhlfahrer auf die Straße ausweichen“, führt Marko Guenster aus. Hinzu komme, dass es direkt vor der Einmündung Schul-/Botzlarstraße auch für Autos eng wird, wenn sie aus der Schulstraße oder in die Schulstraße abbiegen wollen, wenn fast direkt vor der Einmündung auf der östlichen Straßenseite geparkt wird. Bisweilen stehen sich Autos dann gegenüber und einer muss zurücksetzen, um den anderen vorbei zu lassen.

Zeitlich begrenztes Verbot am Spielplatz

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Genau vor dem Spielplatz an der Schulstraße herrscht ein zeitlich begrenztes Parkverbot. © Arndt Brede

Immerhin habe die Stadt direkt vor dem Spielplatz an der Schulstraße ein zeitlich begrenztes Parkverbot (8 bis 20 Uhr) eingerichtet. Und zwischen zwei markierten Flächen, die es an einigen Stellen gibt, dürfe - so habe es die Stadt ihm gesagt - überhaupt nicht geparkt werden.

Kontakt mit der Stadt hat Marko Guenster schon mehrfach aufgenommen, wie er auf Nachfrage betont: „Bewegt hat sich nichts.“ Davon kann auch seine Nachbarin Jutta Schikorski ein Lied singen: „Wir haben Bürgermeister Mario Löhr auch schon angeschrieben. Vergeblich.“ Dabei hätten sie den Wunsch geäußert, dass es in der Schulstraße mindestens zu den Öffnungszeiten der Volksbank ein Parkverbot geben müsse, wobei die Anwohner per Parkausweis zum Parken berechtigt werden sollten. „Wir kämpfen seit Jahren für eine Änderung der Situation.“

Parken ist grundsätzlich nicht verboten

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Zumindest an einigen Stellen sind Sperrflächen markiert. © Arndt Brede

Beiden - Jutta Schikorski und Marko Guenster - ist bewusst, dass diejenigen, die in der Schulstraße parken, nichts Verbotenes zu tun. „Es ist eben das Verkehrschaos, das wir bemängeln.“ Und zu diesem Chaos tragen Mitarbeiter der Volksbank - auch, wenn sie rein rechtlich dort parken dürfen - nach Ansicht der Anwohner erheblich bei. Was den Anwohnern zusätzlich sprichwörtlich die Zornesröte ins Gesicht treibt, sei die Tatsache, „dass die Volksbank hinter ihrem Gebäude einen großen Parkplatz angelegt hat“, wie Marko Guenster sagt. „Und trotzdem parken Volksbank-Mitarbeiter in unserer Straße; wie kann das sein?“ Gerüchteweise dürfen die Mitarbeiter dort nicht parken, erklärt Guenster. Auf die Reporterfrage, ob er sich denn schon mit dem Volksbank-Vorstand in Verbindung gesetzt habe, antwortet Guenster: „Nein.“

Volksbank: Kunden haben Vorrang

Das haben wir getan und den Vorstand der Volksbank mit der Frage konfrontiert, warum die Volksbank-Mitarbeiter in umliegenden Straßen parken, wo es doch einen großen Volksbank-Parkplatz gibt. Antwort von Volksbank-Vorstand Thomas Krotki: „In der Tat haben wir einen entsprechend an den Größenbedürfnissen der Hauptstelle einer Bank ausgerichteten größeren Parkplatz. Dennoch darf man sich von dem ersten Eindruck der Größenverhältnisse nicht ,täuschen‘ lassen, da aufgrund des neben dem eigentlichen Bankgebäude im Jahr 2017 fertiggestellten Neubaus auch eine Neuordnung der gesamten Parkplatzsituation für die beiden Gebäude Kreisstraße 38 und 40 erforderlich gewesen ist. Da in dem neuen Gebäude neben den gewerblichen Mietern (Bäckerei, Steuerberatungsbüro, Schuhgeschäft) auch noch vier Wohnungen entstanden und bezogen worden sind, kann die damit vermeintlich zusätzlich entstandene Parkfläche nicht für die Bank verwendet werden, sondern steht im wesentlichen den genannten Mietern und deren Kunden entsprechend als Parkraum zur Verfügung.“

Hälfte der Mitarbeiter darf parken

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Diesen Parkplatz hinter dem Volksbankgebäude sollen vorrangig Kunden benutzen und nicht unbedingt Mitarbeiter. © Arndt Brede

Dürfen Volksbank-Mitarbeiter überhaupt auf besagtem Parkplatz hinter dem Volksbank-Gebäude parken? „Der Parkplatz hinter dem Bankgebäude darf von rund der Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Volksbankhauptstelle genutzt werden, die im wesentlichen im Kundengeschäft und im Botendienst unseres Hauses tätig sind und dabei auch regelmäßig Außentermine wahrnehmen“, führt Thomas Krotki aus. Hinzu kommen noch Mitarbeiter aus dem genossenschaftlichen Finanzverbund (zum Beispiel der R+V-Versicherung, der Bausparkasse Schwäbisch-Hall), die den Parkplatz ebenfalls nutzen dürfen, „da diese von der Hauptstelle zentral aus die gesamten Filialen in unserem Geschäftsgebiet mit entsprechenden Außenterminen betreuen“.

Der Vorstand habe sich bei der Neuordnung des Parkplatzes zum Objekt Kreisstraße 38 umfangreiche Gedanken gemacht, denn eines bleibt im Grundsatz festzuhalten. Der Parkplatz soll als erstes unseren Kunden bei der Wahrnehmung ihrer Bankgeschäfte (Beratungstermine, Servicegeschäfte) zur Verfügung stehen.

Eine Verpflichtung der Volksbank, ihren Mitarbeitern Parkmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, sei dem Vorstand nicht bekannt.

Gedanken der Anwohner nachvollziehbar

„Abschließend sind wir aber auch der Meinung, dass es sich bei der Schulstraße, um eine öffentliche Straße mit entsprechend frei nutzbaren Parkflächen handelt, auch wenn wir die Gedanken der Anwohner durchaus nachvollziehen können“, sagt Krotki.

Monatstickets für Unternehmensmitarbeiter

Warum die Parksituation an der Schulstraße eine Besondere ist

Am Kreisverkehr Landsbergstraße plant die Stadt einen Parkplatz, den auch Mitarbeiter der Unternehmen nutzen sollen. Kostenpflichtig. © Arndt Brede

Und was sagt die Stadtverwaltung zum Thema Parkärger in der Schulstraße? Gibt es womöglich schon Pläne, Abhilfe zu schaffen? Ja. Und das hat mit dem Umbau der Kreisstraße zu tun. Die Stellungnahme von Stadtsprecher Malte Woesmann liest sich auf Anfrage der Redaktion nämlich so: „Der Stadt Selm ist bekannt, dass in der Schulstraße Anwohner aber auch Mitarbeiter von Unternehmer parken. Die Stadt beabsichtigt zurzeit jedoch nicht, dort ein Parkverbot auszusprechen. Dies ist erst denkbar, wenn der neue Parkplatz an der Kreisstraße in Höhe des Kreisverkehrs Landsbergstraße gebaut ist. Dort will die Stadt auch kostenpflichtige Parkplätze für Mitarbeiter von Unternehmen anbieten. Dies ist in Form von Monatstickets denkbar.“

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