Warum die Martinsumzüge ohne eine ganz spezielle Begleitung auskommen müssen

dzMartinsumzüge

Es werden wieder viele Lichter erstrahlen, wenn die Martinsumzüge durch die Straßen Selms, Borks und Cappenbergs ziehen. Eine Lichter-Farbkombination wird dann fehlen.

Cappenberg

, 09.10.2019, 11:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Jahre, ja Jahrzehnte, konnten die Teilnehmer der Martinszüge in Selm, Bork und Cappenberg sicher sein, dass die Polizei meist mit Blaulicht den Zug in der Dunkelheit begleiten und sichern würde. Das war mal so. Mittlerweile ist die Polizei nicht mehr vor Ort, wenn die Kinder mit Laternen, begleitet von Erwachsenen, hinter St. Martin hoch zu Ross durch die Straßen ziehen. Dieser Wegfall polizeilicher Begleitung kann den Veranstaltern Probleme bereiten.

Nehmen wir als Beispiel mal den Cappenberger Martinszug. „Wir sind 2018 drei Tage vor dem Martinszug durch die Mitteilung überrascht worden, dass die Polizei uns nicht mehr begleiten würde“, berichtet Heino Janssen, Chef des Heimatvereins Cappenberg. Innerhalb des Vereins gibt es einen speziellen Arbeitskreis Martinszug, und der geriet damals laut Janssen ins Rotieren: „Wir haben dann gerade noch drei PKW mit gelbem Licht als Sicherungsmaßnahmen stellen können.“

Fast 80 Leute im Einsatz

Auch beim diesjährigen Martinszug in Cappenberg wird die Polizei nicht begleitend dabei sein. Was für Folgen das für den Veranstalter hat, das berichtet Heino Janssen auf Anfrage der Redaktion: „Wir haben mittlerweile fast 80 Leute im Einsatz, inklusive Musikbegleitung und Feuerwehr, die dankenswerterweise dabei ist.“ Allerdings könne die Feuerwehr keine Verantwortung übernehmen, wenn etwas passiere. „Maximal, wenn es brennt, aber nicht, wenn etwas anderes passiert.“

Die volle Verantwortung liege also beim Heimatverein.

Das Problem: „Man kriegt keine Leute mehr, um solche Veranstaltungen abzusichern“, meint Janssen. Vereinsmitglieder und Freunde hätten ihre Terminkalender ja auch voll. „Letztes Jahr war der Zug an einem Sonntag; da ging es einigermaßen. Aber in diesem Jahr ist der Zug an einem Montag. Die Leute sind doch berufstätig und können nicht von uns eingesetzt werden. Ich hoffe, dass ich genügend Kräfte zusammenbekomme.“

Kritik an Polizei

„Gott sei Dank ist nie was passiert“, berichtet der Vorsitzende des Heimatvereins Cappenberg. Möglicherweise habe das auch daran gelegen, dass die Polizei stets dabei gewesen sei. „Ich finde es völlig verkehrt, dass die Polizei bei Fußballspielen anrückt, aber bei Traditionsveranstaltungen nicht.“

Diese Kritik lässt Bernd Pentrop, Chef der Pressestelle der Kreispolizeibehörde Unna, nicht stehen. Von der Redaktion mit der Kritik des Heimatvereins Cappenberg konfrontiert, sagt er: „Wir sind bei großen Fußballveranstaltungen im Einsatz, weil das eine ganz andere Dimension hat. Da geht es darum, Familien vor möglicher Gewalt zu schützen.“

Vereinbarung getroffen

Pentrop verweist auf eine Vereinbarung zwischen den Städten und Gemeinden, dem Kreis und der Kreispolizeibehörde Unna. Darin steht unter anderem, dass die Polizei in der Vergangenheit Fest- und Brauchtumsumzüge wegen der möglichen Gefahrenlagen durch den motorisierten Individualverkehr begleitet hat. „Die Änderung beziehungsweise Verlagerung von polizeilichen Aufgabenschwerpunkten und die damit verbundene Konzentration des polizeilichen Personaleinsatzes führen dazu, dass die bewährte Praxis einer polizeilichen Begleitung nicht mehr generell sichergestellt werden kann“, heißt es.

Nur wenn im Einzelfall diese Maßnahmen nicht ausreichen, die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, oder es zu unerwarteten Sicherheitsstörungen kommt, kommen polizeiliche Maßnahmen wie zum Beispiel Verkehrsregelung ergänzend in Betracht, heißt es in der Vereinbarung. Veranstalter und Erlaubnisbehörden müssten daher vom Grundsatz der „nicht polizeilichen Begleitung“ ausgehen.

Sieht Heino Janssen unter diesen Umständen den Cappenberger Martinszug als gefährdet an? „Wenn sich nicht Leute finden, die Zeit haben, dann ja. Ich selber bin Rentner und werde diese Tradition aufrecht erhalten, so lange ich kann.“

Merkblätter Kreis und Polizei haben Merkblätter zu Umzügen aufgelegt. Interessierte finden sie auf der Homepage des Kreises Unna unter der Rubrik „Erlaubnispflichtige Veranstaltungen“: https://www.kreis-unna.de/hauptnavigation/kreis-region/politik-verwaltung/kreisverwaltung/strassenverkehr/verkehrssicherung
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