Warum auf dem Sandforter Weg der Radweg verschwunden ist und das so sicherer sein soll

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Gleich mehrere Anrufer fragen dasselbe: „Haben Sie schon gesehen, was da auf dem Sandforter Weg passiert ist?“ Für die Radler, die sich in der Redaktion melden, ist es ein echtes Ärgernis.

Selm

, 01.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Lange war es gar nicht möglich, über den Sandforter Weg zu radeln. Rechts und links ist der Campus-Platz entstanden. Um einen Übergang herzustellen, war der Weg im Herbst wochenlang gesperrt – für Autos und Fahrräder. Auch danach arbeiteten noch Bauarbeiter hinter rotweißen Baken. Als er endlich wieder freie Fahrt hatte, mochte Udo Körwien seinen Augen nicht trauen.

Bordstein und Schild halten zurück

„Der Radweg war verschwunden“, sagt der Selmer. Er und andere Radler würden auf Höhe der Zufahrt zum Jugendzentrum Sunshine nach links auf die Straße geführt, ob sie wollten oder nicht. „Genötigt“, nennt das Körwien.

Damit auch ja niemand auf die Idee kommt, weiter wie eh und je rechts zu fahren, prangt jetzt ein strahlend weißes Radfahrsymbol auf den grauen Asphalt. Und vor dem Weg steht ein neues, rundes Schild: Weißer Fußgänger auf blauem Grund. Hier haben Fahrräder nichts verloren. „Was soll das?“

Warum auf dem Sandforter Weg der Radweg verschwunden ist und das so sicherer sein soll

Der Radfahrer muss vom geschützten Weg auf die Fahrbahn biegen. © Sylvia vom Hofe

Diese Frage stellen sich mehrere, auch Werner Kolawke. Er sieht vor allem die in Gefahr, die besonders häufig auf dem Sandforter Weg radeln: Schülerinnen und Schüler, ob auf dem Weg zum Gymnasium, zur Overberg-Grundschule oder in der Freizeit zum Sportzentrum oder später zum Sunshine. „Die Kinder müssen da alle her. Das ist jetzt viel zu gefährlich.“

Stadtsprecher: „Das ist so ungefährlicher“

Nein, ärgern wolle die Stadt die Fahrradfahrer nicht mit der veränderten Verkehrsführung, versichert Stadtsprecher Malte Woesmann. „Im Gegenteil.“ In der Regel seien gesonderte Radwege auf Straßen, wo Tempo 30 gilt, nicht mehr vorgesehen, erklärt er auf Nachfrage. Studien hätten gezeigt, dass die Führung des Radverkehrs über die Straße ungefährlicher sei als über einem gesonderten Radweg. Christian Jänsch, der Sprecher der örtlichen Gruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, hat von solchen Studien gehört. Die Anwendung vor Ort wundert ihn aber. „Ich verstehe nicht, warum solche Entscheidungen nicht in Absprache mit uns erfolgen“, sagt er. Kein Einzelfall, wie er sagt. „Wir hätten uns dagegen ausgesprochen, dass fast alle Kreisverkehre in Selm eine unterschiedliche Vorfahrtsregelung haben.“

Mittelfristiger Umbau geplant

Die Maßnahme am Sandforter Weg ist noch nicht abgeschlossen, wie Stadtsprecher Woesmann ergänzt. Mittelfristig sei geplant, den Sandforter Weg so umzubauen, dass auch im weiteren Verlauf Radfahrer nur über die Straße und nicht mehr auf einem eigenen Radweg geführt werden.

Der Übergang von der einen Seite des Campus-Platzes zur anderen ist inzwischen gepflastert.“ Das bleibt so bestehen“, so Woesmann. Allerdings komme noch etwas hinzu: „Ergänzt wird dieser durch einen ,Stangenwald‘“, sagt Woesmann. Unterschiedlich hohe, graue Metallstangen werden den Weg auf beiden Platzseiten begleiten und so den Übergang akzentuieren.

„Auch das noch“, sagt Jänsch und lacht. Er habe bereits vor knapp einem Jahr bei einem der Baustellenführungen darauf hingewiesen, dass auch an den Radverkehr gedacht werden müsse. „Ich bin gespannt, wie das Hin und Her geregelt werden wird.“

Farradklimatest ist abgeschlossen

Bis Freitag hatte der ADFC bundesweit zur Teilnahme am Fahrradklimatest aufgerufen: einem Zufriedenheitsbarometer der Radfahrer im ganzen Land. „Mehr als 100 Teilnehmer aus Selm haben mitgemacht“, sagt Jänsch. Das seien rund 20 mehr als beim letzten Klimatest vor zwei Jahren. Damals hatte Selm in Schulnoten ausgedrückt mit einem befriedigend abgeschlossen. Genau genommen: 3,3. Zwei Jahre zuvor – damals gab es sogar 400 Teilnehmer – stand noch eine zwei vorm Komma (2,9). Die aktuelle Bewertung erfährt Jänsch erst Anfang nächsten Jahres. Er selbst glaubt aber nicht mehr an ein „befriedigend“. Das Klima sei angespannt, auch wegen solcher Aktionen wie am Sandforter Weg. Und besänftigt ihn nicht der Vorschlag der Verwaltung, in Bork (Waltroper Straße) die erste Fahrradstraße der Stadt zu planen, auf der Radfahrer Vorrang haben? Jänsch lächelt. „Noch ist sie nicht da.“

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