Warum Schwertes Gastwirte sagen, Zechprellerei sei hier kein Problem

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Das Bier ist ausgetrunken, auf dem Deckel sind Striche, der Gast ist weg. Zechprellerei gebe es zwar auch in Schwerte, aber seltener als anderswo, sagen Gastronomen. Und haben Gründe dafür.

Schwerte

, 24.11.2018, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Wort „Zechprellerei“ stammt aus dem 19. Jahrhundert. Der Tatbestand, in einer Gaststätte die Rechnung nicht zu bezahlen, ist so aktuell wie immer. Schwerter Wirte berichten, wie sie damit klarkommen.

In Dortmund wurden jetzt Fälle bekannt, in denen Gastronomen auf Hunderten Euro Rechnungssummen sitzebleiben, weil ihre Kunden heimlich gehen, nicht vom Rauchen wiederkommen, oder ihr Portemonnaie „vergessen“ haben.

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Was in der Nachbarstadt ein Phänomen geworden ist, scheint in Schwerte kein Problem zu sein. „Die Schwerter Kneipengänger sind anständige Leute“, sagt Sylvia Schülke. Wirtin in „Die Waage“: „Zechprellerei ist in Schwerte kein Problem“.

Dafür hat Christian Fromme, Inhaber der Kutscherstuben, eine Erklärung: „In Schwerter Gastronomien gibt es überwiegend Stammkundschaft. Da gibt es keine Zechprellerei“.

„So viel habe ich nicht getrunken“

Zwischen Wirt und Gast gibt es alle möglichen Probleme rund ums Zechezahlen: „Da ist mal der Gast, der sagt: So viel habe ich nicht getrunken“, berichtet Sylvia Schülke. Aber sie hatte auch schon Kunden, die sich nach dem Zahlen nicht mehr daran erinnerten, und ein zweites Mal zahlen wollten. Da kommt es auf eine vertrauensvolle Beziehung zum Wirt an.

Thorsten Hellwig, Pressesprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in NRW, nennt ein einfaches Mittel, sich vor Zechprellerei zu schützen. Betroffen Wirte sollten sofort kassieren. „Natürlich wird so das Vertrauensverhältnis zwischen Wirt und Gast beschädigt“, sagt Hellwig. Das möchte Kalpakidis eigentlich nicht: „Es ist ja auch für mich eine unangenehme Situation, wenn jemand nur zum Rauchen rausgehen möchte und ich ihn frage, ob er schon seinen Deckel bezahlt hat.“

Auch im Hotel gibt es Zechprellerei

Nicht nur in Gastronomien ist Zechprellerei möglich, sondern auch im Hotel-Gewerbe. Im Haus Breer weiß eine Mitarbeiterin zu berichten, dass manche Gäste, die nur mal eine Stunde ein Zimmer buchen, manchmal ohne zu zahlen wieder das Haus verlassen. „Manche zahlen aber auch schon vorher.“ Gängig sei die Methode, dass Kunden, die nachts das Hotelverlassen und deshalb nicht zahlen können, einen Zettel hinterlassen, um nachträglich die Rechnung begleichen zu können.

Zechprellerei ist ein Betrugsfall und damit eine Straftat, wenn dem Zechpreller eine Täuschungsabsicht nachgewiesen werden kann, er also mit Vorsatz seinen Deckel nicht bezahlt. Doch nicht nur Leute, die ohne zu bezahlen verschwinden, kann das in eine unangenehme Situation bringen. Teilweise muss die Bedienung bei manchen Arbeitgebern für die ausgebliebenen Einnahmen aufkommen, die anfallen, wenn ein Tisch geht, ohne zu zahlen.

„Das kommt leider häufiger vor", sagt Manfred Sträter, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Region Dortmund, "ist aber arbeitsrechtlich unzulässig." Der Arbeitnehmer könne nur haftbar gemacht werden, wenn er grob fahrlässig handle, indem er etwa über eine Stunde nicht nach den Gästen sehe." Ansonsten muss der Chef sehen, dass er mit dem Schaden klarkommt und darf dafür nicht seinen Mitarbeiter zur Kasse bitten", so Sträter.

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Polizei: Gastwirte sollten Anzeige erstatten

Die Polizei rät den Gastwirten dazu, Anzeige zu erstatten, wenn Gäste nicht zahlen. Auch, wenn er glaubt, dass ein Großteil der Wirte das gar nicht erst tue, weil die Beträge häufig klein oder die Personen nicht bekannt seien. Im Falle des Perpendikels zeigt sich aber, dass eben auch kleinere Beträge, sich zu einem größeren Schaden aufsummieren können.

Ein Problem, bei dem einige Schwerter Wirte kaum mitreden können. Milica „Cica“ Mihelj vom Restaurant Pferdekämper berichtet: „In 50 Jahren Arbeit in dem Gewerbe habe ich noch keine Zechprellerei erlebt.“

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