Wartungsstau durch Digitalpakt an Schulen in Lünen - GSG-Schulleiter spricht Klartext

dzDigitale Schule

Die Digitalisierung in Schulen in Lünen schreitet voran. Für den Schulleiter der Geschwister-Scholl-Gesamtschule steht aber fest, es fehlt Personal zur Wartung. Nicht bald, sondern jetzt.

Lünen

, 18.12.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Geld für die digitale Aufrüstung der Schule gibt es in Lünen relativ viel. Digitalpakt und Gute Schule 2020 sei Dank. Das Problem: Es könnte in Zukunft an Personal fehlen, damit die Technik in Lünens Schulen auch ordentlich eingerichtet und gewartet werden kann. So sah man es im Bildungsausschuss.

Im Schulalltag fällt das Urteil anders aus. „Die Grenze ist schon längst überschritten“, sagt Christian Gröne, Schulleiter derv Geschwister-Scholl-Gesamtschule (GSG).

Wartungsstau durch Digitalpakt an Schulen in Lünen - GSG-Schulleiter spricht Klartext

Whiteboards in allen Klassenräumen. Das ist ein Wunsch von GSG-Schulleiter Christian Gröne. Rund ein dutzend digitale Tafeln gibt es an der Schule schon. Aber wenn sie gewartet werden müssen, fehlt es an Personal. © Matthias Stachelhaus

Unsere Redaktion wollte sich bei einem Besuch dort exemplarisch anschauen, was die Gelder aus „Gute Schule 2020“ an Lüner Schulen bewirkt haben und wie die Personallage im IT-Bereich aussieht. „Für die kommenden Herausforderungen sind wir personell nicht gut aufgestellt.“

Zwei Techniker für 24 Schulen

Mit zwei Stellen im operativen und einer weiteren für die Koordination für 24 Schulen in Lünen sei die IT-Abteilung der Verwaltung hoffnungslos überlastet. „Im Prinzip bräuchten das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium und wir eine Person, die sich nur um unsere Schulen kümmert“, so Gröne weiter.

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Zur Zeit spielten die Techniker in erster Linie Feuerwehr. Mehr sei bei der Flut an Anfragen auch kaum möglich.

Immerhin: Der Ausbau der Infrastruktur, sprich der Anschluss der Schulen an schnelleres Internet, das von Schülern und Lehrern im Unterricht genutzt werden kann, ist fast abgeschlossen.

W-LAN Router treffen auf Denkmalschutz

Am GSG mit Ausnahme des Gebäudes A. Ärgerlich, aber hier zeigt Gröne Verständnis. Es ist das architektonisch bedeutsamste Gebäude der Schule und steht unter Denkmalschutz.

„Da kann man nicht beliebig W-LAN-Router an die Wände hängen.“ Viele Abstimmungen mit Behörden waren nötig. Im Januar soll das Gebäude dann mit drahtlosem Netzwerk versorgt werden.

Nun ist die prinzipielle Versorgung der Schulen aber nicht der einzige Schritt, um Schulen ins digitale Zeitalter zu bringen. Auch Endgeräte müssen zur Verfügung stehen und funktionieren.

Elf Computer warten auf Reparatur

In der GSG haben die Schüler aktuell Zugriff auf einen Computerraum, einen Klassensatz Laptops (28 Geräte), rund ein Dutzend der sogenannten Whiteboards, digitalen Tafeln. Sechs stehen in den Oberstufenräumen. Weitere in Fachräumen.

Wartungsstau durch Digitalpakt an Schulen in Lünen - GSG-Schulleiter spricht Klartext

Fast schon klassisch, aber immer noch wichtig. Im Computerraum haben alle Schüler zugriff auf einen PC. Auch heute stehe nicht in jedem Haushalt ein Computer zur Verfügung, sagt Schulleiter Christian Gröne. © Matthias Stachelhaus

Elf weitere Geräte stehen in der Mediothek, der multimedial ausgestatteten Schülerbibliothek, der Schule. Die stehen den Schülern eigentlich zum selbstständigen Lernen zur Verfügung. Sie sind zur Zeit nicht nutzbar, es gibt ein Problem mit der Netzwerkverbindung.

Ein Techniker müsste sich eigentlich darum kümmern. Der komme aber planmäßig alle drei Wochen zur GSG. Für eine Schule mit rund 1000 Schülern zu selten, sagt Gröne. Gelegentlich müssten Termine auch wegen anderer Notfälle oder Krankheit ausfallen.

Neue Tablets dürften Wartungsstau verschärfen

Besserung ist kaum in Sicht. Denn im ersten Quartal 2020 bekommen Lünens Schulen 540 neue Tablet-Computer. 28 Stück davon, also einen weiteren Klassensatz, hat Gröne für die GSG geordert.

Das klingt zunächst einmal gut für die Schule. Aber auch diese Geräte müssen irgendwann einmal gewartet werden, sonst droht der digitale Unterrichtsausfall etwa wegen fehlender Software-Updates oder Netzwerkproblemen.

Wartungsstau durch Digitalpakt an Schulen in Lünen - GSG-Schulleiter spricht Klartext

David Ruppert (15), Jacquline Heßmeister (14) und Fiona Hoffmann (14) aus der 9c an der GSG werden einen ersten Blick auf die neuen Tablets. Einen ganzen Klassensatz davon soll die Schule im ersten Quartal 2020 bekommen. © Matthias Stachelhaus

Der drohende Wartungsstau an Endgeräten könnte sich mittel- oder langfristig allerdings auf andere Art lösen lassen. Denn neben der Wartung kranken Computer ohnehin noch an einem anderen Problem. Was heute noch Stand der Technik ist, gilt in spätestens drei Jahren als antiquiert.

Wenn Schüler ihre eigenen Computer mit in die Schule bringen, ließe sich das umgehen. „Bring your own device“ heißt das System, das allerdings eine Schwäche hat. Nicht jede Familie kann es sich leisten, den eigenen Kindern einen mobilen und aktuellen Computer zu kaufen.

Aus diesem Grund habe das GSG am eigenen Computerraum festgehalten, erklärt Gröne. Ganz wegzudenken sind die Computer für Schüler also nicht.

Whiteboards in jedem Klassenraum

Hinzu kommen die digitalen Tafeln. Zur Zeit gibt es rund ein Dutzend davon an der GSG, 2020 sollen stadtweit noch 40 weitere hinzukommen. Pro Schule in Lünen also ein bis zwei Stück. Grönes Ziel an der GSG sieht allerdings vor, jeden Klassenraum der Schule mit so einer Präsentationsmöglichkeit auszustatten. Die Leiter der anderen 23 Schulen in Lünen dürften wohl ähnliche Wünsche haben.

Das heißt, dass alleine am GSG wohl etwa 40 bis 50 dieser digitalen Präsentationsmöglichkeiten gebraucht werden. Der Bedarf für Wartungsarbeiten verschwindet also nicht. Er wird eher steigen.

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Schüler der 9c am GSG präsentieren ihre Projekte auf einem Beamer. © Matthias Stachelhaus

Antrag für neues Personal im Rat abgelehnt

An dieser Stelle wäre die Stadt Lünen gefragt, mehr Personalstellen zu schaffen. Einen entsprechenden Antrag stellten die Grünen am Donnerstag (12.12.) im Rat der Stadt. Zwei Vollzeitstellen sollte es für die IT-Abteilung ab 2020 geben. Die Digitalisierung könne nur nachhaltig gelingen, wenn dafür ausreichend Unterstützung bei Wartung und Pflege der Technik geleistet werde.

Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt. Es gab insgesamt 6 Ja-Stimmen von Grünen und Piraten/Freien Wählern, die geschlossen als Fraktionen dafür stimmten.

Für die Techniker der Stadt, die laut Gröne alles tun was sie können und bei denen sich die Wartungsanfragen förmlich türmen sollen, heißt es also weiterhin: „Feuerwehr spielen“.

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