„War ein Knaller“: Ausstellung „Wundersam Wirklich“ ebenso gut besucht wie „Die Neue Frau“

dzKunst

Zwar läuft die Ausstellung „Wundersam Wirklich“ auf Haus Opherdicke noch bis Mitte Februar, die Kulturverantwortlichen beim Kreis Unna ziehen aber bereits jetzt ein positives Zwischenfazit.

25.10.2019, 11:01 Uhr / Lesedauer: 1 min

Beim Blick auf die niederländischen Leihwerke, die momentan auf Haus Opherdicke ausgestellt sind, wird deutlich, dass sie inhaltlich sehr gut zur Ausrichtung des Hauses passen. Erschreckend ehrlich kommen die Motive daher. Kein Wunder: Bei den Gemälden, die aus dem Museum in Arnheim stammen, handelt es sich um Kunst aus der Epoche des Magischen Realismus, dem niederländischen Pendant zu Neuen Sachlichkeit in Deutschland.

„War ein Knaller“: Ausstellung „Wundersam Wirklich“ ebenso gut besucht wie „Die Neue Frau“

Dick Ket, der als prägende Figur in der Strömung des Magischen Realismus gilt, setzte in seinen Gemälden auf pure Realitätsnähe. Seine übergroß erscheinenden Hände sind eine Folge einer Herzerkrankung. © Peter Cox

Egal, ob die übergroß wirkenden Hände vom Künstler Dick Ket, dessen Selbstporträt aus dem Jahr 1933 quasi als Aushängeschild von „Wundersam Wirklich“ fungiert, oder die drei Prostituierten aus Pyke Kochs Gemälde „Vrouwen in de straat“ (Frauen auf der Straße, 1962–1964), die ungesünder wohl kaum aussehen könnten: Die Kunstströmung des Magischen Realismus aus den Zwischenkriegsjahren setzt auf eine erstaunliche Nähe zur Wirklichkeit.

Künstler ist mit einem Herzfehler geboren

„Dick Ket ist mit einem Herzfehler geboren“, weiß Kurator Arne Reimann. Was auf dem Werk wie eine maßlose Überzeichnung daher kommt, ist vielmehr pure Realität. „In anderen Epochen hätte der Künstler solche Sachen bei einem Selbstporträt idealisiert“, so Reimann weiter. Diese Ehrlichkeit ist es, was Kunstkenner am Realismus fasziniert.

Dieses starke Bedürfnis nach Authenzität und nüchterner Betrachtungsweise kommt beim Magischen Realismus, beziehungsweise bei der Neuen Sachlichkeit nicht von ungefähr: Nach der riesigen Euphorie vor dem Ersten Weltkrieg und purer Emotionalität sehnten sich viele Menschen nach Struktur.

Ausstellung ist gut angelaufen

Aber nicht nur das macht für Reimann die Ausstellung auf Haus Opherdicke so besonders: Der Austausch und die Gemeinsamkeiten unter den europäischen Künstlern über nationale Grenzen hinweg, zeige, dass Kunst die Menschen stets verbindet. Die Ausstellung ist gut angelaufen: „Sie läuft ähnlich gut wie Die Neue Frau. Und die war ein Knaller.“

Die Ausstellung läuft noch bis bis zum 16. Februar. Der Eintritt kostet 4, ermäßigt 3 Euro.

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