Waffelino-Prozess: Hamza K. will zu den Feuer-Vorwürfen schweigen

Schwurgericht

Hamza K. soll im August 2017 das Café "Waffelino" seiner Lebensgefährtin in Brand gesteckt haben. Die Staatsanwaltschaft spricht von 19-fachem Mordversuch. Der Angeklagte spricht gar nicht.

Selm

, 29.01.2019, 14:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Waffelino-Prozess: Hamza K. will zu den Feuer-Vorwürfen schweigen

Der Angeklagte neben seinem Verteidiger Ralf Bleicher. © Martin von Braunschweig

Es war die Nacht auf den 5. August 2017, die das Leben von fast zwei Dutzend Frauen und Männern aus Selm radikal verändert hat. Sie lagen in ihren Betten und schliefen, als unten im Erdgeschoss plötzlich Flammen loderten. Das Café "Waffelino" brannte in dieser Nacht fast vollständig aus. Es gleicht einem Wunder, dass von den Bewohnern aus den oberen Stockwerken niemand ernsthaft verletzt wurde.

19-facher Mordversuch angeklagt

Für Staatsanwalt Christoph Köster steht fest: Hamza K. war der Täter. Um die Feuerversicherung zu betrügen, soll der 32-jährige Familienvater den Brand in dem Café seiner Lebensgefährtin selbst gelegt haben. Die Hausbewohner seien ihm in diesem Moment völlig egal gewesen, so Köster. Deshalb die Anklage wegen versuchten Mordes.

In dem am Dienstag begonnenen Prozess vor dem Dortmunder Schwurgericht wird K. von Rechtsanwalt Ralf Bleicher aus Dortmund verteidigt. Der erklärte gleich nach Verlesung der Anklageschrift, dass sein Mandant "von seinem Schweigerecht Gebrauch machen" werde. Hamza K. will also nichts zu dem Feuer-Vorwurf sagen.

Zugegeben hat der 32-Jährige stattdessen zwei kleinere Ebay-Betrügereien, über die das Gericht ebenfalls verhandelt. Damit steht fest, dass Hamza K. am Ende der Verhandlung keinesfalls über einen Freispruch jubeln darf.

Mehrere Zeugen vernommen

Klar ist jedoch: Das Hauptaugenmerk liegt eindeutig auf dem Waffelino-Fall. Und zu dem wurden auch schon die ersten Zeugen vernommen. Ein Krankenpfleger aus Siegen will in der fraglichen Nacht interessante Beobachtungen gemacht haben. Der 55-Jährige stand in seinem Hotelzimmer am Fenster und rauchte, als plötzlich eine sechs- bis siebenköpfige Gruppe "südländisch aussehender Männer" auftauchte und auf das Café "Waffelino" zulief.

Zunächst sagte der Zeuge eindeutig: "Die Männer haben etwas geschleudert, es gab einen Knall und dann stieg auch schon eine Rauchsäule aus dem Café." Später musste er jedoch einräumen, weder eine Wurfbewegung noch einen Brandsatz gesehen zu haben. Eigentlich habe er die Männer gar nicht mehr wahrgenommen, nachdem diese in einen Durchgang zum Hinterhof gerannt waren. Er habe sich alles "nur so zusammengereimt".

Freund: Hamza K. war im Café

Ein Freund von Hamza K. bestätigte indes, dass der 32-Jährige in der Brandnacht tatsächlich in dem Café gewesen sei. "Ich bin an dem Laden vorbeigegangen und habe gesehen, dass die Tür offen stand", sagte der Zeuge. Über seinen Bruder habe er dann Hamza K. erreicht. Der sei gekommen, habe ihm ein Wasser spendiert und ihm dann auch seine Handynummer gegeben, für den Fall, dass so etwas noch einmal vorkomme.

Als der Zeuge dann in derselben Nacht noch einmal am "Waffelino" vorbeilief, will er dann das Feuer bemerkt haben. "Ich habe Hamza angerufen, und er wirkte auf mich wirklich überrascht", sagte der Mann den Richtern.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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