Wada entscheidet über harte Strafen für Russland

Das Exekutivkomitee der Welt-Anti-Doping-Agentur wird am Montag in Lausanne entscheiden, ob Russland für vier Jahre weitgehend aus dem Weltsport verbannt wird. Damit ist der Fall wohl nicht abgeschlossen.

08.12.2019, 14:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wada entscheidet über harte Strafen für Russland

Die Welt-Anti-Doping-Agentur wird voraussichtlich erneut Sanktionen gegen Russland verhängen. Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

Auch der Bundesinnenminister plädierte vor dem Wada-Urteil im Dopingdaten-Manipulationsfall gegen Russland für null Toleranz.

„Wenn solche Machenschaften aufgedeckt und belegt sind, sollte man konsequent diejenigen ausschließen, die es zugelassen, unterstützt und gemacht haben“, forderte Horst Seehofer. Wenn das Exekutivkomitee der Welt-Anti-Doping-Agentur am Montag in Lausanne die von der Prüfkommission CRC empfohlenen Sanktionen bestätigt, wird Russland die nächsten vier Jahre im Weltsport im Abseits stehen.

„Der Weg ist bereitet und gut. Die Rest-Skepsis bleibt“, sagte Lars Mortsiefer, Vorstand der Nationalen Anti-Doping-Agentur. Das CRC habe sich viele Gedanken gemacht und das an Sanktionen empfohlen, was das Regelwerk hergebe: „Das ist hart und in vielen Dingen passend, aber der Pferdefuß ist: Wenn es dann auch so umgesetzt wird.“

Nach dem CRC-Vorschlag soll Russlands Anti-Doping-Agentur Rusada für die perfide Verfälschung Moskauer Labor-Daten - mutmaßlich auch, um 145 Doping-Fälle zu vertuschen - für vier Jahre gesperrt werden. In dieser Zeit dürften nur ausgewählte Athleten Russlands ohne Nationalfahne bei den Olympischen Spielen 2020 und 2022 sowie bei internationalen Titelkämpfen an den Start gehen. Zudem soll das Land in dieser Zeit keine Sportgroßveranstaltungen ausrichten und sich um keine bewerben können. Regierungsvertretern wird Besuch und Teilnahme an Olympischen Spielen und die Ausübung von Ämtern im Weltsport untersagt.

„Es wären Sanktionen, die wir alle früher erwartet hätten als Reaktion auf das Fehlverhalten“, befand Mortsiefer. Russland hat seit Enthüllung des Staatsdopings im Dezember 2014 die Aufklärung immer wieder zu verhindern versucht. Deshalb ist damit zu rechnen, dass das Land die Wada-Entscheidung beim Internationalen Sportgerichtshof anfechten wird und die Causa die Olympischen Spiele 2020 in Tokio wie die von Rio 2016 und Pyeonchang 2018 überschattet.

„Meine Befürchtung ist, dass es im Nachgang auf juristischen Wegen zu unschönen Entwicklungen bis zu den Tokio-Spielen kommen wird“, sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Unbenommen davon forderte er: „Es ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo die Wada klar und deutlich ihre Gestaltungsfreiheit nutzen sollte.“

Auf dem olympischen Spitzentreffen am Samstag in Lausanne hatten die Teilnehmer „die härtesten Sanktionen“ für Russland und die Herausgabe unverfälschter Daten gefordert, um „die unschuldige neue Generation sauberer russischer Athleten vor jeglichem Verdacht“ zu schützen.

Dass Russland Einsicht und endlich Kooperationswillen zeigen wird, ist nach den Aussagen des Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees am Rande des Gipfels nicht zu erwarten. Die geforderten Strafen seien „übertrieben, unlogisch und unangemessen“, verkündete Stanislaw Posdnjakow.

„Wenn nach der Wada-Entscheidung alles umgesetzt wird, wäre das schon ein wichtiges Signal für die Anti-Doping-Arbeit“, sagte Mortsiefer. In den Jahren der ersten Suspendierung der Rusada konnten russische Athleten ohne Auflagen bei Weltcups von Weltverbänden starten.

„Was wir mit Russland bei den Winterspielen 2014 in Sotschi mit der Manipulation der Proben erlebt haben, war schon schlimm - und nun noch die der Daten“, sagte Karl Quade, Vizepräsident des Deutschen Behindertensportverbandes. Das ist ein absolutes No-Go.“ Deshalb sei es das Minium, Russen für vier Jahre nur ohne Flagge antreten zu lassen. Quade: „Bitte nicht als "Neutrale Athleten aus Russland".“ Bei den Winterspielen in Pyeongchang durften dies 168 Sportler.

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