Vorhang für die beliebten plattdeutschen Theaterstücke bleibt erneut unten

dzKein Theater

Die Spielschar der Kolpingsfamilie Cappenberg kann in dieser Saison kein neues plattdeutsches Theaterstück präsentieren. Es liegt nicht allein an den Schauspielerinnen und Schauspielern.

Selm

, 29.11.2018, 05:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit mehr als 70 Jahren gibt es das Ensemble, das weit über die Grenzen hinaus bekannt ist. Das, was die Cappenberger auf die Bühne bringen, sorgt für volle Säle: Komödien in Münsterländer Platt in drei Akten: immer mit vielen Lachern, immer mit Happy End. Soll das jetzt ein Ende haben? Zumindest für die neue Saison gibt es keine Aufführung: nicht die erste Absage der Spielschar.

Im Oktober 2016 hatte die Spielschar schriftlich mitgeteilt, im Winter 2016/17 kein neues Stück aufzuführen. „Es sind diverse persönliche Gründe, auf die ich nicht näher eingehen möchte“, schrieb seinerzeit der Leiter der Spielschar, Andreas Röttger auf unsere Anfrage. Es habe aber nicht damit zu tun, dass es zu wenige Spieler gab.

Kurze Mail mit Absage verschickt

Auch jetzt teilte die Spielschar in einer Mail kurz und knapp mit, dass es Anfang 2019 keine Aufführungen im Schlosstheater Cappenberg geben wird. Gleichzeitig bat die Spielschar alle Freunde der plattdeutschen Mundart und treuen Besucher der Theatervorstellungen um Verständnis für diese Entscheidung.

Auf unsere Nachfrage sage Beate Mens von der Spielschar, dass für eine Aufführung in diesem Winter die „personellen Ressourcen“ nicht gereicht hätten. Zugleich machte sie deutlich, dass für eine Aufführung neben den Schauspielern auch Menschen hinter der Bühne benötigt werden. Es sei „ein Kraftakt“, ein Stück auf die Bühne zu bringen.

Interessierte können sich zur Mitarbeit melden

Zugleich macht Beate Mens den vielen Freunden des plattdeutschen Theaters Hoffnung, dass in einem Jahr die Reihe fortgesetzt werden kann. „Die Freunde der plattdeutschen Mundart dürften sich hoffentlich gemeinsam mit den Akteuren und Mitgliedern der Cappenberger Spielschar auf eine neue Saison 2019/2020 freuen.“ Eine Entscheidung solle im Sommer 2019 fallen. Damit aus dem Vorhaben auch wirklich etwas wird, brauchen die Fans des Schwanks auf Platt nicht nur die Daumen zu drücken, sie können auch mithelfen. Bereits jetzt können sich interessierte neue Mitspieler sowie Männer und Frauen, die das Team auch hinter der Bühne verstärken möchten, für die nächste Theatersaison bei Andreas Röttger oder Beate Mens melden.

In Nordhrein-Westfalen gibt es mehr als 500 Amateurtheater-Gruppen, sagt Axel Gehring vom Amateurtheaterverband NRW. 180 davon seien in dem Verband organisiert. In der Region gehören neben Cappenberg die Laienspielgruppen aus Herbern und Lüdinghausen zu den bekanntesten. Andere wie die in Bork haben sich aufgelöst. Denn die Anforderungen an eine Spielschar sind groß.

Herberner Spielschar hat auch ein Jahr Pause gemacht

„Wir können keine Rollen doppelt besetzen, hatte Andreas Röttger von der Cappenberger Spielschar bereits im Juni gesagt. Auch junge Leute zu finden für die jungen Rollen wird zunehmend schwierig.“ Zumal es kaum Platt sprechenden Nachwuchs gebe. Röttger, Mens und die anderen machen Theater, weil es Spaß macht - aber nicht nur ihnen und dem Publikum, sondern auch denen, die sie unterstützen. Den Überschuss aus den Einnahmen hat die Spielschar jedes Jahr gespendet, vielleicht auch wieder 2020. Die Herberner Laienspielschar, die ebenfalls auf plattdeutsche Komödien spezialisiert ist, war 2017 nach einem Jahr Pause wieder durchgestartet. Genauso wie damals Cappenberg.

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