Vor Heim-Grand Prix: Wo steht die Formel D(eutschland)?

Nur noch Sebastian Vettel und Nico Hülkenberg sind in der Formel 1 als deutsche Fahrer übrig geblieben. Mick Schumacher steht zumindest an der Schwelle. Ein Deutschland-Rennen dürfte es 2020 aber nicht geben.

29.07.2019 / Lesedauer: 3 min
Vor Heim-Grand Prix: Wo steht die Formel D(eutschland)?

Vertreten die deutschen Farben in der Formel 1: Sebastian Vettel (l) und Nico Hülkenberg. Foto: Sebastian Gollnow

Schwarz. Rot. Gold. Dezent erscheinen die deutschen Farben auf dem Rennrad von Sebastian Vettel, mit dem der viermalige Formel-1-Weltmeister am Freitag im Fahrerlager auf dem Hockenheimring eintrudelte. In kleinen Waben ist die Fahne auf den Rahmen des Gefährts aufgemalt.

So ein Grand Prix vor heimischen Fans ist für jeden Formel-1-Fahrer zumindest ein kleines bisschen besonders. Für den Ferrari-Piloten, der unweit von Hockenheim in Heppenheim geboren wurde, ist das kleine bisschen ein bisschen größer. Auf dem Traditionskurs in Nordbaden hat Vettel nämlich noch nicht gewinnen können. Im vergangenen Jahr war er ganz dicht dran, ein Fahrfehler auf nasser Strecke 15 Runden vor Schluss kostete ihn den fast schon greifbaren Erfolg.

Bis auf das Resultat sei das damalige Wochenende fantastisch gewesen, erzählte Vettel und zählte Gänsehautfaktoren auf: „Die vielen Fans, die vielen deutschen Flaggen, die Begeisterung rund um die Strecke.“ Im Heimatland zu fahren, das sei einfach „immer besonders“.

Die Frage für Vettel und den zweiten deutschen Formel-1-Fahrer Nico Hülkenberg ist: wie lange noch? Den letzten Grand Prix auf dem Nürburgring gab es 2013, wegen der Insolvenz des Eifelkurses fand 2015 erstmals seit 55 Jahren kein Formel-1-Rennen auf einer deutschen Strecke statt.

Die Veranstalter des Hockenheimrings können mit dem Grand Prix selbst kein Geld mehr verdienen. Nach dem Abebben des Booms um Rekordweltmeister Michael Schumacher, der hier im Juli 1995 für den ersten deutschen Heimsieg überhaupt gesorgt hatte, summierten sich für die Betreiber die Verluste. „Wir sind heute in der Lage, das Nötigste instandzuhalten, das Nötigste zu investieren, können aber aufgrund der Schuldenlast, das sind rund 28 Millionen Euro, derzeit keine größeren Investitionen leisten“, erzählte Geschäftsführer Georg Seiler der Deutschen Presse-Agentur.

Die Formel 1 dürfte 2020 wieder einen Bogen um Hockenheim machen. Die aktuelle Auflage konnte erst durch den Einsatz von Mercedes, der als Titelsponsor einsprang und seine Silberpfeile mit einer Sonderlackierung versehen hat, gerettet werden. Andere Rennstrecken werden staatlich bezuschusst, andere Rennstrecken haben einfach mehr Geld.

Seiler kennt den Trennungsschmerz längst, ihm täte es dennoch leid. „Die Formel 1 ist in Deutschland erst so richtig groß geworden, sie hat hier Tradition. Viele Unternehmen, nicht zuletzt Zulieferer oder Hersteller, sind an der Formel 1 beteiligt. Daran hängen auch viele Arbeitsplätze“, erläuterte er.

Einen der begehrtesten Formel-1-Jobs hat Hülkenberg. Der Emmericher von Renault hält den Standort D, der die drei Weltmeister Schumacher (7), Vettel (4) und Nico Rosberg (1) hervorgebracht hat, weiter für stark. „Wir sind eine Autonation und lieben unsere Autos. Das Interesse ist immer noch vorhanden“, meinte er. „Im Allgemeinen glaube ich, dass der Appetit und das Interesse der Bevölkerung immer noch sehr lebendig ist.“

Für das in den vergangenen Jahren gesunkene Zuschauerinteresse macht Vettel einige Grundsatzentscheidungen der Formel-1-Bosse mitverantwortlich. Er beklagt unter anderem ein zu enges Regelkorsett, dass das Rennfahren weniger attraktiv gemacht habe. Der Name Schumacher, so meinte Vettel, könnte dem Motorsport in Deutschland wieder auf die Sprünge helfen. Gemeint ist der Sohn des Rekordweltmeisters, Mick.

Derzeit fährt der 20-Jährige in der Formel 2, vor der Qualifikation am Samstag (13.05 Uhr) und vor dem Rennen am Sonntag (12.45 Uhr) wird sich der Ferrari-Zögling aber ans Steuer des F2004 der Scuderia setzen und Demorunden drehen. In jenem roten Renner holte sein Vater 2004 seinen letzten von bisher unerreichten sieben WM-Titeln. „Mick an der Schwelle zur Formel 1 und ihn hoffentlich eines Tages unter uns zu haben, das wäre klasse“, sagte Vettel, „und hoffentlich ein großer Schub für Deutschland.“

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