Von hinten durch die Brust ins Auge

dzKreiselversuch

Was ein Fußgängerüberweg an der Viktoriastraße mit einem geplanten Einkaufszentrum in der Innenstadt zu tun hat, erschließt sich nicht von allein. Das Verkehrsnetz liefert eine Antwort.

19.12.2018, 17:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diskussionen über den Kreishauskreisel sind in Unna vermutlich fast so üblich wie Gespräche über das Wetter. Immer wieder wird die Leistungsfähigkeit des Knotenpunktes beklagt. Der aktuelle Vorschlag zur Optimierung hat dennoch eine ungewöhnliche Ursache: Am Anfang der Überlegung standen die Pläne für ein neues Einkaufszentrum auf dem Gelände der alten Mühle Bremme.

Dessen Anbindung könnte nur über die Poststiege erfolgen, die kurz hinter dem Tunnel in den Innenstadtring führt. Schon heute ist dieser Bereich stark mit Autos belastet. Denn der Rückstau, der sich auf der Kantstraße vor dem Kreishauskreisel bildet, reicht oftmals bis in diesen Bereich hinein. Also suchte ein Gutachter die Lösung für die Mühlenanbindung am Ring in einer Optimierung des Kreishauskreisels. Ohne dessen Rückstau ließe sich der Kunden- und Lieferverkehr des neuen Einkaufszentrums bändigen, war seine Überlegung. Also analysierte der Gutachter, was die Rückstaus vor dem Kreishauskreisel genau auslöst.

Eine der Ursachen fand er in einem Konflikt zwischen Kraftverkehr und den querenden Fußgängern und Radfahrern auf dem Arm zur Viktoriastraße. Wenn Autos vor dem Überweg am Kreisel halten müssen, um die schwachen Verkehrsteilnehmer über die Straße zu lassen, ragt oftmals ein Fahrzeug mit dem Heck in die Fahrspur des Kreisels hinein. Und so tritt auch dort Verstopfung auf.

Die Idee des Planers besteht nun darin, den Überweg weiter nach Osten zu verlegen, also vom Kreisel fort. Zudem soll eine Ampel verhindern, das die Passanten „kleckerweise“ über die Viktoriastraße gehen.

Die Stadt will nun prüfen lassen, ob dieses Konzept wirklich funktioniert. Nach einer Zählung der Fußgänger und Radfahrer im November soll es im Januar einen Verkehrsversuch geben, bei dem der Überweg provisorisch verlegt wird und der heutige Überweg mit Barrieren geschlossen. Erst nach diesem Versuch will die Politik weiter darüber diskutieren, ob sie diese Lösung ergreift.

Kritische Stimmen lehnen sie losgelöst von der Frage der Wirksamkeit ab. Der heutige Überweg über die Viktoriastraße liegt auf einer wichtigen Radverkehrsachse, die von der Innenstadt am Kreishaus und den Berufskollegs vorbei zum Königsborner Bahnhof und dem späteren Radschnellweg RS1 führt. Radfahrer auf dieser Route zu Umwegen zu zwingen, damit der Kraftverkehr besser fließen kann, hält der ADFC für ein falsches Signal.