Von Schüssen durchsiebter Stahlträger soll Mahnzeichen für den Frieden werden

Bahnhof in Schwerte

Von Einschüssen durchsiebt ist ein Träger, der jetzt am Bahnhof in Schwerte abgebaut wurde. Er wird eingelagert und später wieder aufgestellt werden, als Mahnzeichen für den Frieden.

Schwerte

, 28.10.2018, 16:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Von Schüssen durchsiebter Stahlträger soll Mahnzeichen für den Frieden werden

Behutsam wurde die Stütze abgebaut. © Wolfgang Güttler

Wie durch Butter durchbohrten sich die Geschosse in den massiven Stahl. Daumendicke Löcher in den Trägern der Bahnsteigdächer ließen die tödliche Wucht der Weltkriegs-Waffen hautnah spüren. Als Mahnzeichen für den Frieden soll deshalb der am stärksten durchsiebte Pfeiler erhalten bleiben, der hinter dem Treppenaufgang zu den Gleisen fünf und sechs stand. Bei der Bahnhofs-Renovierung wurde er jetzt behutsam abmontiert und vorerst in einer Halle des städtischen Bauhofs eingelagert.

„Das war sowohl mit dem alten als auch mit dem neuen Bürgermeister so abgesprochen“, berichtet Herbert Kluge von den Schwerter Eisenbahnfreunden, die die Aktion initiiert haben. „Die Stadt begrüßt die Initiative“, bestätigt Stadt-Pressesprecher Carsten Morgenthal. Mit den Eisenbahnfreunden müsse man sich jetzt auf Standortsuche machen.

Bahnhofsvorplatz ist ein denkbarer Standort

„Ich denke an den Bahnhofsvorplatz“, sagt Kluge: „Das soll was mit der Bahn zu tun haben.“ Um die Stadt bei den Kosten zu unterstützen, möchten die Eisenbahnfreunde Geld sammeln. Denn es muss nicht nur ein Fundament am neuen Standort in den Boden gelassen werden. Der Träger soll auch einen frischen Anstrich erhalten. Und davor – so Kluge – muss wahrscheinlich der alte Rostschutzgrund entfernt werden, weil früher wirksame, aber bleihaltige Mennige verwendet wurde.

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Seitdem die Dachstütze auf dem Boden liegt, sind auch die Kriegszerstörungen im oberen Bereich sehr gut sichtbar. „Die Einschüsse stammen vermutlich von einem Flieger“, berichtet Kluge. Denn sie seien schräg von oben durch den Stahl geschlagen.

Güterbahnhof Schwerte wurde im Zweiten Weltkrieg bombardiert

Andere unregelmäßige Löcher sind – so erzählten früher altgediente Eisenbahner – von Bombensplittern in das Metall gerissen worden. Der hinterste Bahnsteig mit den Gleisen fünf und sechs grenzt nämlich direkt an den Güterbahnhof, der am 31. Mai 1944 zusammen mit dem Nickelwerk massiv von alliierten Bomberverbänden angegriffen worden ist.

Am helllichten Tag tauchten gegen 11.15 Uhr rund vier Dutzend Flugzeuge am Himmel auf und verwandelten innerhalb von nur sechs Minuten den ganzen westlichen Bahnhofsbereich in ein Trümmerfeld. Viele Zivilisten verloren dabei ihr Leben.

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