Vom ganz persönlichen Schienenersatzverkehr - Abenteuer Alltag

dzKolumne „Jetzt mal unter uns“

Man kann sich aufregen, Urlaub nehmen (wenn das geht), es aussitzen und warten, oder mal was Neues wagen. In den Herbstferien fährt die Bahn zwischen Lünen und Dortmund nicht. Was tun?

Lünen

, 12.10.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was tun, wenn man - um von Lünen nach Dortmund zu kommen - die Bahn zwar unregelmäßig nutzt, aber das regelmäßig. Aber die Bahn fährt in den Herbstferien nicht. Jetzt saniert die die Gleise auf der Strecke zwischen den beiden Städten. Keine Züge, sondern Busse, „Schienenersatzverkehr“. Aber vielleicht ist so eine Maßnahme auch Anlass, mal etwas Neues auszuprobieren? Einfach so, quasi mal was Verrücktes im Alltag.

Als hätte ich es geahnt, habe ich neulich mal ganz spontan soetwas gemacht. Es war nach Feierabend und ich stand am Bahnhof, um zu lesen, dass der Zug, mit dem ich fahren wollte, ausfällt. Wartezeit: 40 Minuten. Ich hasse Warten, da wäre Geduld gefragt, und die habe ich nur begrenzt. Lieber halte ich das Heft des Handelns in der Hand. Und als wüsste man, wie es in mir aussieht, fährt an diesem Tag sofort am Busbahnhof der Bus der Linie C 5 mit dem Ziel „Schulte Rödding“ vor - und ich rein.

Weiß eigentlich einer, der nicht aus der Gegend kommt, wo das sein soll? Ich wusste es bis vor wenigen Monaten nicht wirklich. Jetzt, nachdem ich dort zwischenzeitlich viel beruflich unterwegs war, weiß ich, es ist im Dortmunder Stadtteil Eving. Aus Eving fährt die U-Bahn Richtung Stadtmitte. Da will ich hin. Also rein in den Bus und ab nach Hause.

Der Freund, dem ich diese Geschichte erzählt habe, hat sich ein bisschen schlapp gelacht: „Mutig“, sagte er und grinst. Na ja, Mut war wohl nicht nötig, aber auf jeden Fall eine Portion Neugier: Wo fährt der Bus eigentlich her, was sehe ich unterwegs?

Und wissen Sie was? Ich habe es nicht bereut: Ich habe meinem - dank des routinemäßigen Einsatzes des Navi ziemlich untrainierten Orientierungssinn - mal ein bisschen auf die Sprünge geholfen, ganz neue Straßenverbindungen für mich abgespeichert. Habe Straßen gesehen, die ich nicht kannte. Es war ein bisschen wie eine Sightseeing-Tour in der eigenen Stadt: Völlig neue Perspektiven, wenn man nicht - wie jahrelang zuvor - durch die Fußgängerzone läuft, sondern mit einem Gelenkbus durch die Bäckerstraße fährt.

Es war irgendwie faszinierend, so dass ich in der folgenden Woche, als wieder mal die Bahn nicht kam, in einen Bus nach Brambauer gestiegen bin. Wieder völlig ungeplant. Am Verkehrshof Brambauer ging es mit wenigen Schritten in die U-Bahn Richtung Dortmunder Innenstadt. Zurücklehnen - und los geht’s, ein neues, kleines heimisches Abenteuer.

Vorbei gekommen bin ich an vielem, das ich demnächst besuchen möchte: Waren Sie schon mal in der Kirche nebenan? Oder haben Sie schon mal einen Spaziergang auf der Halde in Gahmen gemacht? Die Linie C 5 fährt da vorbei. Und das Wetter scheint ja schon auf den Zug aufgesprungen zu sein - ach nein, in den Bus.

Jede Woche sprechen Mitglieder der Redaktion Lünen „mal ganz unter uns“ über Dinge, die sie und Lünen bewegen. Mal pointiert, mal augenzwinkernd, mal geradeaus. Aber stets bereit, sich der Diskussion zu stellen.
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