Vom Ultra-Marathon zur Marathon-Wanderung mit Hündin Bine

dzRenate Herfurth (64)

Mit 40 Jahren entdeckt Renate Herfurth die Lust am Laufen. Es folgen Marathons, Ultra-Maratons. Dann wirft sie eine Krankheit aus der Bahn. Doch nun hat sich einen anderen Traum erfüllt.

Werne

, 14.10.2018, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich habe mit 40 angefangen, Marathons zu laufen“, sagt Renate Herfurth (64), ehemals bekannt als Renate Klingbeil, „ weil ich die große Lust am Laufen gefunden habe“.


Erster Marathon 1997 in Berlin

Das war 1997. Damals startete sie beim Berlin Marathon. Schnell reichte ihr die übliche Distanz von 42 Kilometern nicht mehr. „Von da an bin ich bei den sogenannten Ultra-Marathons mitgelaufen“, sagt sie. 60, 70, gar 100 Kilometer.

Ihr erster Ultra-Marathon führte sie in Remscheid über 63 Kilometer. Ständig steigerte sie darauf die Distanzen. Bis zum Jahr 2000. Da folgte der Schock.

Vom Ultra-Marathon zur Marathon-Wanderung mit Hündin Bine

Und Mischlings-Dame Bine machte alles klaglos mit. © Renate Herfurth

„Mein Arzt sagte mir, dass ich einen Ermüdungsbruch im Schambeinast hätte und deshalb mit dem Laufen aufhören sollte.“ Für Herfurth brach damals eine Welt zusammen. Aber aufhören wollte sie nicht, konnte sie nicht. Also machte sie weiter. Von nun an immer wieder mal mit Schmerzen als Begleiter.

Längster Marathon 2004 in Biel/Schweiz

„In Biel in der Schweiz bin ich dann 2004 meinen längsten Marathon gelaufen“. 100 Kilometer. „Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass ich von der Stadt Werne eine Sportplakette bekommen habe,“ sagt sie und schwelgte in Erinnerung. Mit diesem Lauf bewältigte sie mehr als das Doppelte ihres ersten Lang-Laufes im Jahre 1997. Sie ist insgesamt 18 Marathons und acht Ultras gelaufen.

In dieser Phase der wiederkehrenden Schmerzen absolvierte sie drei Mal den 73 Kilometer langen Rennsteig-Lauf: 2003, 2004 und 2005. Damals wuchs in ihr der Gedanke: „Ich möchte den Rennsteig mal irgendwann komplett erwandern.“ Dieser Wunsch wurde für sie zu einem Lebenstraum.

Vom Ultra-Marathon zur Marathon-Wanderung mit Hündin Bine

Der Rennsteig bietet herrliche Ausblicke. © Renate Herfurth

Dann bremsten die Schmerzen Renate Herfurths Lauf-Ambitionen aus. Sie lief nicht mehr so regelmäßig. Ihren letzten Ultra-Marathon bewältigte sie 2009. Es folgten ein paar kleinere Distanzen - dann war Schluss.

Mit dem Laufen aufzuhören, fiel ihr schwer. Doch durch die Rennsteig-Teilnahmen hatte sich der Wander-Wunsch bei ihr festgesetzt. Dem konnte sie nun nachgehen.

Traum von der Rennsteig-Wanderung erfüllt

Für Renate Herfurth ging in diesem Jahr ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Sie erwanderte den Rennsteig mit ihrer eineinhalbjährigen Hündin Bine. Das sind rund 170 Kilometer, die sie und ihr Jack Russel/ Mops Mischling etappenweise in acht Tagen bewältigten.

„Jetzt mit 64 Jahren konnte ich mir dafür meinen Traum erfüllen, den 170 Kilometer langen Rennsteig zu erwandern“. Der Rennsteig ist ein historischer Grenzweg im Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge und Frankenwald. Am 10. September ging es in Eisenach los. Aber nicht allein. „Meine eineinhalbjährige Hündin Bine ist als Unterstützung mitgekommen und hat mit mir die acht Tage wandern sehr gut überstanden“, sagt sie stolz. Dafür hat Herfurth im Voraus Hotels gebucht.

Vom Ultra-Marathon zur Marathon-Wanderung mit Hündin Bine

Acht Tage lang bewältigte Renate Herfurth auf ihrer Wanderung Tagesetappen zwischen 17 und 25 Kilometer. © Renate Herfurth

„Mein Tagesplan sah so aus: Zuerst habe ich um acht Uhr gefrühstückt. Danach ging es schon los. Angekommen sind wir dann im Hotel immer so zwischen 16 und 18 Uhr. Dann habe ich Abendbrot gegessen, ein Bierchen getrunken und mich noch mit den andern Wanderern unterhalten, bis ich dann ins Bett gegangen bin, um für den nächsten Tag genug ausgeruht zu sein“.

Tagesetappen zwischen 17 und 25 Kilometer auf dem Rennsteig

Die kürzeste Etappe hatte 17 Kilometer, die längste 25 Kilometer. Acht Tage später, am 18. September 2018, hatte Herfurth die 170 Kilometer mit Bine geschafft. „Es war absolut super - ich hatte keine Probleme mit meiner Verletzung und keine Blasen. Und die Aussicht beim Wandern war einfach nur wunderschön“.

Für Renate Herfurth ist eins klar: Wenn sie auch keine Marathons mehr laufen kann, sie will sie definitiv noch ein Mal so eine Etappenwanderung machen. Wenn ihr Körper mitspielt.

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