Ein rund ein Kilometer langes Teilstück der Kreisstraße wird im Oktober wegen Bauarbeiten voll gesperrt. Das dürfte für alle Beteiligten eine sensible Sache werden.

Selm

, 26.09.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 4 min

Das Thema der Bauarbeiten und der damit verbundenen Vollsperrung vom 14. bis 25. Oktober sollte vielen „unter den Nägeln brennen“. Das vermutete jedenfalls Stefan Schwager, Dezernent für Bauen und Ordnungsangelegenheiten bei der Stadt Selm, am Dienstag, 24. September, während der Bürgerversammlung. Ob das Thema tatsächlich brennt, ist ungewiss. Jedenfalls kamen 20 Frauen und Männer zur Bürgerversammlung.

Die nächste Vollsperrung der Kreisstraße wird eine sensible Angelegenheit

Gut gemeint, aber irritierend: Das Schild rund 200 Meter nördlich des Kreisverkehrs Kreisstraße/Zeche-Hermann-Wall weist auf die Vollsperrung der Kreisstraße hin. Die Sperrung greift jedoch erst rund 50 Meter südlich des Kreisverkehrs. © Arndt Brede

Die Fakten der Bauarbeiten listete Heinrich Niemietz, Mitarbeiter der Bauverwaltung, im Saal des Bürgerhauses auf:

Die Arbeiten - Abfräsen von zwölf Zentimetern Asphaltschicht auf einem rund ein Kilometer langen Teilstück der Kreisstraße und Neuasphaltierung - sollen vom 14. bis 25. Oktober dauern.

Die Arbeiten finden zwischen dem Kreisverkehr Kreisstraße/Zeche-Hermann-Wall und der Einmündung Kreisstraße/Gutenbergstraße statt.

Dafür wird die Kreisstraße auf diesem Abschnitt voll gesperrt.

Drei Umleitungskonzepte

So sieht das Konzept der offiziellen Umleitungen während der Bauzeit aus:

1. Verkehrsteilnehmer, die die Kreisstraße von Norden oder von Süden ansteuern, sollen den Baustellenbereich über die Netteberger Straße, die Werner Straße und den Zeche-Hermann-Wall umfahren.

2. Weil während der Bauzeit die Zufahrt zur Kreisstraße von der Haus-Berge-Straße, vom Schützenweg und von der Straße Im grünen Winkel aus nicht möglich ist, sollen die Anwohner dieser Straßen und der Straßenzüge, die östlich der Kreisstraße liegen, über die Luisenstraße zur Netteberger Straße fahren. Absperrpfosten werden während der Bauzeit rausgenommen, sagt Heinrich Niemietz. Eine Umleitung über die Luisenstraße zum Zeche-Hermann-Wall sei nicht vorgesehen.

3. Auch von der Wiesenstraße aus gibt es während der Bauphase keine Möglichkeit, in die Kreisstraße einzubiegen. Für sie führt die offizielle Umleitung über die Schorfheide, die Otto-Hahn-Straße und die Gutenbergstraße.

Die nächste Vollsperrung der Kreisstraße wird eine sensible Angelegenheit

Eine Art Insel soll Fußgängern und Radfahrern das Überqueren des Einmündungsbereiches Haus-Berge-Straße auf der östlichen Seite der Kreisstraße erleichtern. © Arndt Brede

Was die Anwesenden während der Versammlung hörten, birgt zum Teil Konfliktpotenzial. Dann nämlich, wenn die Kommunikation zwischen Stadt, ausführender Firma und Anwohnern nicht so funktionieren sollte, wie von Seiten der Stadt versprochen.

Während der Versammlung trug der eine oder andere Anwohner nämlich seine Sorge vor, während der Bauarbeiten nicht mehr oder nur schwer per Auto zu seinem Grundstück zu kommen oder sein Grundstück nicht oder nur schwer per Auto zu verlassen.

Rücksichtnahme aller Beteiligten erforderlich

In diesem Zusammenhang sei Rücksichtnahme von allen Beteiligten erforderlich, sagt Niemietz. „Wir bemühen uns, dass die Anlieger ihre Grundstücke erreichen können“, führt er aus. Jedoch könne es vor allem zu dem Zeitpunkt, wenn der Asphalt wieder eingebracht wird, sein, dass die Grundstücke nicht erreichbar seien. „Wir werden die Betroffenen aber rechtzeitig mit Handzetteln informieren.“ Niemietz appellierte an die Anwohner, manche Wege mit dem Auto zu vermeiden. Schon aus Sicherheitsgründen: „Es sind ja auch viele große Lkw auf der Baustelle unterwegs.“

Während der Bauzeit können auch die Busse - betroffen sind die Linien des R19 und des D19 - nicht über das von den Arbeiten betroffene Teilstück der Kreisstraße fahren. „Die Bushaltestellen werden umgelegt, es wird also Ersatzhaltestellen geben“, sagt Niemietz. Wo die Haltestellen platziert werden und welche Umleitung für die Busse ausgewiesen wird, konnte er nicht sagen. „Die Verkehrsgesellschaft Kreis Unna muss uns das noch mitteilen.“

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Enden die Bauarbeiten an der B236 planmäßig am 25. Oktober, wird es für die Anwohner der Haus-Berge-Straße und der angeschlossenen Straßenzüge dennoch zunächst mal keine Möglichkeit geben, auf die B236 abzubiegen. Denn im Einmündungsbereich der Haus-Berge-Straße zur Kreisstraße sind Kanalbauarbeiten nötig, die dazu führen, dass die Einmündung Haus-Berge-Straße 14 Tage länger gesperrt bleibt. Zudem wird an der Einmündung eine Verkehrsinsel eingebaut, die die Radfahrer und Fußgänger auf der östlichen Seite der Kreisstraße sicher über die Einmündung führen soll. Angepeilte Öffnung der Einmündung: 8. November.

Fußgänger-Ampel voraussichtlich Anfang 2020

Während der Bauzeit wird die Stadt zudem vorbereitende Arbeiten für eine Querungshilfe zwischen den beiden Bushaltestellen in diesem Bereich durchführen. Zudem wird dann auch noch eine Fußgänger-Ampel dort installiert. Um die Bushaltestelle in Fahrtrichtung Bork zu ertüchtigen und dort einen Fußweg anzulegen, muss die Stadt aber noch einen Teil eines privaten Grundstücks kaufen. Das sei noch nicht geschehen, sagt Dezernent Schwager.

Doch genau die Bushaltestellen liegen Anwohnern am Herzen. „Viele Kinder queren die Kreisstraße“, sagte eine Anwohnerin. Ihre Frage, wann denn die Bushaltestelle besser ausgestattet werden kann, konnte Schwager präzise nicht beantworten. Eben weil das entsprechende Grundstück sich noch in Privateigentum befinde. Realistische Hoffnung sei, dass Ampel und Bushaltestellen Anfang 2020 fertig gestellt werden können.

Die nächste Vollsperrung der Kreisstraße wird eine sensible Angelegenheit

Vor dem Stoppschild der Einmündung Haus-Berge-Straße/Kreisstraße sollen Kontaktschleifen der noch zu bauenden Ampel den Impuls geben, auf Rot zu springen, damit die Verkehrsteilnehmer besser und sicherer in die Kreisstraße einbiegen können. © Arndt Brede

Eine gute Nachricht gab es gerade für die Anlieger der Haus-Berge-Straße und der angeschlossenen Straßenzüge dann aber doch noch: Laut Heinrich Niemietz wird im Einmündungsbereich Haus-Berge-Straße eine Kontaktschleife eingebaut, die aktiviert wird, wenn ein Auto sie überfährt. Sie soll dazu führen, dass die Ampel das Signal für die Verkehrsteilnehmer auf der Kreisstraße auf Rot stellt, so dass man von der Haus-Berge-Straße gesichert auf die Kreisstraße abbiegen könne.

So kommentiert Redakteur Arndt Brede:

Zwei Wochen Vollsperrung eines Teilstücks der Kreisstraße. Das klingt nach einem überschaubaren Zeitraum. Aber wenn es eine Lehre gibt, die die Stadt aus der Erfahrung zurückliegender Baustellen - etwa der zweieinhalbjährigen Sperrung der Kreisstraße im Selmer Zentrum - ziehen sollte, dann ist es vernünftige Kommunikation.

Es geht darum, den Menschen, die von Bauarbeiten betroffen sind, frühzeitig und offen mitzuteilen, was auf sie zukommt und wann. Insofern ist es gut, dass die Stadt Selm zweieinhalb Wochen, bevor die Kreisstraße auf einem ein Kilometer langen Teilstück gesperrt wird, zu einer Informationsveranstaltung einlädt.

Aber: Wo läuft die Busumleitung her? Wann sind die Fußgänger-Ampel und die Bushaltestellen voll einsatzbereit? Dass die Anwohner wichtige Informationen nicht bekommen, weil die VKU das Umleitungskonzept noch nicht vorgelegt hat beziehungsweise weil die Stadt erforderliche Flächen für eine Bushaltestelle noch nicht erworben hat, ist mit unglücklich noch sehr milde umschrieben.

Außerdem: Anwohner mit Handzetteln darüber in Kenntnis setzen zu wollen, dass sie zu einem Zeitpunkt X nicht mehr mit dem Auto ihre Grundstücke verlassen oder erreichen können, ist eine ehrbare Absicht. Die ausführende Firma sollte diese Informationen dann aber auch erhalten. Um Überraschungen zu vermeiden.

Dass die Kreisstraße saniert wird und dass auch Ampel und modernisierte Bushaltestellen in Sicht sind, ist großartig. Wenn die Verantwortlichen bei der Stadt nun auch Mindestanforderungen an Kommunikation erfüllen, ersparen sie den Anwohnern Ärger ... und sich auch.

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