Volkstrauertag in Werne: „Ich sehe Regierende und ich sehe, was sie anrichten“

Gedenken an Kriegsopfer

Der Volkstrauertag ist nicht nur ein Tag der Erinnerung, sondern auch der Mahnung. Zusammen mit 200 Wernern gedachte Pfarrer Jürgen Schäfer am Sonntag der Toten – und fand dabei einige deutliche Worte.

Werne

, 18.11.2018, 17:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Volkstrauertag in Werne: „Ich sehe Regierende und ich sehe, was sie anrichten“

Die Teilnehmer gedachten am Ehrenmal der Kriegsopfer. © Vanessa Trinkwald

Ein kleiner Knirps auf seinem Puky-Rad verfolgte am Sonntag (18. November) ganz gebannt den Zug aus Menschen, der sich um halb elf am Vormittag aufmachte, um durch die Innenstadt zum Steintorpark zu ziehen. Es muss ein eindrucksvolles Bild gewesen sein, das sich dem kleinen Jungen am Alten Rathaus bot. „Jetzt gehen sie los“, sagte er zu seiner Mutter und holte einmal kräftig Schwung auf seinem Rad ohne Pedalen.

Was sich da abspielte vor seinen Augen, wusste er nicht. Aber der unbeschwerte Junge mit der Mütze und den Handschuhen war zwischen all den Menschen an diesem knackekalten Vormittag fast sinnbildlich für die Botschaft, die Pfarrdechant Jürgen Schäfer nur wenige Minuten zuvor den rund 200 Leuten im Bürgersaal des Alten Rathauses mit auf den Weg gab: Wir alle sollten aufpassen, dass sich die Vergangenheit nicht wiederholt und unsere Kinder in Frieden leben können.

„Ungelebtes Leben wurde tausendfach vernichtet“

Beim Volkstrauertag am Sonntag war die Beteiligung hoch. Und das wollte Schäfer nutzen, um 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges und fast 80 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges ganz ohne erhobenen Zeigefinger deutlich zu machen, dass dieser Tag nicht nur der Erinnerung gilt, sondern auch der Mahnung. „Wir vergessen gerne und schnell“, sagte er vor Vereinen, Vertretern der Stadt und Politik.

Volkstrauertag in Werne: „Ich sehe Regierende und ich sehe, was sie anrichten“

Nur ein kleines Gefühl von Wärme an diesem kalten Sonntagvormittag. © Vanessa Trinkwald

Seine Ansprache aber war eine gegen das Vergessen: „Der Volkstrauertag erinnert daran, dass Geschichte danebengehen kann“, formulierte er salopp, um dann harte Worte zu finden: „Ungelebtes Leben wurde tausendfach vernichtet!“ Schäfer erinnerte etwa an die 44.000 jungen Soldaten auf dem Friedhof der belgischen Stadt Ypern. Viele von ihnen seien nur 16, 17, 20 Jahre alt geworden, als durch Hass und Zerstörung ihr junges Leben jäh zu Ende ging.

Auch Soldaten aus Werne hätten in den Schlachten in der Region Flandern ihr Leben gelassen, sagte Bürgermeister Lothar Christ, der von einem Besuch des Ypernbogens vor einem Jahr berichtete. Der Bogen symbolisiert die Frontstellung um die belgische Stadt im Ersten Weltkrieg. Ein Symbol der Krieges, der sich hoffentlich nie wiederholen wird.

„Ich würde ihnen gerne sagen: Passt doch auf!“

„Unser Frieden, unsere Gesellschaft – das ist nicht selbstverständlich“, mahnte Schäfer. „Ich sehe Regierende und ich sehe, was sie anrichten. Und ich würde ihnen gerne sagen: Passt doch auf! Es ist doch schön, in Frieden zu leben!“

Nach der Andacht machten sich die Teilnehmer auf den Weg zur Kranzniederlegung, während die Gongschläge der Kreuzglocke von St. Christophorus durch die Innenstadt hallten. Am Ehrenmal im Steintorpark legten die Schützen die Kränze nieder, schwiegen in Gemeinschaft – und waren in Gedanken bei denen, die für immer schweigen.

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Gedenken an die Toten beim Volkstrauertag in Werne

18.11.2018
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Bürgermeister Lothar Christ bei der Kranzniederlegung am Ehrenmal im Steintorpark.© Vanessa Trinkwald
Beim Volkstrauertag am Sonntag (18. November) war die Anteilnahme groß. Rund 200 Gäste, darunter Vereine und Vertreter der Stadt und Politik, kamen um 10 Uhr im Bürgersaal des Alten Rathauses zusammen.© Vanessa Trinkwald
Beim Volkstrauertag am Sonntag (18. November) war die Anteilnahme groß. Rund 200 Gäste, darunter Vereine und Vertreter der Stadt und Politik, kamen um 10 Uhr im Bürgersaal des Alten Rathauses zusammen.© Vanessa Trinkwald
Die Teilnehmer auf ihrem Weg zur Kranzniederlegung am Ehrenmal.© Vanessa Trinkwald
Die Teilnehmer auf ihrem Weg zur Kranzniederlegung am Ehrenmal.© Vanessa Trinkwald
Die Teilnehmer gedachten der Kriegsopfer.© Vanessa Trinkwald
Andacht und Kranzniederlegung wurden musikalisch untermalt.© Vanessa Trinkwald
Die Teilnehmer gedachten der Kriegsopfer.© Vanessa Trinkwald
Die Teilnehmer gedachten der Kriegsopfer.© Vanessa Trinkwald
Kranzniederlegung im Steintorpark.© Vanessa Trinkwald
Die Teilnehmer gedachten der Kriegsopfer.© Vanessa Trinkwald
Die Schützen bei der Kranzniederlegung im Steintorpark.© Vanessa Trinkwald
Die Teilnehmer gedachten der Kriegsopfer.© Vanessa Trinkwald

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