Volkstrauertag in Cappenberg: Trauer um Kriegstote muss Konsequenzen fürs Handeln haben

Volkstrauertag

Zur Gedenkveranstaltung am Volkstrauertag in Cappenberg kommen mehr als 60 Bürger. Ein gutes Signal, wie Jürgen Drees von der Freiwilligen Feuerwehr sagt: „Aber es reicht nicht, zu trauern.“

Selm

, 18.11.2018, 19:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Volkstrauertag in Cappenberg: Trauer um Kriegstote muss Konsequenzen fürs Handeln haben

Vor dem Ehrenmal auf dem Cappenberger Friedhof haben Vertreter des Schützenvereins und der Freiwilligen Feuerwehr mit Bürgermeister Mario Löhr einen Kranz niedergelegt. © Sylvia vom Hofe

Die Schützen gehen vorweg, als sich die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung, darunter auch Bürgermeister Mario Löhr, nach der Messe in der Stiftskirche auf den Weg machen: rund 600 Meter vom Schlossgelände bis zum Ehrenmal auf dem Friedhof. Längst nicht alle Gottesdienstbesucher haben sich angeschlossen. Zumeist sind es Cappenberger in Uniform - Schützen ebenso wie Feuerwehrleute -, die dabei sind. Familien mit Kindern oder Jugendliche sind nicht darunter. Dennoch ist Christian Drees, stellvertretender Löschzugführer der Freiwilligen Feuerwehr, zufrieden mit der Resonanz.

„Konflikte friedlich lösen“

Mehr als 60 Leute: die Teilnehmerzahl in den Vorjahren war schon mal schlechter. Viel wichtiger als die Teilnahme am Trauermarsch ist Drees ohnehin etwas anderes, wie er zu Beginn der Gedenkveranstaltung auf dem Friedhof sagt. „Wir müssen Konflikte friedlich lösen“, sagt Drees. „Wir brauchen nicht Trauer, sondern Frieden.“ Den zu schaffen, sei nicht Politikern vorbehalten. Jeder einzelne sei dazu in seinem Umfeld aufgefordert.

Volkstrauertag in Cappenberg: Trauer um Kriegstote muss Konsequenzen fürs Handeln haben

Von der Stiftskirche startet der Zug zum Friedhof. © Sylvia vom Hofe

Rund 100 Cappenberger und Langerner sind im Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommen, der vor 73 Jahren endete. 25 im Ersten Weltkrieg, der fast auf den Tag genau vor 100 Jahren zu Ende ging. Ihr Schicksal wird in der Regel am Mahnmal vor der Trauerhalle in Erinnerung gerufen. Drees ist das nicht genug. Neben den Opfern der vergangenen Katastrophen der Menschheit ruft er die gegenwärtigen ins Bewusstsein: die Opfer von Krieg und Terror, Hass und Gewalt.

Mehr als 200 Kriege und Bürgerkriege seit 1945

An sie erinnert auch Mario Löhr: „Viele hatten gehofft, dass 55 Millionen Menschenleben, die im Zweiten Weltkrieg ausgelöscht wurden, genug für alle Zeit sind. Doch seit 1945 sind in über 200 Kriegen und Bürgerkriegen weitere Millionen von Toten zu beklagen.“

Löhr fordert lebendige Erinnerungskultur

Die Jugend sei „in besonderer Weise anzusprechen“, fordert Löhr vor einem Publikum, das überwiegend in der zweiten Lebenshälfte steht. „Wir müssen sie mit der Mahnung der Kriege, deren Folgen und der vielen Toten und Opfer sensibel machen für gefährliche gesellschaftliche Entwicklungen.“ Dazu gehöre auch die Verharmlosung von Gewalt. Die mahnende Erinnerung an das menschenverachtende Unrechtsregime der Nationalsozialisten müsse wach bleiben. „Wir dürfen nie aufhören, die Bilder des Grauens wachzuhalten.“

Das gilt auch für die Erinnerung an den 30-jährigen Krieg, der vor 400 Jahren begann. Pater Gregor Pahl ruft das blutige Gemetzel, das 30 Jahre lang in Europa wütete, ins Gedächtnis. Bewusst habe der Katholikentag in diesem Jahr in Münster unter dem Leitwort „Suche den Frieden“ gestanden: „Ein Auftrag für uns alle.“

Ebenso wie in Cappenberg haben an diesem Sonntag auch Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag in Selm und Bork stattgefunden.

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