Völler und Klinsmann: Seltenes Treffen als Gegner

Seit 27 Jahren haben sie nicht mehr zusammengearbeitet. Aber Rudi Völler und Jürgen Klinsmann hatten viele Berührungspunkte in ihrer Karriere. Sie schätzen sich. Und freuen sich auf das Wiedersehen am Mittwoch.

17.12.2019, 12:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einst stürmten sie zusammen zum WM-Titel, dann beerbte der eine den anderen als Bundestrainer. Am Mittwoch (18.30 Uhr/Sky) sind Rudi Völler und Jürgen Klinsmann erst zum dritten Mal nach ihren Spieler-Karrieren Gegner. Auf das Wiedersehen freue er sich „riesig“, erklärte Hertha-BSC-Coach Klinsmann vor dem Spiel in Leverkusen mit Sportchef Völler: „Ich habe ihn ja schon länger nicht mehr gesehen.“ Auch Völler erklärte: „Ich freue mich sehr für Jürgen, dass er wieder da ist.“

Vor der Aufgabe gegen den Reformer Klinsmann hat Völler durchaus Respekt. „Er war ja bisher erst einmal Bundesliga-Trainer. Ich bin sicher, er ist so ehrgeizig, allen beweisen zu wollen, was in ihm steckt.“ Im direkten Vergleich zwischen Trainer Klinsmann und Funktionär Völler steht es 1:1. In der Saison 2008/09 gewann Klinsmann mit dem FC Bayern in der Fußball-Bundesliga in Leverkusen mit 2:0, schied dafür durch ein 2:4 im DFB-Pokal aus. Es war der Anfang vom Ende seiner kurzen und unglücklichen Trainerzeit in München.

Völler wird dies nicht mit Schadenfreude verfolgt haben. Denn das Verhältnis zwischen den beiden ist sehr gut. So reagierte Völler positiv überrascht, als er vor drei Wochen auf dem Flughafen in Moskau von Klinsmanns Rückkehr in die Bundesliga erfuhr und lud ihn spontan zum Kaffee ein.

Von 1987 bis 1992 bildeten die beiden häufig das Sturmduo der Nationalmannschaft. 1990 wurde Deutschland mit dem 30 Jahre alten Völler und dem sechs Jahre jüngeren Klinsmann Weltmeister. „Wir haben das beste Stürmerpaar der Welt“, lobte damals Teamchef Franz Beckenbauer. Als Völler nach der Spuck-Attacke des Niederländers Frank Rijkaard im Achtelfinale zu Unrecht Rot sah, machte Klinsmann mit Wut im Bauch das Spiel seines Lebens. Nach dem Endspiel in Rom trug er den Sturmpartner auf den Schultern über die Tartanbahn des Olympiastadions.

Von 2000 bis 2004 war Völler schließlich selbst Teamchef der Nationalmannschaft. Nach dem Vorrunden-Aus bei der EM 2004 trat er zurück, Klinsmann wurde sein Nachfolger als Bundestrainer und führte Deutschland zur Heim-WM 2006. „Der Jürgen kann Dinge verändern, die mir schwerer gefallen wären“, sagte Völler. Klinsmann berichtete, „dass Rudi mir zugesagt hat, rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen.“ Und nach einigen Monaten lobte Völler: „Jürgen macht das sehr gut, keine Frage.“ Er verzieh Klinsmann sogar, dass dieser Leverkusen die Quartierzusage für die WM entzog und mit dem Team nach Berlin ging. „Die Entscheidung pro Berlin ist völlig in Ordnung“, sagte Völler: „Die Entscheidung für Leverkusen fiel vor drei Jahren. In dieser Zeit hat sich viel verändert.“

Es verlief also meist harmonisch zwischen den beiden. Und es ist sicher auch kein Zufall, dass der FC Bayern im Winter 2009 - ausgerechnet in Klinsmanns Amtszeit - Völler aus Leverkusen abwerben wollte. Es kam nicht dazu, und so arbeiteten die beiden seit 27 Jahren nicht mehr zusammen. Am Mittwoch treffen sie sich aber zumindest wieder.

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