Frauen zur Prostitution „verflucht“: Urteil gegen Schleuser im Voodoo-Prozess gesprochen

Landgericht Bochum

Im „Voodoo-Prozess“ um sexuelle Ausbeutung in Bordellen in Selm, Castrop-Rauxel und Dortmund sind die Urteile verkündet worden. Die Richter verhängten empfindliche Haftstrafen.

Selm, Dortmund, Castrop-Rauxel

, 27.09.2019, 16:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Frauen zur Prostitution „verflucht“: Urteil gegen Schleuser im Voodoo-Prozess gesprochen

Der Hauptangeklagte im "Voodoo-Prozess" neben seinem Dortmunder Verteidiger Jens Jeromin (links) und Dolmetscher Friday Agbonlahor (rechts) © Werner von Braunschweig

Dieser Prozess sprengt Dimensionen: Nach einer Marathon-Verhandlung über 21 Monate mit insgesamt 84. Verhandlungstagen sind am Freitag die Urteile im „Voodoo-Prozess“ um Menschenhandel, Zwangsprostitution und Ausbeutung von nigerianischen Frauen in Bordellen und Saunaclubs in Selm, Castrop-Rauxel und Dortmund verkündet worden.

Die 5. Strafkammer am Bochumer Landgericht verhängte gegen den Hauptangeklagten (34) insgesamt acht Jahre und drei Monate Haft. Dessen Frau (35) wurde zu vier Jahren Haft und der ebenfalls angeklagte Bruder (28) zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Zwei weitere Angeklagte (er 27, sie 34) kassierten vier Jahre, beziehungsweise drei Jahre und neun Monate Haft. Nur ein Angeklagter (42) kam am Ende mit einer Bewährungshaftstrafe von 15 Monaten davon. Anders als bei den anderen Verurteilten lautete das Urteil in seinem Fall auch „nur“ auf Betrug und nicht auf bandenmäßiges Einschleusen von Ausländern, schweren Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung, Zuhälterei und Zwangsprostitution.

Juju-Schwur abgelegt

Richterin Isabel Hoffmann zeichnete die Rollenverteilung der Hauptangeklagten noch einmal genau nach. Der 34-jährige Mann habe sich vorwiegend um die Einschleusung, das Besorgen von falschen Ausweisen, die Vermittlung der Frauen in Rotlicht-Clubs und um das Abkassieren von Geldern gekümmert. Den sogenannten „Juju-Schwur“, ein Voodoo-Ritual mit Tierblut, Haaren und Fingernägeln, hatten die Frauen bereits in Nigeria vor einem Voodoo-Priester abgelegt. Dabei mussten sie geloben, nach der Schleusung sich allen Anweisungen klaglos zu fügen und so lange einer Arbeit nachzugehen, bis ihre 25.000 Euro Schleusungsgeld abbezahlt sind. Ansonsten würden Herzkrankheiten und großes Pech über sie und ihre Familien hereinbrechen.

Die „Madame“ lehrte das Laufen auf hochhackigen Schuhen

Der angeklagten Frau („Madame“) schrieben die Richter die Rolle einer Einweiserin zu. Sie habe die Mädchen auf die Tätigkeit als Prostituierte vorbereitet, ihnen Arbeitskleidung besorgt und sogar beigebracht, auf hochhackigen Schuhen zu laufen.

Die Arbeit in den Bordellen habe den Nigerianerinnen keinesfalls „Spaß gemacht“, wie es der Hauptangeklagte behauptet hatte. Im Gegenteil: Im Prozess habe man sich eindrucksvoll überzeugen können, dass es die Frauen angewidert habe, hieß es. Mehrmals habe der Hauptangeklagte Frauen, die zuvor von Freiern geschwängert worden waren, später sogar Abtreibungspillen gegeben und zwar alleine mit dem Ziel, dass sie nur dann weiter als Prostituierte arbeiten können. „Gewalt hatte der Hauptangeklagte nicht nötig“, so die Richterin. „Seine Waffe waren seine Worte, mit denen er Überlegenheit demonstrierte.“

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