Villa Urbahn auf dem Weg zu Lüner Museum: Ausschuss für Stadtentwicklung nickt Pläne ab

dzBericht und Meinung

Der Kulturausschuss hatte jüngst als erstes Entscheidungsgremium den Weg für einen Umzug des Museums in die Villa Urbahn geebnet. Dienstag folgte schweigend der Stadtentwicklungsausschuss.

Lünen

, 28.11.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach dem Kulturausschuss hat Dienstag (26.11.) der Stadtentwicklungsausschuss - ohne Wenn und Aber, ohne jedwede Diskussion -, dem geplanten Umzug des städtischen Museums aus dem Gesindehaus Schwansbell in die denkmalgeschützte und von Grund auf zu sanierende Villa Urbahn in der Lüner City zugestimmt.

Abgesegnet wurde auch der aus Platzgründen erforderliche Museumsanbau im Schatten des denkmalgeschützten Rathauses. Über Sinn, Zweck und Wirtschaftlichkeit des millionenschweren Vorhabens verloren die Ausschussmitglieder kein Wort.

Im günstigsten Fall mag das daran gelegen haben, dass die aus Steuerzahlersicht äußerst kostspielige Angelegenheit im Haupt- und Finanzausschuss noch zur Sprache kommen soll. Dieser Ausschuss tagt am Donnerstag (5.12.) ab 16 Uhr im Rathaus. Dann sollten auch die nackten Zahlen auf den Tisch kommen.

Das letzte Wort hat dann der Stadtrat eine Woche später am Donnerstag (12.12.). Dessen Sitzung beginnt übrigens, wie bereits berichtet, schon vormittags um elf Uhr im Rathaus.

Während sich die Ausschussmitglieder bis auf eine Nachfrage zur Barrierefreiheit der (umgebauten) Villa durch die Bank, über alle Fraktionen hinweg in Schweigen hüllten, nutzte Lünens Technischer Beigeordneter Arnold Reeker Dienstag die Gelegenheit, dem Ausschuss den Umzug schmackhaft zu machen.

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Rundgang durch die Villa Urbahn

Die Zukunft der denkmalgeschützten Villa Urbahn steht noch in den Sternen. Wie es in dem Gebäude aussieht, zeigen wir in unserer Fotostrecke.
28.07.2019
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Seit März 2018 gehört die denkmalgeschützte Villa Urbahn (Baujahr 1925) an der Graf-Adolf-Straße hinter dem Rathaus der städtischen SL Grundbesitz GmbH & Co. KG. Diese Gesellschaft befindet sich über die Stadthafen Lünen GmbH zu 100 Prozent im Besitz der Stadtwerke. Zum Kaufpreis machen die Stadtwerke keine Angaben. Im Raum standen seinerzeit 383.000 Euro.© Blaszczyk
So sieht es im Erdgeschoss der von Grund auf sanierungsbedürftigen Villa aus. Die Heizkörper im Vordergrund sollen demnächst provisorisch eingebaut werden. Damit soll sichergestellt werden, dass es nicht wieder zur Schimmelbildung kommt. Wegen eines Wasserschadens im Frühjahr 2018 waren sämtliche Räume von Schimmel befallen. Und zwar so schlimm, dass sogar der Putz von einigen Wänden entfernt werden musste.© Blaszczyk
Auch der Eingangsbereich der Villa Urbahn war stark von Schimmel befallen. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Bis vor wenigen Monaten waren Handwerker damit beschäftigte, die Folgen des Wasserschadens zu beseitigen. "Es wurden Fußböden rausgenommen, Putz von den Wänden geklopft, Schimmel entfernt", sagt Norbert Mackel, Technischer Leiter bei den Stadtwerken vor Ort.© Blaszczyk
Im 1. Obergeschoss sieht es nicht besser aus als im Erdgeschoss. Auch hier wartet auf die Handwerker jede Menge Arbeit in Zukunft. Wobei der Denkmalschutz über allem schwebt. Das ist auch der Grund, warum die Fenster nicht einfach rausgerissen und durch neue ersetzt werden können. Jede Maßnahme muss mit der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Lünen und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL, Münster) abgesprochen werden. © Blaszczyk
Über diese, natürlich unter Denkmalschutz stehende Holztreppe, geht es unters Dach der Villa Urbahn. Damit die Stufen der in die Jahre gekommenen Treppe nicht zusätzlichen Schaden nehmen, werden diese mit Hilfe von schwerem Packpapier geschützt. © Blaszczyk
Für besonders erhaltenswert halten Denkmalschützer das gewölbte Dach der Villa Urbahn. Dessen Form spiegelt sich natürlich auch in den fünf kleineren und größeren Räumen unterm Dach wider. Das macht es nicht immer einfach, dort Möbel aufzustellen. Gleichwohl verbreitet die Dachform eine gewissee Wohlfühl-Atmosphäre.© Blaszczyk
Um sich einen Überblick über den Zustand des Daches zu machen, haben Handwerker nach Rücksprache mit Denkmalschützern Teile des Daches von innen freigelegt. Dabei zeigte sich, dass zur Wärmedämmung und Isolierung Torf verwendet wurde. Ob das Dach in dieser Form wieder aufgebaut wird, steht zurzeit noch nicht fest.© Blaszczyk
Ein Blick ins 1. Obergeschoss der Villa.© Blaszczyk
Ein Blick ins 1. Obergeschoss der Villa.© Blaszczyk
Das Dach der Villa Urbahn muss nach Einschätzung von Experten komplett erneuert werden. Die Aufnahme zeigt die Holzkonstruktion von innen.© Blaszczyk
Was mit dieser Badewanne im Erdgeschoss der Villa wird, steht in den Sternen.© Blaszczyk
Die hölzerne Deckenkonstruktion in allen Räumlichkeiten steht ebenfalls unter Denkmalschutz und lässt sich deshalb nur sehr zeit- und kostenintensiv sanieren.© Blaszczyk
Dieses Zimmer unterm Dach verfügt in der Ecke hinten ein Waschbecken. Was daraus wird, ist offen.© Günter Blaszczyk
Über diese Treppe geht es vom Erdgeschoss aus eine Etage höher.© Günter Blaszczyk
Diese Waschgelegenheit findet sich im Untergeschoss.© Günter Blaszczyk
Die Haustür der Villa. © Blaszczyk
Die Villa Urbahn an der Graf-Adolf-Straße.© Blaszczyk

Man könne das ganze Vorhaben aus „stadtplanerischer Sicht“ einfach nur positiv sehen, sagte Reeker. Und was die Barrierefreiheit angeht, da sei im Rahmen des Umbaus der Villa Urbahn zum Museum der Einbau eines Aufzuges geplant: „Da setze ich auf den Architekten.“

Ebenso setzt die Verwaltung bei dem Museumsanbau auf das Fingerspitzengefühl des Lüner Architekten Robert Weiss (Architektenbüro Weiss - Wessel - Kirchner). Der hatte im Kulturausschuss Karl Marek (CDU, Architekt im Ruhestand), zugestimmt, dass das denkmalgeschützte Rathaus auch künftig erste Priorität behalte.

Deshalb sei der Anbau, hatte Weiss weiter gesagt, „wie ein schwarzer Schatten“ geplant, unscheinbar, damit man den Ratssaal wahrnehme.

Dazu sagte Reeker im Stadtentwicklungsausschuss, ohne dass er danach gefragt worden war, dass sich das künftige Gebäude (der Museumsanbau, Anm.d.Red.) sehr zurücknehme. Aus dem Sitzungssaal des Rathauses, könne man auf den Anbau schauen. Der Ausschuss nahm´s schweigend zur Kenntnis. Schließlich gab es (noch) ganz andere Sachen zu besprechen.

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