Viele Schwangere in der Verwaltung: Stadt Lünen schreibt neue Stellen aus

dzMutterschutz

Weil derzeit viele weibliche Angestellte im Mutterschutz sind, muss die Stadtverwaltung reagieren - denn so manche Arbeit bleibt liegen. Am Ende könnte es mehr Angestellte als Stellen geben.

Lünen

, 27.11.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im jüngsten Planungsausschuss warb der Technische Beigeordnete Arnold Reeker bei den Politikern um Verständnis: Derzeit könne sein Dezernat nicht alle Aufträge in der üblichen Geschwindigkeit abarbeiten, da gleich vier Kolleginnen gleichzeitig wegen Schwangerschaft oder Elternzeit ausfallen.

Nicht nur die Stadtplanung ist von diesem Phänomen betroffen: Wie Personaldezernent Michael Kuzniarek im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt, befinden sich derzeit 16 weibliche Angestellte im Mutterschutz, weitere 20 in Elternzeit - „wobei einige Teilzeit in Elternzeit nutzen“. Das bedeutet, dass sich die Angestellten im Grunde selbst vertreten, aber eben nicht die volle Stundenzahl absolvieren.

„Stadt Lünen bei Vereinbarkeit von Familie und Beruf Vorreiter“

Auch wenn diese Zahlen angesichts von insgesamt knapp 1000 Mitarbeiterin in der Stadtverwaltung eher klein erscheinen, muss die Stadt schnell reagieren - das zeigt sich nicht nur im Planungsamt, sondern beispielsweise auch in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation, der unter anderem auch das Stadtmarketing unterstellt ist. 3,7 Stellen sind laut Plan für die gesamte Abteilung vorgesehen, zwei davon für das Stadtmarketing. Diese beiden Stellen sind von Mitarbeiterinnen besetzt, die sich in Elternzeit oder Mutterschutz befinden.

„Grundsätzlich ist das eine gute Nachricht, dass wir so viele Frauen haben, die Kinder bekommen“, ordnet Michael Kuzniarek das Thema ein. Er sehe die Stadt Lünen in dieser Beziehung als Vorreiter: „Was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angeht, hat die Verwaltung bereits etwas erreicht, wo viele private Arbeitgeber erst noch hinkommen müssen.“

Selbe Stelle, andere Einrichtung

Als Beispiele nennt der neben der Teilzeit-in-Elternzeit-Regelung auch die flexiblen Arbeitsmodelle nach dem Ende der Elternzeit. Auch müsse sich kein Mitarbeiter - egal ob männlich oder weiblich - Sorgen machen, dass er keine Elternzeit bekommt oder dadurch Nachteile hat.

Letzteres ist ohnehin gesetzlich geregelt: Wenn eine Mitarbeiterin in Mutterschutz geht, hat sie anschließend das Recht auf eine gleichwertige Stelle. „Es muss nicht exakt die selbe Stelle sein wie vorher“, so Kuzniarek und verweist auf die Erzieherinnen an städtischen Kitas: „Hier kann die Einrichtung nach der Elternzeit auch wechseln.“

Die Schwierigkeit, die auch Arnold Reeker im Ausschuss erwähnte: Fachkräfte für eine Vertretungszeit zu finden, ist je nach Job-Familie schwierig bis unmöglich. Während für die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation eine befristete Vertretung gesucht wird, hat die Verwaltung für das Planungsdezernat eine unbefristete Stelle ausgeschrieben: „Wir suchen auf einem Markt, auf dem befristete Verträge nicht mehr attraktiv sind.“

Vertretung aus dem Personal-Pool

Außerdem seien solche Ausschreibungen Teil einer Strategie: „Die Politik hat uns einen Personal-Pool zugestanden.“ Also schaue man sich eine Job-Familie - beispielsweise die Ingenieure - an und prognostiziere, wie viele Fälle von Mutterschutz in den kommenden Jahren auftreten können.

„So haben wir am Ende zwar einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin mehr, als Stellen vorhanden sind.“ Das Risiko, dass diese Kraft am Ende jedoch tatsächlich „übrig“ ist, sei aufgrund der zu erwartenden Schwangerschaften oder Elternzeiten gering. „Das funktioniert natürlich nur, wenn eine Abteilung auch mindestens 20 oder 30 Angestellte hat“, sagt der Personaldezernent.

Das Ziel sei es, die Vertretungen demnächst aus dem Personal-Pool organisieren zu können. „So weit sind wir aber noch nicht“, sagt Michael Kuzniarek. Bis dahin wird die Stadt also weiter mit neuen Ausschreibungen arbeiten - und somit neue Jobchancen im Öffentlichen Dienst bieten.

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